Vor 10 Jahren: 3 große Österreicher selig gesprochen
Wien, 20.6.08 (KAP) Vor zehn Jahren, am 21. Juni 1998, wurden drei Österreicher selig gesprochen: Johannes Paul II. erhob bei seinem dritten Österreich-Besuch die Franziskanerin und Märtyrerin Sr. Restituta Kafka, den Prämonstratenser-Chorherren Jakob Kern und den Gründer der Kalasantiner, P. Anton Maria Schwartz, zur Ehre der Altäre. Die Seligsprechung beim Gottesdienst auf dem Wiener Heldenplatz war der Höhepunkt des dreitägigen Papstbesuchs. Johannes Paul II. sagte bei der Seligsprechung, die Kirche brauche keine "Teilzeitkatholiken", sondern "Vollblutchristen". Aus Anlass des 10. Jahrestages der Seligsprechung wird am Samstag, 21. Juni, um 12 Uhr im Wiener Stephansdom ein Festgottesdienst stattfinden, den der Generalsekretär der Österreichischen Bischofskonferenz, Msgr. Ägidius Zsifkovics, leitet.
Sr. Restituta (Helene) Kafka (1894-1942) war die einzige Ordensfrau im sogenannten "Großdeutschen Reich", die hingerichtet wurde. Die gebürtige Brünnerin gehörte den "Hartmann-Schwestern" an. Ab 1919 war sie als Operationsschwester im Krankenhaus Mödling tätig. Nach dem "Anschluss" 1938 scheute sich Sr. Restituta nicht, ihre Ablehnung des neuen Regimes zu äußern.
Ein im Dezember 1941 von der Ordensfrau vervielfältigtes pazifistisches Soldatenlied samt einem Bericht über eine große Bekenntnisfeier der Katholischen Jugend im Freiburger Münster wurden ihr schließlich zum Verhängnis. Nachdem die Gestapo Schwester Restituta schon seit längerem im Visier gehabt hatte, wurde sie am Aschermittwoch, 18. Februar 1942, verhaftet. Am 29. Oktober 1942 wurde Schwester Restituta in Wien zum Tod verurteilt, am 30. März 1943 wurde sie um 18.21 Uhr im Wiener Landesgericht hingerichtet.
In Sr. Restitutas Geburtsstadt Brno (Brünn) zelebriert Diözesanbischof Vojtech Cikrle am Samstag, 21. Juni, um 10 Uhr einen Dankgottesdienst in der Herz-Jesu-Kirche in Brno-Husovice, jenem Stadtviertel, in dem die spätere Märtyrerin am 1. Mai 1894 geboren worden war. Am Geburtshaus befindet sich eine vom akademischen Maler Jiri Sindler gestaltete Gedenktafel. 1999 war auf Antrag von Bischof Cikrle vom Brünner Gemeinderat ein nahe gelegener Park nach der Seligen benannt worden.
Von den drei Seligen hat Sr. Restituta öffentlich bisher wohl die größte Breitenwirkung erzielt. Zahlreiche Ausstellungen, etwa in Wien, Graz oder Brünn, waren ihrem Lebenswerk und Lebenszeugnis gewidmet. Auch bei zahlreichen Symposien zum Thema "Widerstand im NS-Reich" wurde ihrer gedacht. In dem kürzlich erschienenen Buch "Der österreichische Widerstand 1938 bis 1945" des Historikers Wolfgang Neugebauer wird Sr. Restituta ebenfalls viel Platz gewidmet.
Auch Mödling hält das Andenken an Sr. Restituta wach. Im Rahmen der Aktion "Stolpersteine" im August 2006 wurden 14 Gedenksteine für Opfer des Nationalsozialismus jeweils am Gehsteig vor deren letzten Wohnort verlegt, einer der Gedenksteine erinnert in der Sr. Restituta-Gasse 12 an die Ordensfrau.
2000 wurde ein Musical über Sr. Restituta uraufgeführt, dass Elisabeth Lotterstätter und Ingeborg Schnaubelt, beide Lehrerinnen am Brigittenauer Gymnasium, mit ihren Schülern einstudiert hatten. Das Stück wurde seither immer wieder gespielt.
In Mayerling wird derzeit am Wohn- und Pflegeheim "Schwester Maria Restituta" gebaut. Neben dem Wohnheim soll auch ein neuartiges Besucherzentrum entstehen, das eine Gedenkstätte für Sr. Restituta beinhalten wird. Auch ein Saal im neuadaptierten "Zentrum des Apostolats" der Erzdiözese Wien am Stephansplatz wurde nach ihr benannt - zwei weitere Säle sind nach Jakob Kern und P. Anton Maria Schwartz benannt.
Jakob Kern: Priester und Soldat
Jakob Kern wurde als Franz Alexander Kern am 11. April 1897 in Wien geboren. Die Berufung zum Priesterberuf zeigte sich schon früh, mit elf Jahren trat er in das Knabenseminar der Erzdiözese Wien in Hollabrunn ein. Der Erste Weltkrieg unterbrach seine Ausbildung. Er erfüllte den Soldatendienst, obwohl es ihm nicht leicht fiel, den Dienst mit der Waffe mit seinem christlichen Glauben zu vereinbaren.
1916 wurde Kern schwer verwundet und schwebte monatelang zwischen Leben und Tod. Kern knüpfte nach dem Krieg Kontakte zum Prämonstratenser-Chorherrenstift in Geras in Niederösterreich und trat schließlich in den Orden ein. Sein letztes Motiv war die Erschütterung über einen tschechischen Prämonstratenser, der 1918 die Kirche verließ, einer der führenden Exponenten der neugegründeten "Tschechoslowakischen Nationalkirche" (Hussitische Kirche) wurde und eine politische Karriere als Eisenbahnminister antrat. Kern wollte gleichsam an die Stelle des "Abtrünnigen" treten.
Bereits nach seinem ersten Noviziatsjahr zeigte sich, dass die Kriegsverwundung nicht richtig ausgeheilt war. Jakob Kern litt unter chronischen Hustenanfällen und spuckte Blut. Dennoch beendete er 1922 sein Theologiestudium in Wien und wurde zum Priester geweiht.
Bis August 1923 war Kern ohne Unterbrechung als Seelsorger tätig. Seine Kriegsverletzung raubte ihm aber immer mehr Kräfte. Auch mehrere Operationen und Erholungsaufenthalte konnten sein Leben nicht retten. Am 20. Oktober 1924 hätte er die ewigen Gelübde ablegen sollen, am Tag davor starb er im Allgemeinen Krankenhaus in Wien bei einer Operation.
Im Stift Geras wurde neben der Basilika eine eigene Kapelle errichtet, in der die Reliquien des jugendlichen Chorherren in einem Silberschrein ruhen. Der Schrein ist Ziel zahlreicher Pilger aus dem In- und Ausland. Im Waldviertler Kloster Pernegg gibt es ein "Jakob-Kern-Haus", ebenso ist das Bildungshaus der Militärdiözese in Wien nach dem Seligen benannt. Für die Militärseelsorge ist die Gestalt des Seligen von großer Bedeutung, weil er um die Vereinbarkeit von Glaube und Dienst mit der Waffe gerungen hatte. Eine besondere Bedeutung hat Jakob Kern auch für den Österreichischen Cartellverband (CV). Kern ist das erste Mitglied des CV, das selig gesprochen wurde.
Schwartz: "Arbeiterapostel von Wien"
Anton Maria Schwartz, der "Arbeiterapostel von Wien", wurde 1852 in Baden bei Wien geboren und gründete im Jahr 1882 gemeinsam mit einigen Gesellen und Meistern einen "Katholischen Lehrlingsverein". Jeweils am Sonntagnachmittag zwischen 14 und 20 Uhr lud er die Lehrlinge zu Spiel und Unterhaltung, zu Segensandacht und Jause ein. Am ersten Sonntag kamen sieben Lehrlinge, bald waren es siebzig, dann 100 und 200.
Betroffen von der sozialen Not seiner Zeit wollte Schwartz aus katholischem Engagement die Arbeiter und Lehrlinge nicht ihrem Schicksal überlassen. So wie sein großes Vorbild, der Heilige Joseph von Calasanz (daher der Name Kalasantiner), wurde Schwartz zum Ordensgründer und Sozialrevolutionär. Schwartz träumte vom (heute wieder umstrittenen) arbeitsfreien Sonntag, dem 8-Stunden-Tag, von Lehrlingsurlaub, Gewerkschaften und Sozialversicherung.
Der Ordensmann sah aber nicht nur das äußere Elend, sondern vorrangig die innere Leere und Orientierungslosigkeit vor allem junger Menschen. Rastlos war er tätig, um innere Bildung zu vermitteln und Glauben und konkretes Leben zu vereinen.
Widerstände, Krankheit und Misserfolge ließen den späteren Erfolg von P. Schwartz lange Zeit fragwürdig erscheinen. 1885 weihte der damalige Wiener Erzbischof, Kardinal Coelestin Ganglbauer, ein von Schwartz geschaffenes eigenes Heim ein. Schwartz litt allerdings darunter, daß ihn Kardinal Ganglbauer nicht eine dauernde Einrichtung für die Arbeit mit den Lehrlingen errichten ließ. In seiner Enttäuschung wurde Schwartz schwer krank.
Auch mit Kardinal Anton Gruscha hatte es Schwartz nicht leicht. Gruscha erblickte als Generalpräses des Kolpingwerks, das sich der Gesellen annahm, in den Kalasantinern eine Konkurrenz und ignorierte lange deren Wirken.
1888 entstanden ein eigenes Büro zur Lehrstellenvermittlung sowie ein Lehrlingsheim. Weil der Umfang der Arbeit weiter wuchs, gründete Schwartz im November 1889 mit fünf Brüdern die Kongregation für die christlichen Arbeiter, kurz Kalasantiner genannt. Im gleichen Jahr begann Schwartz auch mit dem Bau seiner Mutterhauskirche "Maria, Hilfe der Christen" in der Pater-Schwartz-Gasse 10. Bis zu seinem Tod am 15. September 1929 blieb er Generaloberer der Kalasantiner. Da hatte der Orden bereits 72 Mitglieder.
Im Mutterhaus der Kalasantiner im 15. Bezirk ist eine Gedächtnisstätte für den "Wiener Arbeiterapostel" eingerichtet. Das Zimmer des Ordensgründers ist noch in seinem Originalzustand erhalten: In dem schlichten Raum mit Bett, Tisch, Kasten und Kreuz verfasste Schwartz den Großteil seiner Schriften. In einem eigenen Schauraum werden in Vitrinen Gegenstände aus seinem täglichen Leben gezeigt: Dokumente wie Briefe, Fotos und liturgische Gewänder.
Gedenktafeln für P. Schwartz finden sich an der Fassade des Curhauses am Wiener Stephansplatz sowie in der Basilika von Mariazell, wohin der Selige immer wieder gepilgert war.(