Kirchen sollen Allianz für Klimaschutz anstoßen
Wien, 17.5.08 (Katholisch.at) Die "Arbeitsgemeinschaft Schöpfungsverantwortung" regt die Gründung einer österreichweiten "Klima-Allianz" an. Wie der Klimareferent der "Arbeitsgemeinschaft", Ulrich Kral, beim Klimaschutz-Symposion am Freitag im Wiener Naturhistorischen Museum betonte, bedürfe es in Österreich einer Sammelbewegung für den Klimaschutz, in dem "engagierte Bürger, zivilgesellschaftliche Bewegungen sowie Institutionen gemeinsam für den Klimaschutz auftreten". Vorbildcharakter habe die im Vorjahr in Deutschland auf Initiative der katholischen und der evangelischen Kirche gegründete Klima-Allianz, der mittlerweile mehr als 40 Organisationen - von den Kirchen über "Greenpeace" bis "Attac" - angehören. Ziel ist es dabei, durch stete Erinnerung an beschlossene Klimaschutzziele die Regierung zu konkreten Maßnahmen zu bewegen.
Image (img2) invalid or missing | Ulrich Kral, ARGE Schöpfungsverantwortung
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Das Symposion in Wien stand unter dem Titel "Klimawandel - Systemwandel. Eine verantwortungsethische Herausforderung" und versammelte Vertreter der Religionsgemeinschaften, Fachleute aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft. Über die spezifische Verantwortung der Religionsgemeinschaften zum Klimaschutz sprachen u.a. der Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich, Altbischof Herwig Sturm, sowie Isolde Schönstein und P. Georg Ziselsberger von der "Arbeitsgemeinschaft Schöpfungsverantwortung".
Isolde Schönstein kündigte im Rahmen des Symposions eine österreichische Adaption des italienischen Lebensstilmodells "Bilanci di giustizia" (Bilanzen der Gerechtigkeit), begründet von Don Gianni Fazzini, an. Ziel des Projekts ist es, Ernährung und Einkaufsverhalten als Möglichkeit zu sehen, Produktions- und Arbeitsverhältnisse im Sinn von Nachhaltigkeit zu steuern. Unter dem Namen "Steuern Sie selbst!" werden nun Personen und Familien gesucht, die bereit sind, ihren Lebensstil genau zu bilanzieren und gegebenenfalls anzupassen. Ziel des Projektes sei es zugleich, "dem Gefühl der Ohnmacht entgegenzutreten, dass man angeblich nichts ändern könne".
Image (img3) invalid or missing | Isolde Schönstein, ARGE Schöpfungsverantwortung
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Einsparpotenzial bei den Kirchen
Für den "dringend gebotenen Schritt vom Reden zum Tun" auch im Bereich der kirchlichen Schöpfungsverantwortung plädierte der Studienleiter der Evangelischen Akademie Bad Boll und Vertreter des "Europäisch-Christlichen Umweltnetzwerkes" (ECEN), Jobst Kraus. Derzeit stecke die Kirche "in einer Art babylonischer Gefangenschaft einer konsumorientierten und fossilen Gesellschaft - gut eingenistet und ohne einen Blick für bestehende Einsparungspotenziale".
Allein die evangelische Kirche zeichne in Deutschland jährlich für einen Ausstoß von fünf Millionen Tonnen Co2 an Raumwärme und Strom verantwortlich. Rechne man die Abgase des kirchlichen Fuhrparks hinzu, komme man gar auf zehn Millionen Tonnen Co2. Wolle man "den Schritt von der Sonntagspredigt zum Handeln" tun, so könne allein durch das kirchliche Einkaufsverhalten einiges erreicht werden: "Die katholische und die evangelische Kirche in Deutschland kaufen jährlich rund 120.000 Autos neu. Wenn hier auf ein 'Downsizing' bei den Motoren gepocht wird, so kann die Kirche ganz praktisch ihre Marktmacht ausüben".
Image (img4) invalid or missing | Jobst Kraus, Europäisch-Christlichen Umweltnetzwerkes (ECEN)
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"Klimaschutz betrifft alle Politikfelder"
Helmut Hojesky, Leiter der Abteilung Immissions- und Klimaschutz im "Lebensministerium", betonte in seinem Statement, dass Klimaschutz nicht nur ein Thema des Umweltministeriums sei, sondern mittlerweile ein umfassendes politisches Thema bedeute. Klimaschutz betreffe heute "alle Politikfelder", so Hojesky. Pragmatische Ansätze an der gesellschaftlichen Basis müssten sich ergänzen mit gesamteuropäischen Vorgaben und Leitlinien sowie mit weltweiten Initiativen.
Den Industrieländern komme dabei eine "besondere Verantwortung" zu, da sie in der Vergangenheit in besonderer Weise klimaschädlich gehandelt hätten und es nun an ihnen liege, durch rechtzeitigen Technologietransfer in die Entwicklungsländer diese "vor Fehlern zu bewahren, die in den Industriestaaten gemacht wurden und immer noch gemacht werden". Derzeit arbeite das Umweltministerium an einem Klimaschutzgesetz, so Hojesky, das die Kyoto-Ziele "auf die Ressorts und Ministerien herunterbricht und Zuständigkeiten klar regelt". Außerdem erarbeite man derzeit eine "Klimaverträglichkeitsprüfung" für weitere Gesetzesvorhaben, die im Rahmen der Begutachtungsphase auch auf ihre Umweltverträglichkeit geprüft werden sollen.
Image (img5) invalid or missing | Helmut Hojesky, "Lebensministerium"
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Am Nachmittag folgten Statements und Podiumsgespräche unter dem Titel "Klimaschutz ist Lebensschutz" sowie "Verantwortung der Religionsgemeinschaften". Abgeschlossen wurde das Symposion durch ein Podiumsgespräch unter dem Titel "Weltethos - das Einende als Basis des engagierten, gemeinsamen Einsatzes zur Bewahrung der Schöpfung". (Informationen: Internet: http://www.argeschoepfung.at/).