Kardinal Schönborn: Priesterausbildung hat Zukunft
St. Pölten, 8.6.08 (KAP) Die Priesterausbildung in Österreich hat Zukunft, auch wenn jetzt im Canisiusheim in Horn ein Kapitel in der Geschichte der Priesterausbildung zu Ende gehe, sagte Kardinal Christoph Schönborn bei einer Dankfeier zur Verabschiedung der Salesianer Don Boscos aus dem Canisiusheim. Nach 39 Jahren des Wirkens für die Ausbildung von Spätberufenen geben die Salesianer die Leitung des Hauses ab. Doch der Blick ist nicht nur "mit einiger Wehmut und Dankbarkeit" in die Vergangenheit gerichtet, betonte Prälat Franz Schrittwieser, Vizepräsident des Canisiuswerkes: "Es bleibt Ziel und Aufgabe des Hauses, Berufungen zum Priestertum zu pflegen".
Es gelte darauf zu "vertrauen, dass es genug Berufungen gibt", betonte Kardinal Schönborn. Berufung geschehe zwar durch Gott, doch der Ruf werde immer von Menschen vermittelt. Schönborn: "Ohne Vorbilder geht es nicht". Der Dank gelte hier den Salesianern Don Boscos, die 39 Jahre in Horn als solche Vorbilder gewirkt hätten. Kardinal Schönborn zelebrierte den Dankgottesdienst gemeinsam mit dem Salzburger Erzbischof Alois Kothgasser, Salesianer und in der Bischofskonferenz für die Priesterausbildung verantwortlich, dem Linzer Diözesanbischof Ludwig Schwarz, ebenfalls Salesianer und 1969 bis 1978 Rektor des Canisiusheimes, dem Linzer Altbischof Maximilian Aichern und dem St. Pöltner Weihbischof Anton Leichtfried.
Im Canisiusheim "gab es nicht mehr das zu tun, was unsere Aufgabe ist", erklärte der scheidende Rektor, P. Josef Vösl. Die Ausbildung Spätberufener sei nicht mehr Schwerpunkt in diesem Haus. Deswegen sei die Entscheidung der Salesianer zum Weggang richtig. Zuletzt besuchten nur noch drei Schüler das Aufbaugymnasium, zwei von ihnen legten in den letzten Tagen die Matura ab. Die Möglichkeiten, eine Studienberechtigung zu erwerben, sind heute vielfältiger und einfacher als zum Zeitpunkt der Gründung des Canisiusheims (1953 zunächst in Rosenburg, ab 1959 dann in Horn). Insgesamt 1.706 "Canisianer" wohnten und lernten zumindest zeitweise im Canisiusheim, 521 von ihnen maturierten, 254 wurden zu Priestern geweiht.
Ein "Haus der Berufung"
Das Canisiusheim soll ein "geistliches Zentrum für das Leben aus dem Glauben" bleiben, betonte Prälat Schrittwieser, der gemeinsam mit Michael Wagner als Direktor und Johann Hintermaier als Spiritual das im Canisiusheim untergebrachte "Propaedeuticum" leitet. Seit dem Jahr 2000 ist dieses gemeinsame Einführungsjahr für die Priesterstudenten aller österreichischen Diözesen verpflichtend. "Wir wollen ein Klima schaffen, dass auch neue Berufungen wachsen können", so Schrittwieser. Das Canisiusheim solle ein Ort sein, "wo viele Menschen einander begegnen, die ihrem Weg der Berufung folgen wollen".
Auch P. Franz Wöß, Provinzial der Salesianer Don Boscos, wollte "den Blick nach vorne richten": "Wir brauchen in ganz Österreich neuen Mut zur Berufungspastoral". Wie für Don Bosco dürfe keine Anstrengung zu groß sein, um junge Männer zum Priestertum zu führen. Der Provinzial überreichte dem neuen Rektor des Canisiusheimes, Diakon Karl Mühlberger, eine Statue des "Guten Hirten". Dieser sei ein "Modell für die Art und Weise der Salesianer", Berufungen zu begleiten, so P. Wöß. Unter Rektor Mühlberger soll sich das Canisiusheim weiterhin als "Haus der Berufung" positionieren. "Es wird als Bildungshaus und Begegnungsstätte für Veranstaltungen der Berufungspastoral offen stehen und diese auch selbst anbieten", erklärte Mühlberger.
Neben dem "Propaedeuticum" sind nun auch weitere "Partner" in das Haus gezogen: Einige Räume im bisherigen Gebäude werden an die Caritas Horn vermietet, die hier Tageswerkstätten für Behinderte eingerichtet hat. Für etwa die Hälfte des Grundstückes samt Schwesterntrakt, Küche und Speisesaal wird der "Stiftung Bürgerspital zu Horn" ein Baurecht eingeräumt. Diese Stiftung plant die Einrichtung eines Alten- und Pflegeheims mit 85 Plätzen. Die Arbeiten dafür werden voraussichtlich 2009 beginnen.
