Papst Benedikt XVI. eröffnete das "Paulus-Jahr"
Rom-Vatikanstadt, 28.6.08 (KAP) Papst Benedikt XVI. hat am Samstagabend in Rom das internationale Paulus-Jahr eröffnet. Gemeinsam mit dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. durchschritt er in der Basilika San Paolo fuori le Mura die Paulus-Pforte und entzündete in einem Kohlebecken eine Flamme, die das ganze Jahr über brennen soll. Anschließend stiegen Papst und Patriarch zum Gebet am Paulusgrab unter dem Hauptaltar hinab. An dem anschließenden Vespergottesdienst nahmen hochrangige Delegationen anderer christlicher Kirchen teil.
Das Paulus-Jahr, das an den 2.000 Geburtstag des Völkerapostels erinnert, dauert bis zum 29. Juni des kommenden Jahres. Paulus wurde als Jude in Tarsus in Kilikien geboren und starb um das Jahr 65 in Rom den Märtyrertod. Durch seine Predigten, seine Missionsreisen und seine Briefe hat er maßgeblich zur Ausbreitung des Christentums und zum Aufbau der Kirche beigetragen.
Hoffnung auf gemeinsame Eucharistie
Die Botschaft des Paulus sei eine Richtschnur für die Einheit der Christen, unterstrich der Papst in seiner Predigt beim Vespergottesdienst in San Paolo fuori le Mura. Benedikt XVI. äußerte seine Sorge über die Trennungen unter den Christen und bekundete seine Hoffnung auf eine Einheit, die auch eine gemeinsame Eucharistiefeier ermögliche.
Das Wort des Völkerapostels habe nichts an Aktualität verloren, betonte der Papst. Paulus sei nicht nur eine verehrungswürdige Gestalt der Vergangenheit. Um die "Botschaft des Glaubens und der Wahrheit" des Apostels auch heute wieder neu zu vertiefen, habe er das Paulus-Jahr ausgerufen, unterstrich der Papst.
Für Paulus sei der Glaube nicht nur eine Theorie, nicht nur eine Meinung über Gott und die Welt, führte Benedikt XVI. weiter aus. Sein Glaube sei ein persönliches "Getroffensein von der Liebe Gottes"; das habe den einstigen Christenverfolger bis ins Innerste erschüttert und umgewandelt. Dabei sei der Apostel ein streitbarer Mann gewesen, der "das Schwert des Wortes" zu führen verstand und Auseinandersetzungen nicht aus dem Weg ging. Er habe nicht nach einer oberflächlichen Harmonie gesucht, sondern nach der Wahrheit. Dafür sei Paulus bereit gewesen, äußeren Erfolg zu opfern und Streit, Verfolgung und Leiden auf sich zu nehmen. Freiheit sei für ihn nicht ein "Deckmantel für Willkür und Egoismus" gewesen, vielmehr gehörten Freiheit und Verantwortung für Paulus untrennbar zusammen.
Für Paulus sei die Kirche "nicht ein Verein, der eine bestimmte Sache voranbringen will", unterstrich Benedikt XVI. Es gehe ihr nicht um eine Sache, sondern um eine Person: Jesus Christus.
