Deutschland: "Woche für das Leben"
Berlin, 1.5.06 (KAP) In Deutschland läuft derzeit die von katholischer und evangelischer Kirche gemeinsam getragene "Woche für das Leben". Die Aktion steht heuer unter dem Motto "Von Anfang an uns anvertraut - Menschsein beginnt vor der Geburt". Beim Eröffnungsgottesdienst in der Stuttgarter Eberhardskirche forderten der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, und der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, einen umfassenden Schutz des menschlichen Lebens. Sie wandten sich gegen jede Fremdbestimmung von Menschen auch in der Zeit vor der Geburt.
Lehmann kritisierte eine Mentalität des "Planens und Machens" beim Kindernachwuchs. Kinder erschienen vielen als "Produkte". Zu einer solchen Mentalität hätten Methoden der Empfängnisverhütung ebenso beigetragen wie Techniken zur künstlichen Befruchtung. Der Kardinal betonte, der medizinisch-technische Fortschritt dürfe nicht grundsätzlich verurteilt werden. Allerdings warnte er davor, dass vorgeburtliche Diagnosemethoden zu einer Art Selektionsmedizin führten. Kinder müssten als unverfügbare Geschenke Gottes begriffen werden.
Huber hob hervor, nicht erst mit der Geburt werde der Mensch zum Menschen. Er sei vielmehr "von allem Anfang an darauf angelegt". Jedes ungeborene Leben brauche Schutz und Fürsorge. Besonders hob Huber Hilfe für schwangere Frauen in Not hervor. Zu dieser Hilfe seien die gesamte Familie, Nachbarschaft und Pfarrgemeinden aufgerufen. Huber forderte von den Männern mehr Verantwortung. Sie seien im Vergleich zu Frauen deutlich weniger offen für Kinder und trügen damit sowohl am Kindermangel wie auch an der hohen Zahl von Schwangerschaftsabbrüchen Mitschuld. Auch Huber warb für einen Mentalitätswandel. Die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen müssten sich so ändern, dass nicht Sorgen um Arbeit und Einkommen den Elternwunsch verhindern.
Kindermangel bedroht Grundlagen der Gesellschaft
In einem Podiumsgespräch rief Huber die Politik auf, die Familien finanziell stärker zu fördern. In einer zunehmenden Single-Gesellschaft müssten die Paare zu Kindern ermutigt werden. Wenn sich eine kinderfeindliche Mentalität verfestige, verliere die Gesellschaft elementare soziale Kompetenzen, betonte der EKD-Ratsvorsitzende. Der katholische Rottenburger Bischof Gebhard Fürst erklärte, die Kinderarmut in Deutschland bedeute nicht nur eine Bedrohung der Sozialsysteme, sondern des gesamten gesellschaftlichen Zusammenlebens. Wenn es immer weniger Kinder gebe, sei dies ein Zeichen dafür, dass der Todestrieb über den Lebenswillen zu siegen drohe.