"Eines Tages werden wir gemeinsam Eucharistie feiern"
Sydney, 18.7.08 (KAP) Papst Benedikt XVI. ist an seinem zweiten offiziellen Besuchstag in Australien mit Vertretern anderer christlicher Kirchen und anderer Religionsgemeinschaften zusammengetroffen. Mit Nachdruck rief er die getrennten Christen zu aufrichtigem und differenziertem Bemühen um die christliche Einheit auf. Der ökumenische Dialog sei derzeit an einem kritischen Punkt und der Dialog bleibe schwierig, sagte der Papst bei dem Treffen in der Krypta der St. Mary's Cathedral von Sydney. Aber man könne sicher sein, eines Tages gemeinsam Eucharistie feiern zu können.
Allerdings sollten unterschiedliche Lehrmeinungen für Christen kein Hindernis sein, auch schon jetzt für eine bessere Welt zusammenzuarbeiten. Bei dem Treffen fehlte der aus Australien stammende frühere Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, Kardinal Edward Cassidy. Der 84-jährige Kardinal befindet sich wegen einer Herzerkrankung im Krankenhaus. Benedikt XVI. würdigte Cassidys Einsatz für die christliche Einheit und wünschte ihm gute Besserung.
Religionen für Frieden und Toleranz
Beim anschließenden interreligiösen Treffen im Kapitelsaal der Kathedrale mahnte Benedikt XVI. den Einsatz der Religionen für den Frieden zwischen den Völkern und Nationen ein. In einer von vielen Formen der Gewalt geprägten Welt müssten die Gläubigen als Friedensstifter auftreten, sagte der Papst. Das setze gegenseitigen Respekt und Toleranz unter den Religionen voraus. Mit Nachdruck würdigte Benedikt XVI. die große Tradition der Religionsfreiheit in Australien.
In einem Grußwort an den Papst würdigte der Vertreter der jüdischen Gemeinde Australiens die enorme Verbesserung in den Kontakten zwischen Christen und Juden. Er erinnerte an seine Herkunft aus Berlin und bezeichnete die erzielten Fortschritte als Verdienste von Papst Benedikt XVI. und dessen Vorgängern. Der Muslim-Vertreter würdigte bei dem Treffen den Islam als Religion des Friedens.
Bertone und Fitzgerald
Papst Benedikt XVI. wurde bei der Begegnung mit den Repräsentanten der anderen Religionsgemeinschaften von Kardinal-Staatssekretär Tarcisio Bertone und Erzbischof Michael Fitzgerald, dem Apostolischen Nuntius in Kairo, begleitet. Fitzgerald war früher Präsident des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog und ist ein ausgewiesener Experte für den Islam und den arabischen Raum. Als Nuntius in Kairo hält er auch Kontakt mit der Al-Azhar-Universität, die für den sunnitischen Islam (vor allem des hanefitischen Ritus) zentrale Bedeutung hat.
