Integration: Caritas-Appell an Regierung
Wien-Graz, 23.6.08 (KAP) Als "großen Fortschritt" hat Caritas-Präsident Franz Küberl die gemeinsamen Vorschläge der Sozialpartner und der Hilfsorganisationen für ein Maßnahmenpaket der Bundesregierung zur Integration bezeichnet. "Ich hoffe, dass die Bundesregierung die ernsthafte Arbeit zur Kenntnis nimmt, die dieses Konsenspapier ermöglicht hat", sagte Küberl am Montag im "Kathpress"-Gespräch. Im Interesse des Gemeinwohls sei die Regierung gut beraten, wenn sie - "trotz aller Koalitions-Troubles" - Geld in die Hand nimmt, um die vorgeschlagenen Maßnahmen in den Bereichen Bildung, Arbeitsmarkt, Gemeinwesen, Bewusstseinsbildung zu realisieren.
Die Tatsache, dass sich Sozialpartner und Hilfsorganisationen trotz "sehr unterschiedlicher Ausgangspositionen und Interessen" auf ein Konsenspapier geeinigt haben, müsse auch den Politikern zu denken geben, so Küberl. Migration sei ein Alltagsthema, das für "populistische Verkürzung" nicht geeignet ist; vielmehr gehe es um nüchterne Tagesarbeit.
Küberl plädierte dafür, sich zwei Grundprinzipien vor Augen zu halten ("und nicht an Wahlkampfparolen zu denken"). Ein Prinzip sei, dass Integration dann gelingt, wenn Einheimische und Zuwanderer aufeinander zugehen, "wenn klar ist, dass beide Seiten Rechte und Pflichten, Chancen und Voraussetzungen haben". Das müsse man allen Beteiligten immer wieder in Erinnerung rufen. In diesem Zusammenhang wäre es ratsam, über den Tellerrand hinauszublicken und sich Erfahrungen jener Staaten anzusehen, die in den letzten 100 Jahren wichtige Immigrationsländer waren, sagte der Caritas-Präsident.
Ein zweites Grundprinzip sei, dass man die Zuwanderer nicht ausschließlich als "Problem" sehen dürfe, wie das heute vielfach geschehe. Es gehe vielmehr darum, die Zuwanderer als "Ressource" zu begreifen, wie das zum Beispiel auch der Vatikan in seinen Aussagen zu Fragen der Migration immer wieder tue. In diesem Zusammenhang erinnerte Küberl an die "fast poetischen Überlegungen" des Schutzpatrons der Migranten, des seligen Johannes Scalabrini, der Ende des 19. Jahrhunderts meinte: "Die Pflanzensamen emigrieren - getragen von Wind und Wellen - von Kontinent zu Kontinent,die Vögel und die Tiere emigrieren, und vor allem tut das der Mensch als Instrument der Vorsehung, die auch durch schwierige Entwicklungen das menschliche Schicksal zu seiner Vollendung führt".
"Wichtiges Signal für Regierung"
Als "wichtiges Signal für die Regierung und das Innenministerium" hat auch Diakoniedirektor Michael Chalupka das gemeinsam von Sozialpartnern und Hilfsorganisationen erstellt Konsens-Papier zur Integration bewertet. Um Integration voranzubringen, brauche es einen umfassenden Ansatz über ein Ministerium hinaus, verwies Chalupka auf die Forderung des Papiers nach einer permanenten überministeriellen Kommission für Migration und Integration.
Zukunft dürfe nicht von der sozialen Herkunft vorherbestimmt sein, so Chalupka weiter, der u.a. einen integrativen Unterricht, eine Reform der Lehrerausbildung und eine neue Gestaltung der Schule forderte: "Integrative Förderung funktioniert am besten in durchmischten Klassen für alle".
Jeder weiteren "parteipolitischen PR" im Bereich Integration erteilte Chalupka eine deutliche Absage und plädierte stattdessen an die Vernunft aller Verantwortlichen.