Kirchliches Gedenken an Befreiung aus KZ Mauthausen
Linz, 13.5.08 (KAP) In der KZ-Gedenkstätte Mauthausen finden am Sonntag, 18. Mai, die Feiern zum Gedenken an die Befreiung der Häftlinge vor 63 Jahren statt. Den ökumenischen Gedenkgottesdienst um 9.30 Uhr leiten der Linzer Diözesanbischof Ludwig Schwarz, der griechisch-orthodoxe Metropolit Michael Staikos und der evangelische Bischof Michael Bünker. Um 8 Uhr feiert Bischof Schwarz eine Messe in der örtlichen Pfarrkirche. Ansprachen halten ab 11 Uhr Bundeskanzler Alfred Gusenbauer, der ehemalige Häftling Hofrat Hans Marsalek sowie der Präsident des "Comite International de Mauthausen", Walter Beck aus Prag.
Internationales Symposion
Die Gedenk- und Befreiungsfeiern stehen heuer unter dem Thema "Europäischer Widerstand gegen den Nationalsozialismus". Dazu findet am Freitag, 16. Mai, ab 9 Uhr an der Linzer Kepler-Universität ein internationales Symposion zum Thema "Europäischer Widerstand und das KZ Mauthausen" statt. Am Samstag, 17. Mai, sind um 10.30 Uhr die Befreiungsfeiern in Ebensee angesetzt. U.a. sprechen der Chef der toskanischen Regionalregierung, Claudio Martini, und der Bürgermeister von Prato, Marco Romagnoli. Um 17.30 Uhr wird am 17. Mai der Befreiung des Nebenlagers Gusen gedacht. Die Ansprache hält der Theologe Prof. Helmut Wagner von der Katholisch-Theologischen Privat-Universität Linz.
Der Grazer Pastoraltheologe Prof. Rainer Bucher spricht am Mittwoch, 21. Mai, bei der Lambacher Befreiungsfeier. Um 19.30 Uhr wird im Stiftshof eine Gedenktafel enthüllt, die "dreifaches Unrecht" thematisiert: "Vertreibung der Mönche - Errichtung eines KZ-Außenlagers für Männer - Errichtung eines KZ-Außenlagers für Frauen". Bucher spricht im Stiftshof von Lambach über sein Buch "Hitlers gnadenlose Theologie - Strukturen und Lehren".
In der Mauthausener KZ-Gedenkstätte werden heuer zwei Sonderausstellungen gezeigt: "Techniker der 'Endlösung': Die Firma 'Topf und Söhne', Ofenbauer von Auschwitz, und die Krematorien von Mauthausen" sowie "Jenseits der Mauer: Das KZ Bozen - Tor zum KZ Mauthausen". Im Konzentrationslager Mauthausen, das vom NS-Regime 1938 errichtet worden war, und in den Nebenlagern kamen mehr als 100.000 Menschen ums Leben. Am 5. Mai 1945 kam ein Panzerspähtrupp der US-Armee in das Konzentrationslager; dieses Datum gilt seither als Tag der Befreiung. Wegen der Feiertage wurden die Gedenkfeiern heuer verschoben.
Leopoldstadt: "Steine der Erinnerung"
Im Gedenken an die ermordeten und vertriebenen Juden aus Wien-Leopoldstadt werden am Sonntag, 18. Mai, um 16 Uhr die neu gesetzten "Steine der Erinnerung" vor der St. Johannes Nepomuk-Kirche in der Praterstraße von Pfarrer Konstantin Spiegelfeld, Mitgliedern des Pfarrgemeinderats und Repräsentanten des Vereins "Steine der Erinnerung" enthüllt. Der Text auf den Steinen lautet: "In Verantwortung für die Geschichte gedenken wir der jüdischen Bevölkerung. Für alle, die den christlichen Werten unter der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft treu geblieben sind". Im Rahmen der "Langen Nacht der Kirchen" am 30. Mai werden um 23.45 Uhr bei den neu gesetzten Steinen fünf Schweigeminuten gehalten werden.
Pfarrer Spiegelfeld, der sich gemeinsam mit der Obfrau des Vereins "Steine der Erinnerung", Elisabeth Ben David-Hindler, für das Projekt einsetzt, begründet das Engagement der Pfarre so: "Im Mai 2008 werden zwei 'Steine der Erinnerung' vor der Pfarrkirche St. Johann Nepomuk an der Praterstraße gesetzt. Der öffentliche Raum wird auf diese Weise ein Ort der Erinnerung, des Gedenkens und des Lernens. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Leopoldstadt wurden und werden von vielen jüdischen Wienerinnen und Wiener geprägt. Vor der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten lag hier ihr Bevölkerungsanteil bei 40 Prozent. Durch gemeinsames Nachdenken und viele Gespräche in der Pfarrgemeinde haben wir die vorliegenden Texte für die 'Steine der Erinnerung' erarbeitet".
Zwei Schwerpunkte würden dabei zur Sprache gebracht: Die historischen Ereignisse zu kennen, sei ein wichtiger Auftrag für die heute lebenden Menschen, für jüngere und für ältere. Die Verfehlungen der Vergangenheit anzuerkennen, trage aber auch dazu bei, das Gewissen angesichts der Herausforderungen der Gegenwart wieder zu wecken, wie es Johannes Paul II. ausgedrückt habe.
Die Überzeugung von der gleichen Würde aller Menschen auf Grund ihrer Gottebenbildlichkeit sei ein hoher christlicher Wert, betonte Pfarrer Spiegelfeld. Viele Menschen seien diesem Wert treu geblieben, oft bis zum Tod. Für viel zu viele andere Frauen und Männer seien aber vor 70 Jahren an die Stelle doeses Wertes "rassistische, antisemitische, nationalistische und völkische Fantasien" getreten. Diese Fantasien seien der Nährboden "für die Ideologie des Nationalsozialismus" gewesen und hätten "schreckliche Folgen" gehabt. (Informationen: Internet: www.steinedererinnerung.net, www.pfarre-nepomuk.at).