Kapellari: Dienst der Priester für Kirche unverzichtbar
Graz-Salzburg, 30.6.08 (KAP) Die Herausforderungen an die Menschen im Europa von heute sollen für "bewusste Katholiken, für ihre Gemeinden und für ihre Priester und Diakone kein Anlass zur Resignation sein": Dies betonte der steirische Diözesanbischof Egon Kapellari am Sonntag im Grazer Dom bei der Weihe von sechs Neupriestern; fünf von ihnen sind Diözesanpriester, einer gehört dem Franziskanerorden an. Für die Christen gehe es um eine "Herausforderung zu aktiver Geduld", die "unablässig nicht das Utopische, sondern das mögliche Gute sucht und inmitten der Gesellschaft mit ihren vielen Lebens-, aber auch Todeskeimen ein fröhliches, wetterfestes und missionarisches Christentum lebt", so Bischof Kapellari.
Der steirische Bischof betonte zugleich, dass die Herausforderungen in Europa nicht mit jenen "dramatischen Spannungen" vergleichbar seien, "die das Leben unzähliger Menschen und zumal das Leben der Christen im Nahen Osten und in vielen Ländern Afrikas und Asiens schwer belasten". Viele Christen würden dort in ihren Lebenschancen gemindert oder sogar getötet. Von allen Menschen, die weltweit wegen ihres religiösen Glaubens unterdrückt werden, seien 80 Prozent Christen.
In Europa dagegen leide die Gesellschaft an einer geistigen "Immunschwäche", die sich auch in der Überalterung ausdrücke. Auch das große Projekt der Europäischen Union, das von den Bischöfen stets "mit einer - wenngleich kritischen - Solidarität" begleitet werde, sei in eine Phase der Stagnation geraten.
Die Priester seien in alle Spannungen und Verheißungen in Gesellschaft und Kirche hineingestellt, betonte Bischof Kapellari. Man dürfe sie aber nicht mit einem Übergewicht an Erwartungen beladen. Der Dienst der Priester sei "für die Kirche unverzichtbar" und könne nicht auf das allgemeine Priestertum aller Getauften reduziert werden. Der Verzicht auf Ehe und Familie werde für die Priester und ihre Gemeinden nur dann ein Segen sein, wenn sich die Priester in der Nachfolge Christi "großmütig verschenken" und Zeit und Brot mit Bedürftigen teilen. So habe Paulus gelebt und so sei sein Leben unsäglich fruchtbar geworden wie seither auch das Leben unzähliger Priester und Ordensleute, Frauen und Männer von Generation zu Generation.
Den Neupriestern legte Bischof Kapellari einen Katalog von Verhaltensweisen ans Herz, damit sienicht "kuriose Junggesellen", sondern "leuchtende Zeugen Jesu Christi" werden. Zu diesen Verhaltensweisen gehöre die Hinwendung zum Gebet, die Bereitschaft zum Lernen, die Pflege des Bußsakraments, das Bemühen um die Heiligkeit und Schönheit der Liturgie, das Ringen um das Wort als Prediger, damit es nicht "banal und leer wird", die Aufgeschlossenheit für den Rat und die Korrektur durch "wirklich lebenserfahrene und fromme Mitchristen, seien es Priester oder Laien. Die Neugeweihten sollten eine Lebenskultur pflegen, die "nicht stolz abgehoben ist vom Leben anderer Menschen, aber Banalität vermeidet und so Glaubende und Nichtglaubende erfahren oder ahnen lässt, dass die Priester wirklich tief im Mysterium Gottes eingewurzelt sind".
Kothgasser weihte zwei Neupriester
"Liebestaten sind die Beweise für die Echtheit unseres Christseins." Das sagte Erzbischof Alois Kothgasser am Samstag bei der Priesterweihe von Stefan Schantl und Rainer Winter im Salzburger Dom. "Gehen wir zurück an die Ursprünge des Glaubens und schauen wir gleichzeitig, wie wir diesen Glauben heute leben können", forderte der Erzbischof die Gläubigen im voll besetzen Dom auf.
Kothgasser ermunterte die beiden Neupriester "stark zu bleiben im Gebet, in der Liebe und in der Demut". Es sei wichtig für Priester, einfach zu leben und auch heute, so wie Christus, auf der Seite der Armen zu stehen, betonte der Salzburger Erzbischof. "Das Licht des Heiligen Geistes und die Demut der Gottesmutter Maria öffnen den Weg zu den Herzen der Menschen", so Kothgasser wörtlich.
Scheuer: Priester ist Zeuge für Christus
Auch der Innsbrucker Diözesanbischof Manfred Scheuer konnte am Sonntag zwei neue Diözesanpriester weihen. "Priester müssen Zeugen für Christus sein, dem Evangelium ein Gesicht geben und in Folge auch junge Menschen 'mitziehen'", betonte Scheuer bei der Weihe von Jörg Schlechl und Johannes Laichner im Innsbrucker Dom.
Der Innsbrucker Bischof merkte in seiner Predigt an, dass ein Priester heute keinen bestimmten gesellschaftlichen Standort mehr habe. Viele würden ihn als Gottesmann sehen, der für den Segen und für das gute Wetter zuständig sei, für andere sei er eine Kombination aus Lehrer, Sozialarbeiter, Sozialtherapeut, Psychologe, Verwalter und Organisator. "Entscheidend für den priesterlichen Dienst ist aber, dass er von Jesus Christus her und auf ihn hin verstanden wird", unterstrich Scheuer.
Küng weihte fünf Neupriester
Fünf Neupriester konnte Bischof Klaus Küng am Sonntag im Dom von St. Pölten weihen. Die Priesterweihe falle in eine Zeit wichtiger Entwicklungen in der Diözese St. Pölten, betonte Bischof Küng. Der "Neuanfang in der Leitung" von Diözese und Pastoralamt solle ein "Aufbruch möglichst aller werden", so Küng. Die Priesterweihe habe etwas Zeichenhaftes: "Wie wenn der Herr uns sagte: Blickt nach vor, nicht zurück."
Die Priesterweihe falle auch auf den ersten Tag des von Papst Benedikt ausgerufenen Paulusjahres, erinnerte der Bischof. Auch der "Vorgang der pastoralen Erneuerung" der Diözese benötige einen "missionarischen Geist im Sinne des heiligen Paulus". Es wäre "schön und wertvoll", so der Bischof wörtlich, wenn im Paulusjahr ein "Aufbruch und eine Bewegung der Umkehr zum Herrn" gelänge. Dabei seien nicht nur die Priester, sondern alle Gläubigen gefordert: "Wenn alle etwas zur Erneuerung beitragen, können wir sehr optimistisch sein."
Die Herausforderungen der Zeit seien nicht nur für die Neupriester groß, betonte Küng, denn der Priester alleine mache nicht die Kirche aus - "nicht nur Priester müssen sich bewegen, sondern wir alle". Jeder Getaufte und Gefirmte sei berufen, in der Familie und am Arbeitsplatz "ein Missionar" zu sein. Es gebe genügend "Talente", sagte Küng: "Wir müssen sie nur entdecken". Dazu brauche es "gesunde Familien", die ihre Kinder im Glauben förderten, aus denen in der Folge "genügend Berufungen" hervorgehen würden.
In den Pfarren werde "immer an die Grenzen gedacht", erklärte der Bischof, "aber zu wenig an die Mitte, den Anziehungspunkt, um den wir uns versammeln: Christus". Bischof Küng forderte die Gläubigen auf, "für den Glauben zu brennen" wie Petrus und Paulus, "dann entsteht Gemeinde".
Iby: "Berufung ist göttliche Gnade"
Der Eisenstädter Diözesanbischof Paul Iby weihte am Sonntag den 36-jährigen Anton Pollanz aus Stöttera bei Mattersburg zum Priester. Iby leitete seine Predigt bei der Feier im Eisenstädter Martinsdom mit dem Hinweis auf die Eröffnung des Paulusjahres durch Papst Benedikt XVI. ein und stellte die Person des Völkerapostels und die Verknüpfung mit dem Thema "Priesterberufung" ins Zentrum seiner Ansprache. Mit Blick auf die Berufungsgeschichte des Saulus zum Paulus wies er etwa auf die Gnade der Berufung hin. Sie sei nicht das Ergebnis von Denkprozessen und psychologischen Überlegungen, sondern "Frucht göttlichen Eingreifens", also "unvorhersehbare göttliche Gnade", sagte Bischof Iby.
