Kirchliche Hilfe für Myanmar läuft auf Hochtouren
Wien-Rangun, 12.5.08 (KAP) Trotz großer logistischer Probleme und Behinderungen von Seiten der Militärregierung ist Hilfe in Burma (Myanmar) möglich. Dies betonte am Sonntagabend ein Mitarbeiter der Diakonie-Katastrophenhilfe, der sich in Rangun aufhält, in einem "Kathpress"-Gespräch. Die Helfer hätten vor allem mit gewaltigen Kommunikationsproblemen und fehlenden logistischen Möglichkeiten zu kämpfen, so der Diakonie-Katastrophenhelfer Peter Rottach. Alle Festnetzleitungen seien zerstört und das Mobilnetz funktioniere nur rund zehn Kilometer im Umkreis von Rangun. Dazu komme, dass - auf Grund der restriktiven Bestimmungen - lokale NGOs, buddhistische Klöster und Kirchen kaum im Besitz von Mobiltelefonen sind. Wegen der fehlenden Kommunikationsmöglichkeiten werde auch erst allmählich das volle Ausmaß der Katastrophe durch den Wirbelsturm "Nargis" deutlich.
Allein aus einer Region 85.000 Tote
Allein aus der Region Bogale seien inzwischen 85.000 Todesopfer bestätigt worden, so der Diakonie-Mitarbeiter. Aus der Region rund um Labutta gebe es nach wie vor hingegen nur spärliche Nachrichten. Hunderte Dörfer seien aber völlig ausradiert. So gebe es Berichte, wonach etwa das Dorf Pyin Salu, ein Vorort von Labutta, zur Gänze zerstört wurde. 6.000 bis 7.000 Menschen seien allein in diesem Dorf ums Leben gekommen. Die Vermissten würden mittlerweile zu den Todesopfern gezählt, da es keine Hoffnung mehr gibt, sie zu finden.
Wie Peter Rottach berichtete, seien die meisten Menschen ertrunken. Das Irrawaddy-Delta ist sehr flach und die Flutwelle hatte eine Höhe von drei bis vier Metern. Viele Menschen wurden auf ihren Feldern oder auf dem Nachhauseweg vom Zyklon überrascht, so der Diakonie-Mitarbeiter: "Die Bauern verbringen die Nächte oft auf ihren Feldern in behelfsmäßigen Unterkünften, da die Felder von den Dörfern schwer zu erreichen sind".
Dramatisch sind auch die Logistikprobleme, mit denen die Helfer an Ort und Stelle zu kämpfen haben. Treibstoff sei rationiert, Benzin auf Vorrat zu lagern sei verboten, was die Hilfstransporte massiv beeinträchtigt, so der Diakonie-Mitarbeiter: "Die Regierung versucht alles, um zu erzwingen, dass die Verteilung von Hilfsgütern nur über Regierungsstellen möglich ist".
Eine lokale Partnerorganisation lade Hilfsgüter beispielsweise auf kleine Boote und in Minibusse um, da große LKWs zu sehr auffallen würden und Gefahr laufen, beschlagnahmt zu werden. Mit diesen Booten und Mini-Vans würden dann Camps versorgt, die sich um Kirchen und Klöster herum gebildet haben. "Die Versorgung läuft rund um die Uhr, aber durch diese Logistik sind die Kapazitäten beschränkt", so der Diakonie-Mitarbeiter.
Nur wenige Helikopter im Einsatz
Die Regierung werfe zudem mit Helikoptern Hilfsgüter aus der Luft ab. Wobei aber nicht mehr als sechs oder sieben Helikopter zur Verfügung stünden, so der Katastrophenhelfer: "Die Hubschrauberpiloten trauen sich auch nicht zu landen und die Güter zu verteilen, aus Angst, dass die Helikopter gestürmt werden könnten. So kommt nur der zu Hilfspaketen, der sich im Verteilungskampf durchsetzen kann".
Skurril mute zudem die Situation in Rangun an, wo das Leben schon wieder weitgehend normal ablaufe. Die Schäden seien eher gering und man sehe beispielsweise kaum noch umgestürzte Bäume, da das Militär die Aufräumarbeiten sehr zügig durchgeführt hatte. Der Diakonie-Mitarbeiter sprach von einer "gespenstischen Parallelwelt".
Reiche Burmesen aus Rangun würden zudem Lebensmittel in Supermärkten aufkaufen, mit ihren luxuriösen Autos aufs Land fahren und die Nahrungsmittel aus dem fahrenden Auto werfen. "Das sind dann meist Brötchen und Softdrinks. Man sieht, dass dieses Land keinerlei Vorbereitung getroffen hat und es keine Erfahrung gibt, wie sinnvolle Hilfe aussehen müsste", so der Katastrophenhelfer wörtlich.
Trotz allem gebe es auch positive Nachrichten. Eine wenige lokale NGOs könnten an Ort und Stelle durchaus auch sinnvolle Soforthilfe leisten. So sei es gelungen, rund 40 Dörfer mit dem Nötigsten zu versorgen, berichtete Rottach: "Das klingt wenig, bringt aber immerhin 50.000 Menschen substanzielle Hilfe".
Soforthilfe und Wiederaufbau
Hilfe müsse nun in drei Phasen erfolgen. Erstens müsse die Soforthilfe intensiviert werden: Notwendig seien vor allem sauberes Trinkwasser, Lebensmittel und Plastikfolien, wobei alles im Land vorhanden sei, aber die Verteil-Logistik aufgebaut werden muss.
Zweitens gelte es schon jetzt, so der Katastrophenhelfer, die folgende Phase des Wideraufbaus zu konzipieren: "Die Bauern haben ihr gesamtes Saatgut und ihre Nutztiere verloren. Und die Zeit drängt. Der Monsun steht vor der Tür. Noch bleiben vier bis sechs Wochen Zeit. Bis dahin muss das Saatgut verteilt sein, sonst hängt das Überleben der Menschen auch im nächsten Jahr noch von Lebensmittellieferungen ab". Auch der Tierbestand müsse wiederhergestellt werden: "Wir müssen Muttertiere verteilen, Hühner, Schweine, Kühe und Büffel".
In der dritten Phase des Wiederaufbaus müsse darauf geachtet werden, dass Elemente der Katastrophenvorsorge beim Hausbau mitgeplant werden, wie etwa Zisternen zur Trinkwassergewinnung aus dem Regen, da das Salz im Grundwasser immer ein Problem darstellt.
Das Resümee des Diakonie-Mitarbeiters in Rangun: "Uns geht es wie allen internationalen Hilfsorganisationen, wir müssen möglichst schnell die Kapazitäten unserer lokalen Partner-NGOs ausbauen und eine funktionierende Hilfsstruktur aufbauen. Dazu werden beträchtliche Mittel notwendig sein. Wenn man der derzeitigen Situation etwas Positives abgewinnen will, dann kann man sagen, dass zumindest derzeit die Menschen nicht verhungern. Die Menschen ziehen in Camps, wo sie leichter mit dem Nötigsten versorgt werden können. Aber diese Katastrophe wird uns noch sehr lange beschäftigen".
Der Direktor der Diakonie Österreich, Michael Chalupka, warnt davor vor den Widrigkeiten und Einschränkungen, denen die Hilfe in Burma unterliegt, zu resignieren. "Hilfe ist dringend notwendig und durch die Organisationen, die schon jahrelang im Land mit Partnern tätig sind, auch möglich. Jedes einzelne Leben ist es wert, gerettet zu werden! Spenden für die Opfer des Zyklons in Burma können wirksam eingesetzt werden", so Chalupka anschließend. (Spenden: Kto. Nr. PSK 23 13 300, BLZ 60 000; Kennwort "Myanmar (Burma)".
Malteser-Team im Einsatz
Ein achtköpfiges Helfer-Team der deutschen Malteser ist am Sonntag unter großem Jubel der Bevölkerung in der Küstenstadt Labutta im Irrawaddy-Delta angekommen und hat dort eine Nothilfe-Klinik in Betrieb genommen. Der große LKW - voll beladen mit Medikamenten, Nahrungsmitteln, Wasserentkeimungstabletten, Verbandsmaterial und Plastikplanen für Notunterkünfte - und die beiden Begleitfahrzeuge konnten den Weg von Rangun in die Delta-Region ohne Behinderungen zurücklegen.
Ingo Radtke, Leiter von Malteser International, berichtete: "In der Nothilfe-Klinik, die wir im Haus der Familie einer unserer Mitarbeiterinnen einrichten konnten, versorgen die beiden Ärzte und unsere Krankenschwester die Verletzten und verteilen Medikamente gegen die Durchfall- und Atemwegserkrankungen". Ein weiterer einheimischer Experte kümmert sich um die Versorgung der Bevölkerung mit sauberem Trinkwasser. Außerdem verteilen die Helfer Nahrungsmittel sowie Plastikplanen für den Bau von Notunterkünften. "Unsere Helfer sorgen dafür, dass das Geld, das weltweit für die Überlebenden des Zyklons gespendet wird, auch wirklich bei den Hilfebedürftigen ankommt", so Radtke weiter.
Am Dienstag und Mittwoch werden weitere Hilfsgüter-Transporte der Malteser nach Labutta aufbrechen. Neben zusätzlichen Helfern sollen sie vor allem Material für den Bau von 100 Latrinen in Notunterkünften liefern sowie die Ausstattung für zwei mobile Kliniken, mit denen die Malteser-Helfer auch die Menschen außerhalb der Stadt behandeln können.
Auch in der Region um Rangun sind die Malteser weiter mit Hilfsmaßnahmen aktiv. In den drei Distrikten Dawbon, Tantabin und Thongwa verteilen sie Wasserentkeimungstabletten für 40.000 Menschen, versorgen die Verletzten und verteilen Medikamente. Darüber hinaus verteilen sie 750 sogenannte "Family Kits" mit Kochgeschirr, Hygieneartikeln und Wasserkanistern sowie 850 Plastikplanen für den Bau von Notunterkünften. (Ingo Radtke steht für Interviews zur Verfügung; Pressesprecherin Claudia Kaminski, Tel. 0049/221/98.22/125 oder 0049/160/707.76.89, E-Mail: presse@maltanet.de).
Burma: Caritas-Hilfe läuft auf Hochtouren
Wien-Rangun, 12.5.08 (KAP) "Die Lage in Burma ist nach der Wirbelsturm-Katastrophe noch viel dramatischer, als wir bisher angenommen haben": Dies betonte am Montag die Leiterin des Krisenstabs der Caritas Österreich im Katastrophengebiet, Sabine Wartha. Die "Katastrophe nach der Katastrophe" habe gerade erst begonnen. Während viele internationale Helfer noch darauf warten müssen, dass die burmesische Militärregierung sie ins Land lässt, arbeiten die örtlichen Caritas-Leute gemeinsam mit vielen Freiwilligen auf Hochtouren. In den Camps bei Pathein, Lambutta, Myaung Mya, und in der Hauptstadt Rangun kommen jede Minute neue Familien an. Viele sind traumatisiert, haben Angehörige verloren. Die Menschen sind völlig geschwächt. Wer aus extremem Durst verseuchtes Wasser getrunken hat, leidet an Durchfall oder Schlimmerem. Besonders das Leben der Kinder ist bedroht. "Wir versorgen die Menschen nach Kräften mit sauberem Wasser und Reis. Wir tun auch alles, um Seuchen zu verhindern. Mit sechs Booten fahren wir die Küstengebiete ab, bringen die Verletzten in die nächstgelegten Städte", teilte Sabine Wartha mit.
Hoffen auf Spenden
Was es langfristig für die Burmesen bedeutet, dass der Wirbelsturm fast die gesamte Reisernte vernichtet hat, daran mag derzeit noch niemand denken. Die Caritas Österreich hat für die Hilfsmaßnahmen Mittel aus dem Katastrophenfonds zur Verfügung gestellt. Zwei österreichische Experten sind vorbereitet und stehen kurz vor ihrem Einsatz. Sabine Wartha: "Jetzt hoffen und vertrauen wir darauf, dass uns die österreichische Bevölkerung mit Spenden unterstützt, denn es ist noch wesentlich mehr an Hilfe notwendig".
Momentan gehe es darum, Soforthilfe zu leisten, um das Überleben möglichst vieler Menschen zu sichern, so die Leiterin des Caritas-Krisenstabes: "Erst danach werden wir uns um den Wiederaufbau kümmern können". (Spenden: Kto. Nr. PSK 7 700 004, BLZ 60 000; Kennwort: Myanmar/Burma).