Hirtenbrief von Kapellari zum "Tag des Lebens"
Graz, 1.6.08 (KAP) Zur Verstärkung der Bemühungen um Schutz und Entfaltung des menschlichen Lebens in all seinen Phasen hat der steirische Diözesanbischof Egon Kapellari in einem Hirtenbrief zum "Tag des Lebens" am 1. Juni aufgerufen. Die Christen sind "Freunde des Lebens", das sei ein "Dauerauftrag" auch für die steirischen Christen. Für den "Schutz des Lebens" müssten auch Allianzen mit Menschen und Institutionen gesucht werden, die nicht der Kirche angehören.
Bischof Kapellari erinnerte an zwei einander widersprechende gesellschaftliche Entwicklungen. Zum einen werde in westlichen Ländern wie Österreich für das menschliche Leben und seine Bewahrung und Entfaltung besonders viel getan. Fortschritt in der Medizin und in anderen Wissenschaften, wirtschaftlicher Erfolg, politische Maßnahmen und ethische Instanzen, "unter ihnen besonders die christlichen Kirchen", hätten geholfen, diesen Standard zu erreichen und seien auch weiterhin dafür tätig. Andererseits gebe es gerade in diesen Ländern auch starke Gefährdungen für das menschliche Leben in manchen seiner Phasen und Dimensionen. Kapellari: "Im Dienst eines biologisch starken Lebens wird das schwache Leben der Ungeborenen, der Menschen mit Behinderung und der Menschen an der Todesschwelle vielfach aufs Spiel gesetzt oder zur Seite geschoben".
"Abtreibung ist tiefe soziale Wunde"
Kardinal Franz König habe wiederholt die Abtreibung als "tiefe soziale Wunde" bezeichnet, erinnerte Bischof Kapellari. Papst Benedikt XVI. habe in seiner Ansprache in der Hofburg im vergangenen September diese Aussage zitiert und vertieft. Kardinal König habe auch alle Versuche zur Durchsetzung der Euthanasie mit einem fast schon geflügelten Wort zurückgewiesen: "Der Mensch soll nicht durch die Hand eines Menschen sterben, sondern an der Hand eines Menschen". Das gebotene Mitleid mit dem tragischen Geschick unheilbar Kranker dürfe nicht den Damm unterminieren, der Menschen generell vor dem Druck ihrer Umgebung schützt, sich den Tod selbst zu geben oder von anderen geben zu lassen.
Scharf kritisierte der Grazer Bischof auch die Embryonenforschung, die Embryonen herstelle, um sie zu zerstören oder die gar menschliche und tierische Organismen kreuze. All dies sei eine "Gestalt von Egoismus im Dienst eines technischen Fortschritts, der zugleich ein schwerwiegender antihumaner Frevel ist". Diese Grenzüberschreitung werde nicht nur von bewussten Christen, sondern auch von vielen nicht religiösen Humanisten bekämpft. Der oft gehörte Hinweis auf die Natur, die einerseits mit ungeheurer Dynamik Leben hervorbringt und andererseits gleichgültig Leben zerstört, berechtige den Menschen nicht, die moralisch blinde Natur nachzuahmen. Kapellari: "Wir sind ja als Menschen einerseits Teil der Natur, stehen ihr aber andererseits mit dem Auftrag zur Verantwortung gerade auch für schwaches Leben gegenüber".
Sorge um Ehe und Familie
Im Zusammenhang mit dem Einsatz für das Leben stehe auch die Sorge um das Prinzip Ehe und Familie, so Kapellari weiter. Dieses Prinzip sei trotz allem gesellschaftlichen Wandel als Gemeinschaft von Mann und Frau und in Offenheit für Kinder nicht ersetzbar. Kapellari: "Die Zukunft der Gesellschaft hängt vom Gedeihen dieser Gemeinschaften ab, und wenn eine Gesellschaft in einer Art von kultureller Spätzeit darauf vergisst, wird sie durch Leiden aus solchen Fehlern lernen müssen".
Die Kirche müsse, so der Bischof, alles, was an Lebensschutz nicht gelingt, was zerbricht oder zerbrochen ist, mit ihrer "heilenden Kraft" begleiten. Die Prinzipien für den Lebensschutz seien dabei aber "Fixsterne über dem Weg nicht nur der Kirche, sondern der ganzen Gesellschaft". Deshalb habe die Diözese Graz-Seckau auch das laufende Jahr zum "Lebensjahr" erklärt.
Bischof Kapellari erinnerte in seinem Hirtenbrief auch eindringlich auf die Botschaft des Mitteleuropäischen Katholikentages 2004 in Mariazell. In dieser Botschaft sei über die "Christen als Freunde des Lebens" festgehalten, dass diese Freundschaft sechs Ausfaltungen hat, die einander ergänzen und nicht gegeneinander ausgespielt werden dürfen: "Christen sind Freunde des Lebens, Freunde des geborenen und des noch nicht geborenen, des entfalteten und des behinderten, des irdischen und des ewigen Lebens".(