Küberl fordert neuen Zugang zur Integration
Wien, 27.5.08 (KAP) Die österreichische Integrationspolitik muss in den Heimatländern der Zuwanderer beginnen. Das fordert Caritas-Präsident Franz Küberl in einem Interview mit der Tageszeitung "Die Presse" (Dienstagausgabe). Menschen, die nach Österreich kommen wollen, müssten schon in ihrer Heimat Informationen bekommen, in welchen Berufen sie in Österreich eine Chance haben, so Küberl. Ohne diesen offensiven Zugang zur Integration "werden wir die Integrationsprobleme, über die wir heute reden, auch in Zukunft haben", betonte der Caritas-Präsident.
Im Gespräch mit der "Presse" kritisierte Küberl erneut die in Österreich geltende Trennung von Aufenthalts- und Arbeitsbewilligung für Zuwanderer. Die Trennung führe zu etlichen Härtefällen, die immer wieder auch in der öffentlichen Diskussion genannt werden.
Bei der Integration gehe es nicht nur um Fragen des Niederlassungsrechts, forderte Küberl ein Ende der Engführung in der Integrationsdebatte. Die Integrations-Plattform der Bundesregierung, die im vergangenen Herbst vom Innenministerium ins Leben gerufen worden ist, sei ein richtiger Schritt; Integrationspolitik sei aber nicht nur eine Sache des Innenministers, sondern betreffe genauso das Wirtschafts-, Unterrichts- oder Sozialministerium.
Islam nicht zur "Hinterhofreligion" machen
Integration sei etwa dann gelungen, wenn Menschen in ihren Heimatländern erzählen, "wie toll die Religions- und Meinungsfreiheit in Österreich ist", so Küberl in der "Presse". Das bedinge eine Integrationsdebatte, in der sich beide Seiten ihrer Werte bewusst sind und einander mit Akzeptanz und Toleranz begegnen.
In dem Zusammenhang erklärte der Caritas-Präsident, der Islam dürfe in Österreich nicht zur "Hinterhofreligion" gemacht werden. "Ein Land mit 5.000 Kirchen und Kirchtürmen wird nicht zugrunde gehen, wenn es im Jahr 2030 auch ein paar Dutzend Moscheen geben wird", so Küberl: "Es wäre eine Phobie, wenn die Mehrheit von der Minderheit Angst hätte."
Über den Umweg der Muslime sei die Wertedebatte nach Europa zurückgekommen. Religion sei zwar Privatsache, aber immer auch ein "gesellschaftspolitisches Thema"; und diesbezüglich "hat es in den vergangenen Jahrzehnten von vielen eine Fehleinschätzung gegeben".