Gedenkgottesdienst für Opfer der Lassing-Katastrophe
Graz, 21.7.08 (KAP) Mit einem Gottesdienst in der Pfarrkirche Lassing ist am Sonntag der Opfer des Grubenunglücks im Jahr 1998 in der obersteirischen Gemeinde gedacht worden. Zehn Kerzen wurden für die zehn damals verschütteten und ums Leben gekommenen Bergleute vor dem Altar entzündet, die Lichter wurden danach von den Angehörigen nach Hause getragen. Auch der einstige Unglücksort war mit Blumen und Kerzen geschmückt worden.
Zelebranten der Gedenkmesse bei strömendem Regen waren der Lassinger Pfarrer Andreas Fischer und sein Vorgänger Paul Scheichenberger, jetzt Seelsorger in der Grazer Pfarre St. Paul und damals einer der von den Journalisten besonders begehrten örtlichen Gesprächspartner. "Ein ganzer Ort ist in das Loch gefallen", erinnerte sich Scheichenberger in seiner sehr persönlichen Predigt. Es sei ihm "nicht leicht gefallen, wieder nach Lassing zu kommen", gestand er ein. Für die Angehörigen sei das Schicksal besonders schwer zu bewältigen gewesen, weil in der turbulenten, massenmedial "ausgeschlachteten" Krisenphase "die Trauer kaum möglich war". Filmaufnahmen waren während der Gedenkmesse bewusst untersagt worden.
Unter den Besuchern des Gottesdienstes war auch die frühere steirische Landeschefin Waltraud Klasnic, die während der von vielen Pannen geprägten Bergungsversuche für den verschütteten Bergmann Georg Hainzl die Einsatzleitung übernommen hatte. Erst durch die Bohrung eines ausländischen Unternehmens konnte neun Tage nach dem Unglück Georg Hainzl lebend geborgen werden.
"Viele waren traumatisiert"
In einem Interview der "Kleinen Zeitung" zur Bergwerkskatastrophe vom 17. Juli 1998 - es war das größte Grubenunglück Österreichs in der Nachkriegszeit - blickte Pfarrer Scheichenberger auf die dramatischen Ereignisse zurück: Er habe damals eine Urlaubsreise in Spanien abgebrochen und sei sofort nach Lassing zurückgekehrt: "Als ich 24 Stunden nach dem Unglück erstmals am Krater stand, waren viele noch handlungsunfähig und traumatisiert". Mit vielen Betroffenen habe er das Gespräch gesucht - als Betriebsseelsorger auch mit den überforderten und sodann scharf kritisierten Verantwortlichen des Bergwerks. Es seiihm sogar zum Vorwurf gemacht worden, dass er sich auch um Betriebs- und Einsatzleiter gekümmert habe, berichtete der Pfarrer.
Besonders in Erinnerung sei ihm jener Abend, als er bereits begann, das Requiem für die Verschütteten vorzubereiten: "Ich bin mit Waltraud Klasnic in der Pfarrküche gesessen, da läutet ihr Handy und es heißt, dass Georg Hainzl lebt". Die Fotos von der Jubelpose Scheichenbergers nach diesem "Wunder von Lassing" gingen um die Welt. Als man bei den Rettungsversuchen zu Hainzl vorgestoßen war, sollten alle 30 Meter vom Bohrloch zurückgehen. Die Kumpel hätten jedoch gesagt: "Der Pfarrer bleibt da". "Das war eine Ehre für mich", so Scheichenberger.
Die damaligen Ereignisse hätten ihn in seinem Priestertum gestärkt. Er habe "aus dem Bauch heraus die Verbindung zu Gott" hergestellt und sei "draufgekommen, wie wichtig der Priester ist, wenn er das erkennt und sich danach richtet".