
"EURO-Pfarrer" Pelczar zieht positive Bilanz
Wien, 27.6.08 (KAP) Eine erste positive Bilanz der Fußball-Europameisterschaft hat "Euro-Pfarrer" Christoph Pelczar am Freitag gezogen. Wie Pelczar im Gespräch mit "Kathpress" betonte, sei er insbesondere zufrieden über die Art und Weise, wie sich die Kirche bei der "Euro 08" präsentiert hat. Pelczar: "Ich habe immer wieder gesagt: Wir sind keine Werbeagentur und ich bin auch nicht unterwegs, um für die Kirche zu werben, sondern ich möchte die Leute begleiten". Für die Kirche sei es eine Grundaufgabe, dort zu sein, wo die Menschen sind. Dieses Konzept einer offenen Mission im Dialog und im Zuhören sei aufgegangen: "Wir sind in den Gruppen bei den Fans gewesen und mit ihnen ins Gespräch gekommen".
Zufrieden zeigte sich Pelczar auch über die mediale Präsenz der kirchlichen Aktivitäten und Angebote. Bei keinem sportlichen Großereignis, auch nicht bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland, sei bisher das mediale Interesse für die Kirche so groß gewesen, so Pelczar. Das hätten auch jene 17 Priester aus Polen beobachten können, die während der "Euro 08" nach Österreich gekommen waren, um sich die kirchlichen Initiativen rund um das Fußballfest anzuschauen. "Sie haben ganz genau beobachtet, wie wir es gemacht haben und was Sinn macht", so Pelczar. In Polen und der Ukraine findet im Jahr 2012 die nächste Fußball-Europameisterschaft statt.
Einprägsame Erfahrungen
Gefragt nach seinen einprägsamsten Erfahrungen während der vergangenen Wochen berichtete Pelczar etwa von seinem "spirituellen Match im Stephansdom": Als Polen am 12. Juni gegen Österreich spielte, hatte Pelczar den Spielern versprochen, sie nicht im Stadion, sondern im Gebet im Wiener Stephansdom spirituell zu begleiten. Er habe "für ein Unentschieden gebetet". Das Spiel endete bekanntlich 1:1.
Sehr beeindruckt war Pelczar auch von den Gesprächen mit Wiener Polizisten. Aus der einfachen Frage heraus, wie es ihnen im Einsatz und unter dieser Anspannung mit all den Fans mitten in der Wiener Innenstadt gehe, hätten sich "wunderschönes Gespräche" entwickelt. Die Polizisten seien "begeistert" gewesen von den Initiativen der Kirche, berichtete Pelczar. "Ihr seid jetzt da, wo die Menschen sind und wartet nicht in der Sakristei darauf, dass jemand kommt": Dieser Satz eines der Ordnungshüter ist Pelczar besonders in Erinnerung geblieben.
Auch die kirchliche "Friedensmeile" auf dem Josephsplatz wertete Pelczar als Erfolg: Es sei ein Ort gewesen, "an dem sich jeder wohl fühlen konnte". Mit den tausenden kleinen Schiedsrichterpfeiferln, die "Missionare" in der ganzen Stadt an Passanten verteilten, habe die Kirche einen "Anpfiff zum Glauben gegeben", so Pelczar.
Großes Echo auf TV-Gottesdienst
Äußerst positiv hat der "Euro-Seelsorger" auch den von ORF und ZDF übertragenen TV-Gottesdienst am 8. Juni in der Kirche St. Cyrill und Method in Erinnerung, der unter dem Titel "Steilpass zum Menschsein" stand. Bis heute werde er auch von Menschen, "die sich sonst schwer tun mit dem Glauben" voll Dankbarkeit auf diesen Gottesdienst angesprochen, so Pelczar. "Mit dem Fußball haben wir tatsächlich den Steilpass zu den Menschen gespielt", ist Pelczar überzeugt.
Im Gespräch mit "Kathpress" berichtete Pelczar auch von den beeindruckenden Bildern der vielen kroatischen Fans, die vor und nach den Spielen ihrer Nationalmannschaft in Wien mit ihren Trikots mit dem Schachbrettmuster der kroatischen Flagge den Stephansdom bevölkerten: "Der Stephansdom war wie ein rot-weißes Schachspiel, voll mit kroatischen Fans, die für ihre Mannschaft gebetet und gedankt haben".
Mit großer Freude berichtete der "Euro-Pfarrer" auch von einer weiteren "Anekdote": In der U-Bahn habe er italienische und kroatische Fans getroffen, die in kleinen Büchern lasen. Pelczar: "Zuerst dachte ich, das ist ein Wörterbuch, die haben Verständigungsschwierigkeiten - dabei war das die Bibel".
Als "wunderschöne Begegnung durch Höhen und Tiefen, Zweifel und Enttäuschung" bezeichnet Pelczar auch seine Erfahrungen in der spirituellen Betreuung der polnischen Nationalmannschaft. Die Gespräche mit den Spielern in deren Mannschaftshotel in Bad Waltersdorf haben bei ihm eine tiefen Eindruck hunterlassen.
Doch nicht nur die Polen suchten beim "Euro-Pfarrer" Rat: Pelczar berichtete im Gespräch mit "Kathpress" auch von Begegnungen und Telefonaten mit Spielern aus anderen Nationalmannschaften, darunter des österreichischen und des italienischen Teams.
Als Kirche beim Thema "Sport" nicht verstecken
Neben den seelsorglichen Aktivitäten hat der "Euro-Pfarrer" in den vergangenen Wochen unzählige Medientermine wahrgenommen. Für das polnische Fernsehen kommentierte er etwa jeweils morgens und abends Live-Einstiege vom polnischen Teamquartier. Nach den anstrengenden Tagen sei er nun "müde, aber nicht leer", so Pelczar im "Kathpress"-Interview in Anspielung auf den zurückgetreteen österreichischen Teamchef Hickersberger, der am Tag seines Rücktritts gemeint hatte, er sei "müde und leer".
Für die Zukunft wünscht sich der "Euro-Pfarrer", dass sich die Kirche beim Thema "Sport" nicht versteckt: "Wir müssen da mehr investieren im Sportgeschehen, gerade bei den Jugendlichen". Im Laufe der Vorbereitungen zur Europameisterschaft seien zahlreiche Kontakte, etwa zu Sport-Staatssekretär Reinhold Lopatka, geknüpft worden. Eine engere Zusammenarbeit sei hier wünschenswert, meinte Pelczar. Er denkt bereits an neue Initiativen aus Anlass der Handball-Europameisterschaft, die in zwei Jahren in Österreich stattfinden wird.
Zum Abschluss der "Euro"-Tage nimmt Christoph Pelczar von 27. bis 29. Juni an den Braunauer Zeitgeschichte-Tagen in Oberösterreich teil, die sich in diesem Jahr der "Faszination Fußball" widmen. Pelczar wird dabei über Spiritualität im Fußball referieren. Das Ende der Tagung ist für Sonntagnachmittag vorgesehen: Rechtzeitig zum Finale der Fußball-Europameisterschaft will "Euro-Pfarrer" Pelczar wieder in Wien sein.
O-Töne von dem Interview mit Pfarrer Pelczar sind unter www.katholisch.at/o-toene abrufbar.