Aufregung um "Freiwilliges Soziales Jahr"
Wien, 4.6.08 (KAP) Wieder Aufregung um die Finanzierung des "Freiwilligen Sozialen Jahres". Im Ministerrat ist der Beschluss zur Fortführung der Sonderförderung für Jugendliche, die das "Freiwillige Soziale Jahr" leisten, letzte Woche zurückgestellt worden. Dafür gibt es nun Kritik von Seiten des Vereines zur Förderung Freiwilliger Sozialer Dienste und der evangelischen Diakonie.
Derzeit erhalten die Jugendlichen für ihre Tätigkeit im Rahmen eines "Freiwilligen Sozialen Jahres" ein Taschengeld von 168 Euro monatlich. Außerdem sind sie für die Zeit des Einsatzes umfassend sozialversichert. Weil sie aber keine Familienbeihilfe während des Einsatzjahres erhalten, wurde seitens des Sozialministeriums für das Einsatzjahr 2006/2007 erstmals im Wege einer Sonderrichtlinie eine Ersatzleistung entworfen. Die Trägervereine erhalten eine Sonderförderung, um damit den Teilnehmern des "Freiwilligen Sozialen Jahres" monatlich eine weitere Zusatzzahlung von 150 Euro als Ersatz für die Familienbeihilfe überweisen zu können.
Erst im vergangenen August hatten sich SPÖ und ÖVP darauf verständigt, diese Sonderrichtlinie, die im Auslaufen war, vorläufig zu verlängern. Gleichzeitig wollte man im Rahmen der Budgetverhandlungen für 2009 und 2010 eine Finanzierungsvariante finden.
Judit Marte-Huainigg, Vorsitzende des "Vereins zur Förderung Freiwilliger Sozialer Dienste", nahm die Regierung in einer Presseaussendung am Dienstag in die Verantwortung: "Von allen Seiten habe ich die Zusage, dass die Jugendlichen die Sonderförderung von 150 Euro erhalten werden, bis es zur gesetzlichen Verankerung des Freiwilligen Sozialen Jahres und damit zur Zuerkennung der Familienbeihilfe kommt. Ich gehe daher davon aus, dass der Ministerrat morgen dies auch beschließen wird!"
Die jungen Menschen, die sich jetzt für das "Freiwillige Soziale Jahr" bewerben, müssten sich auf klare Rahmenbedingungen verlassen können, so Marte-Huainigg. In die gleiche Kerbe schlug auch Diakonie-Direktor Michael Chalupka: "Jugendliche, die freiwillig ein Jahr ihres Lebens dem sozialen Engagement widmen, rechnen fest damit, bei der Gewährung der Familienbeihilfe nicht schlechter gestellt zu werden, als ihre Kolleginnen und Kollegen, die sich in Ausbildung befinden".
Seit Jahren ist es den Trägerorganisationen - Diakonie Österreich, "Verein zur Förderung Freiwilliger Sozialer Dienste" und die Soziale Berufsorientierung Vorarlberg - ein Anliegen, dass eine gesetzliche Grundlage für das "Freiwillige Soziale Jahr" geschaffen wird, auf deren Basis die jungen Menschen während ihres Einsatzes die Familienbeihilfe erhalten und auch weiterhin sozial abgesichert sind. Chalupka: "Es ist allen bewusst, dass auch die Regelung der Sonderrechtlinie nur eine Krücke ist. Was Österreich endlich braucht, ist ein Jugendfreiwilligengesetz".
Katholische Jugend für Jugendfreiwilligengesetz
Auch die Katholische Jugend Österreich (KJÖ) unterstützt die Forderung nach einem Jugendfreiwilligengesetz. Als Mitglied des Vereins zur Förderung Freiwilliger Sozialer Dienste halte die Katholische Jugend klare Regelungen für erforderlich, die den Status der Freiwilligendienste in Österreich definieren und den Einsatz der Freiwilligen honorieren, hieß es in einer Aussendung am Mittwoch.
"Es ist unverständlich, dass engagierten jungen Leuten, die freiwillig einen Dienst an der Gesellschaft leisten wollen, Steine in den Weg gelegt werden", kritisierte KJÖ-Vorsitzender Peter Gebauer. In Österreich fehle ein Gesetz für Freiwilligendienste, das die Zuerkennung der Familienbeihilfe während des Freiwilligendienstes garantiert und für die soziale Absicherung der jungen Erwachsenen sorgt.
Die KJÖ bietet selbst seit 15 Jahren das Freiwillige Ökologische Jahr (FÖJ) an - einen Freiwilligendienst im Umweltbereich. Durch das FÖJ erhalten junge Menschen die Möglichkeit, unter sachkundiger Anleitung einen Beitrag zur Erhaltung und Verbesserung der natürlichen Lebensgrundlagen zu leisten. Auch um dieses im Umweltbereich einzigartige Angebot weiter ausbauen zu können, will die KJÖ für eine rechtliche Grundlage der Freiwilligendienste in Österreich eintreten.
