
Bischöfe ersingen 70.000 Euro für Hospizbewegung
Wien-Mariazell, 16.6.08 (KAP) Die österreichischen Bischöfe unterstützen die Arbeit von "Hospiz Österreich" mit einer Spende in der Höhe von 70.000 Euro. Das Geld für den Dachverband stammt aus dem Reinerlös der erfolgreichen CD-Produktion "Wer singt, betet doppelt". Der Tonträger, auf dem die Bischöfe 24 österreichische Marienlieder singen, war vor dem Papstbesuch im vergangenen Jahr aus Anlass des 850-Jahr-Jubiläums von Mariazell im steirischen Marienheiligtum aufgenommen worden. Es war das erste Mal weltweit, dass eine Bischofskonferenz als Gesangsgruppe in Erscheinung getreten ist. Die Idee zu dem einzigartigen Projekt stammte vom Wiener Dommusikus Thomas Dolezal. "Wer singt, betet doppelt" wurde Papst Benedikt XVI. bei seinem Österreich-Besuch überreicht und an allen Plätzen des Papstbesuchs gegen Spenden abgegeben.
"Hospiz Österreich"-Präsidentin Waltraud Klasnic und ihre Vorgängerin in der Funktion als "Hospiz"-Vorsitzende, Sr. Hildegard Teuschl CS, werden die Spende am Mittwoch, 17. Juni, nach dem Gemeinschaftsgottesdienst der Bischöfe in der Basilika Mariazell übernehmen. Die Österreichische Bischofskonferenz hält derzeit in Mariazell ihre Sommervollversammlung ab.
"Der Entscheidung der Bischofskonferenz, den Reinerlös der CD 'Hospiz Österreich' zur Verfügung zu stellen, gilt ein ganz besonderer Dank", betonten Waltraud Klasnic und Hildegard Teuschl am Montag gemeinsam. Es sei erfreulich, dass durch kirchliches Engagement im Kleinen und im Großen immer wieder finanzielle Hilfe für die Hospizbewegung möglich werde. "Mit der Übergabe des Reinerlöses der CD spannt sich ein großer Bogen von der spirituellen, ideellen und finanziellen Hilfe für die Hospizbewegung durch Kardinal Franz König zu unserem jetzigen Förderer Kardinal Christoph Schönborn und der gesamten Österreichischen Bischofskonferenz", so Sr. Hildegard Teuschl.
80 Prozent wollen zu Hause sterben
Papst Benedikt XVI. hatte bei seinem Österreich-Besuch die Begleitung sterbenskranker Menschen und ihrer Angehörigen als besonderes Anliegen genannt und sich eindeutig gegen die aktive Sterbehilfe ausgesprochen. "Die richtige Antwort auf das Leid am Ende des Lebens ist Zuwendung, Sterbebegleitung - besonders auch mit Hilfe der Palliativmedizin - und nicht 'aktive Sterbehilfe'", unterstrich Benedikt XVI. in der Wiener Hofburg und lobte in diesem Zusammenhang die Hospizbewegung, "die hier Großartiges leistet".
"Mehr als 80 Prozent der Menschen wünschen sich, zu Hause zu sterben", betont Sr. Hildegard Teuschl. Mit der finanziellen Hilfe der Bischöfe können die personellen Ressourcen für die Sterbebegleitung durch Befähigungskurse für ehrenamtliche Mitarbeiter erweitert und interdisziplinäre Schulungen von Pflegekräften, Ärzten, Seelsorgern, Sozialarbeitern und Therapeuten zur Unterstützung der Angehörigen aufgestockt werden.
"Die Geschäftsstelle von 'Hospiz Österreich' in Wien kann dadurch zu einem Kompetenz- und Beratungszentrum weiterentwickelt werden, damit durch noch größere Vernetzung die Angebote mobiler und stationärer Hospiz- und Palliativdienste weiter wachsen können", betonte Sr. Teuschl: "Schon bisher sind in Österreich praktikable Modelle der Sterbebegleitung initiiert und über die Jahre verbessert wurden. Mit der kräftigen Finanzierungshilfe kann die Kompetenz der Helfenden erhöht und vervielfältigt werden".
Klasnic: "Offensive der Menschlichkeit"
"Hospiz Österreich"-Vorsitzende Waltraud Klasnic sieht in der Fortsetzung der Palliativbildungsarbeit ein wesentliches Element im geplanten Ausbau ehrenamtlicher und hauptamtlicher Hospizdienste: "Wo immer möglich, sollen Menschen durch kompetent geschulte Helfende ihre letzten Lebenstage und -wochen zu Hause, in vertrauter Umgebung und in Würde, verbringen können. Für die Helfenden ist soziales Engagement verantwortungsvoll und Sinn gebend".
In der Zusammenarbeit von hauptamtlichem und ehrenamtlichem Personal gelinge es, palliatives Fachwissen und menschliche Nähe zu gewährleisten. Sterbende Menschen würden beides in gleicher Weise benötigen. "Es geht um eine Offensive und um die Mobilisierung der Menschlichkeit. Ich baue auf jeden einzelnen Menschen", betonte die Vorsitzende des Dachverbandes "Hospiz Österreich" im Gespräch mit "Kathpress".
16.000 Sterbende werden Jahr für Jahr begleitet
In der Hospizarbeit werden Familienmitglieder, Angehörige und Freunde durch ausgebildete Pflegepersonen, Ärzte und Therapeuten begleitet, die helfen sollen, sowohl physische als auch psychische, soziale und spirituelle Schmerzen zu lindern. "Selbst da, wo es nach der Diagnose öfter heißt: 'Da kann man nichts mehr machen!', kann noch sehr viel getan werden", unterstrich Sr. Hildegard Teuschl und erinnerte an ein Wort von Kardinal König: "Schwerkranke sollen an der Hand eines anderen Menschen sterben dürfen und nicht durch die Hand eines anderen!"
Die rund 200 österreichischen Hospiz- und Palliativorganisationen haben nach Angaben von "Hospiz Österreich" im Jahr 2007 rund 16.000 Menschen begleitet. Gemeinsam haben die Hospizeinrichtungen ein Modell zur "Abgestuften Hospiz- und Palliativversorgung in Österreich" aufgebaut, um regionale Gegebenheiten besser berücksichtigen zu können. In der Aus- und Weiterbildung ist Multiprofessionalität ein Grundsatz: Pflegepersonen, Ärzte, Seelsorger und Therapeuten werden gemeinsam ausgebildet, um schon in der Ausbildung jene Vernetzung zu praktizieren, die Sterbende und ihre Angehörigen brauchen.