Myanmar: "Katastrophe unvorstellbaren Ausmaßes"
Wien-Rangun, 23.5.08 (KAP) Von einer "humanitären Katastrophe unvorstellbaren Ausmaßes" in Myanmar (Burma) berichtet eine soeben aus dem Katastrophengebiet nach Österreich zurückgekehrte Mitarbeiterin der österreichischen Caritas. "Es fehlt überall am Nötigsten. Jedes Päckchen Salz, jeder Sack Reis, jeder Liter Speiseöl hat existenzielle Bedeutung", so die Caritas-Vertreterin, deren Name in einer Caritas-Aussendung am Freitag aus Sicherheitsgründen nicht genannt wurde. Burma biete "ein Bild des Schreckens", es fehle allerorts an Mitteln für einen Wiederaufbau der von der Flutkatastrophe zerstörten Küstenregionen.
"Zwei Wochen nach dem Zyklon ist die Situation der betroffenen Bevölkerung schlimmer denn je", so die Caritas-Expertin. In dem am stärksten vom Sturm betroffenen Irrawaddy-Delta seien nach wie vor menschliche Leichen und zahllose Tierkadaver nicht geborgen. Auch an den Ufern der Gewässer, aus denen die Menschen ihr Wasser für den täglichen Bedarf schöpfen müssen, würden sie in der tropischen Hitze verwesen. Zudem seien die Brunnen und Teiche mit Salzwasser verunreinigt und als Quelle für Trinkwasser unbrauchbar geworden.
"Die Überlebenden sind fast vollkommen auf sich selbst gestellt", schilderte die Caritas-Mitarbeiterin: "Es gibt keine sichtbare, von den Behörden organisierte Hilfe". Obdachlos gewordene Menschen würden Zuflucht in den buddhistischen Klöstern suchen, wo die ebenfalls von der Katastrophe betroffenen Mönche sich nach Kräften bemühten, mittels Spenden für das Überlebensnotwendige zu sorgen. "Fast jede Familie hat Tote und Vermisste zu beklagen", heißt es in dem Bericht weiter: "Doch trotz ihres Leids sind die Überlebenden mit den Aufräumungsarbeiten beschäftigt. Mit Bambus, Palmblättern und Plastikplanen reparieren sie notdürftig ihre Behausungen und kämpfen ums blanke Überleben."
In Burma, das bereits vor der Katastrophe eines der ärmsten Länder Asiens war, seien zwei Wochen nach dem verheerenden Wirbelsturm viele Menschen vollkommen von der Außenwelt abgeschnitten. Dementsprechend biete sich den Helfern der lokalen Caritas-Partnerorganisationen, die in diese Regionen vordringen, ein "Bild des Schreckens". Es gebe auch keine ausreichende gesundheitliche Versorgung, vielfach blieben auch schwerste Verletzungen unbehandelt.
Essen, Wasser und Hygiene für 200.000
Trotz der schwierigen Umstände versorgen die burmesischen Partnerorganisationen der Caritas auch mit Hilfe aus Österreich bereits knapp 200.000 Katastrophenopfer mit Essen, Wasser und Hygienepaketen. Wie Caritas-Auslandshilfechef Christoph Petrik-Schweifer im Gespräch mit "Kathpress" betonte, sei die österreichische Caritas sowohl personell durch zwei eigene Mitarbeiter an der Hilfe beteiligt als auch durch ihre finanzielle Unterstützung der lokalen Hilfsorganisationen. Die Güter, darunter auch Medikamente zur medizinischen Erstversorgung, werden laut Petrik-Schweifer lokal eingekauft und von den burmesischen Helfern mit Booten in die Katastrophengebiete gebracht.
Trotz "erster Anzeichen einer Öffnung der Grenzen" sei es für ausländische Hilfsorganisationen noch immer sehr schwierig, im Land direkte Hilfe zu leisten, so Petrik-Schweifer. Daher konzentriere sich die Arbeit der Caritas vor allem auf die Unterstützung der bereits im Land befindlichen und dort agierenden Organisationen. Gemeinsam wolle man so "ein starkes Netzwerk der Solidarität und Hilfe aufbauen", so Petrik-Schweifer.
Küberl: Bitte um Unterstützung
Erleichtert äußerte sich Caritas-Präsident Franz Küberl über das Einlenken der burmesischen Militärregierung. Jüngsten Berichten zufolge sollen nun endlich die Grenzen für ausländische Helferinnen und Helfer geöffnet werden. Küberl bat die österreichische Bevölkerung um weitere Unterstützung: "Bitte zeigen Sie den Menschen in Burma, dass die Welt sie nicht vergessen hat! Gemeinsam können wir zumindest die Überlebenden retten, die nun an Seuchen zu sterben drohen". (Spenden: Kto. Br. 7.700.004, BLZ 60.000, Kennwort "Myanmar/Burma", online: www.caritas.at).
O-Töne der Beraterin sowie von Caritas-Auslandshilfechef Christoph Petrik-Schweifer sind unter http://www.katholisch.at/content/site/presse/otoene/index.html abrufbar.(ende)