Papst ruft zu Erneuerung der Herz-Jesu-Frömmigkeit auf
Papst Benedikt XVI. hat für den Juni zu einer Erneuerung der Herz-Jesu-Frömmigkeit aufgerufen. Dabei sollten die Gläubigen auch auf das traditionelle Gebet zur Aufopferung des Tages zurückgreifen und die Gebetsmeinungen des Papstes einbeziehen. Das Herz Jesu sei sowohl in der Volksfrömmigkeit als auch für Mystiker und Theologen ein besonders wertvolles Symbol des christlichen Glaubens, so Benedikt XVI am Sonntag beim Angelusgebet. Es fasse schlicht und unverfälscht das Geheimnis der Menschwerdung und der Erlösung zusammen.
Ausdrücklich widmete Benedikt das Angelusgebet den Opfern der Naturkatastrophen in Burma und China. Bei den Unglücken waren Zehntausende Menschen gestorben. Auf Deutsch sagte er:
„Ein frohes „Grüß Gott" sage ich allen deutschsprachigen Pilgern hier auf dem Petersplatz. Im Angelusgebet betrachten wir das Heilsgeheimnis, dass Gott sich in Maria eine Wohnung bereitet hat. Die Haltung der Mutter Gottes, ihre unerschütterliche Zuversicht auf den göttlichen Beistand bei allem Tun, wollen wir nachahmen. Gottes Segen ruht auf denen, die auf sein Wort bauen und seine Gegenwart mit Leib und Leben in der Welt bezeugen. Der Herr geleite euch auf allen Wegen!"
Woher die Herz-Jesu-Frömmigkeit kommt
Im Mittelpunkt steht das durchbohrte Herz Jesu. In der Lanze wird die verletzende Kraft der menschlichen Sünde gesehen, das Herz steht für die Liebe Gottes gegenüber dem Sünder. In der Verehrung des durchbohrten Herzens identifiziert sich der Beter mit dem leidenden Christus und bittet für die, die diese Liebe nicht erkennen. Papst Benedikt XVI. hatte in seiner ersten Enzyklika Deus Caritas est ausdrücklich auf das durchbohrte Herz Jesu Bezug genommen (Deus Caritas est 12).
Die Herz-Jesu-Verehrung geht auf die Auslegung von Texten aus dem Johannesevangelium in der frühen Kirche zurück:
„Als sie (die Soldaten) aber zu Jesus kamen und sahen, daß er schon tot war, zerschlugen sie ihm die Beine nicht, sondern einer der Soldaten stieß mit der Lanze in seine Seite, und sogleich floß Blut und Wasser heraus." (Johannes 19, 33)
Diese Stelle wird mit einem Wort Jesu im 7. Kapitel desselben Evangeliums in Verbindung gebracht:
„Am letzten Tag des Festes, dem großen Tag, stellte sich Jesus hin und rief: Wer Durst hat, komme zu mir, und es trinke, wer an mich glaubt. Wie die Schrift sagt: Aus seinem Innern werden Ströme von lebendigem Wasser fließen. Damit meinte er den Geist, den alle empfangen sollten, die an ihn glaubten, denn der Geist war noch nicht gegeben, weil Jesus noch nicht verherrlicht war." (Johannes 7,37-39)
Am Kreuz spendet Jesus seinen Geist, das Wasser steht für die Taufe, das Blut für die Eucharistie. Weil beide Sakramente das Wesen der Kirche beschreiben, die aus dem Geist geboren ist, sieht die Theologie die Kirche aus der Seitenwunde Jesu geboren.
Als im Hochmittelalter die Verehrung des leidenden Christus in den Mittelpunkt rückte, entwickelte sich auch eine Herz-Jesu-Verehrung. Im 17. Jahrhundert führten die Jesuiten die Herz-Jesu-Andachten als Form der Volksfrömmigkeit ein. Diese erhielten Auftrieb durch die Visionen der Margareta Maria Alacoque (gestorben 1690). Papst Leo XIII weihte zur Jahrhundertwende 1899 die ganze Welt dem Herzen Jesu. Herz-Jesu-Statuen, die Christus nicht am Kreuz, jedoch mit einer offenen Seitenwunde darstellen, zeigen bis heute, wie der Katholizismus durch diese Frömmigkeit geprägt wurde.
Das Herz-Jesu-Fest wird am Freitag in der Woche nach Fronleichnam gefeiert. Der erste Freitag im Monat wird als Herz-Jesu-Freitag begangen, verbunden mit der Beichte und einer Anbetung des eucharistischen Brotes. In dieser Herz-Jesu-Verehrung steht die Sühne und damit auch die Sündhaftigkeit des Menschen im Mittelpunkt. Zu dieser eucharistisch geprägten Frömmigkeit gehört die „Heilige Stunde", die auf Margarete Alacoque (1674) zurückgeht: betrachtendes Gebet in der Kirche, das sich mit dem Leiden und Sterben Jesu, seiner Liebe und der Einsetzung des Abendmahls beschäftigt. Diese Gebetszeit liegt am Abend vor dem Herz-Jesu-Freitag.
Verbunden mit dem Herz-Jesu-Freitag ist das monatliche Gebetsanliegen des Papstes.
Herz-Jesu-Bruderschaften, Ordensgemeinschaften und Genossenschaften haben die Herz-Jesu-Verehrung zum Zentrum ihrer Spiritualität gemacht und drücken diese auch in ihrem Namen aus, z.B. Missionare des Heiligsten Herzens Jesu.