Kaiser Karl I.: Akt zur Heiligsprechung jetzt in Rom
Washington-Vatikanstadt, 22.7.08 (KAP) Im Heiligsprechungsverfahren für den letzten österreichischen Kaiser Karl I. (als ungarischer König Karl IV.) ist auf diözesaner Ebene in Florida die Prüfung eines Wunders abgeschlossen worden; der Akt liegt nun zur Überprüfung und Entscheidung in der vatikanischen Heiligsprechungskongregation. Das teilte der geistliche Assistent der "Kaiser Karl-Gebetsliga für den Völkerfrieden", Franz Xaver Brandmayr, am Dienstag im Gespräch mit "Kathpress" mit. Wie lange das Verfahren im Vatikan dauern wird, lasse sich nicht abschätzen, hob Brandmayr hervor. Kaiser Karl wurde am 3. Oktober 2004 von Johannes Paul II. in Rom selig gesprochen. Sein Gedenktag ist der 21. Oktober, der Hochzeitstag mit seiner Frau Zita von Bourbon-Parma.
Bei dem jetzigen Verfahren auf Diözesanebene wurde in der US-Diözese Orlando in Florida der Fall einer unheilbar an Krebs erkrankten Frau untersucht, die nach Anrufung des seligen Karl auf wunderbare Weise geheilt wurde. Brandmayr bestätigte, dass von Seiten der prüfenden Kommission in Orlando die Heilung als Wunder auf Fürsprache des selig gesprochenen Monarchen anerkannt wurde.
Krebskranke von Ärzten bereits aufgegeben
"Florida Catholic", die Kirchenzeitung der Diözese Orlando, hatte bereits im Februar dieses Jahres ausführlich über das Verfahren berichtet. In der 60.000-Einwohner-Stadt Kissimmee südlich von Orlando war eine Frau Mitte 50 wegen ihrer Krebserkrankung, die bereits mehrere Organe befallen hatte, von den Ärzten schon aufgegeben worden. Die Frau, die der baptistischen Kirche angehört, hörte durch Zufall vom seligen Kaiser Karl: Ein Ehepaar aus Louisiana hatte während einer Reise durch Österreich einen Enkelsohn Karls I. kennengelernt, der sie zur Seligsprechungsfeier 2004 in Rom einlud, berichtete "Florida Catholic". Zu Weihnachten 2004 schenkte das Paar seiner Schwägerin Vanessa Lynn O'Neill eine bei der Seligsprechungsfeier verteilte Karl-Medaille und ein Büchlein mit Gebeten zur Anrufung des neuen Seligen.
Die Mutter Vanessa O'Neills war mit der krebskranken Frau befreundet. Vanessa O'Neill begann für die unheilbar Erkrankte eine "Novene um Fürbitte des Seligen Kaiser Karl" zu beten, bald schlossen sich weitere Familienmitglieder und Freunde diesem Gebet um Heilung an. Die krebskranke Frau habe diese Gebete zunächst abgelehnt, weil sie irrtümlicherweise der Auffassung war, die Katholiken würden zum seligen Karl beten und nicht zu Gott. Erst als man ihr darlegte, dass das Gebet sich immer nur an Gott richte und Heilige und Selige nur Fürsprecher seien, habe sie mit den Worten eingewilligt: "Jedes Gebet ist hilfreich". Nach einiger Zeit besserte sich der Gesundheitszustand der Frau, bis sie schließlich ganz von ihrem Krebsleiden geheilt war. Die Ärzte konnten keine medizinische Erklärung für diese Heilung abgeben.
Der Bischof von Orlando, Thomas Wenski, setzte eine Kommission aus Kirchenjuristen und weiteren Experten ein, die den Fall ab Sommer 2006 prüften, Zeugen hörten und medizinische Expertisen einholten. Nach 16 Monaten eingehender Untersuchung kamen sie zu dem Ergebnis, dass in dem Fall von einer medizinisch nicht erklärbaren, wunderbaren Heilung auf Fürsprache des Seligen Kaiser Karl ausgegangen werden könne. Die gesamten Akten wurden am 31. Jänner dieses Jahres dem römischen Postulator in dem Heiligsprechungsverfahren, Andrea Ambrosi, versiegelt übergeben, der sie seinerseits an die Heiligsprechungskongregation weiterleitete. Wie lange die Prüfung der Akten dauern und welche Schritte die Kongregation in dem Verfahren noch unternehmen wird, lässt sich derzeit nicht sagen. Die Letztentscheidung liegt beim Papst.
"Ein Freund des Friedens"
Der spätere Kaiser Karl I. (als ungarischer König Karl IV.) wurde am 17. August 1887 auf Schloss Persenbeug geboren. Karl wurde bewusst katholisch erzogen und von Kindheit an durch eine Gruppe von gläubigen Christen im Gebet begleitet. Daraus entstand nach dem Tod Karls die "Kaiser Karl-Gebetsliga für den Frieden der Völker", die seit 1963 als Gebetsgemeinschaft kirchlich anerkannt ist. 1911 heiratete der junge Erzherzog Prinzessin Zita von Bourbon-Parma, die ihm acht Kinder schenkte. Mitten im Ersten Weltkrieg musste Karl I. am 21. November 1916 den Thron besteigen. Er betrachtete es als seine wichtigste Aufgabe, das in der schwülstigen Propaganda auf allen Seiten zum "Völkerringen" stilisierte Blutbad zu beenden.
Als einziges Staatsoberhaupt unterstützte er die Friedensbemühungen von Papst Benedikt XV., der den Weltkrieg als "unnützes Blutbad" (inutile strage) bezeichnet hatte. Er war dabei auch zu beträchtlichen Zugeständnissen bereit, scheiterte damit aber sowohl bei den Kriegsgegnern als auch bei den deutschen Verbündeten. In dieser schwierigen Zeit setzte sich Karl I. in Österreich auch für eine Sozialgesetzgebung im Sinne der christlichen Soziallehre ein. Nach dem Krieg wurde er als Kaiser abgesetzt. Versuche, als König von Ungarn weiter zu regieren - aufgefordert durch den französischen Ministerpräsidenten Aristide Briand und auf ausdrücklichen Wunsch Papst Benedikts XV. - scheiterten ebenfalls. Im Exil auf Madeira zog sich der Kaiser eine tödliche Erkrankung zu, der er am 1. April 1922 erlag.
1954 wurde der Seligsprechungsprozess für Kaiser Karl begonnen. Johannes Paul II. anerkannte schließlich im Dezember 2003 ein wunderbare Heilung, die 1960 der in Brasilien lebenden polnischen Ordensfrau Maria Zita Gradowska auf Anrufung der Fürsprache Karls I. zuteil geworden war. Die Nonne litt jahrelang an einer schmerzhaften und unheilbaren Venenkrankheit. Sie hatte offene Geschwüre und war bettlägerig.
Bei der Seligsprechung würdigte Johannes Paul II. Karls Friedenssehnsucht. Der letzte österreichische Monarch habe versucht, die Friedensinitiative Benedikts XV. aufzugreifen; er sei ein "Freund des Friedens" gewesen. "Krieg war etwas Entsetzliches für ihn", sagte der Papst wörtlich. Karl I. habe von Anfang an sein Herrscheramt als "heiligen Dienst" verstanden. Es sei ihm darum gegangen, die Berufung des Christen zur Heiligkeit auch in seinem politischen Handeln zu verwirklichen. In diesem Sinn bezeichnete Johannes Paul II. den Kaiser als "Vorbild auch für jene, die heute in Europa politische Verantwortung tragen".
An der Seligsprechung Kaiser Karls I. hatte es auch Kritik gegeben, unter anderem wegen des Einsatzes von Giftgas an der Isonzo-Front. Historiker zeigten allerdings auf, dass der Einsatz dieser kriegsrechtlich verbotenen Waffe bereits unter Kaiser Franz Joseph I. begonnen hatte und bei der Machtübernahme Karls bereits auf allen Seiten üblich war. Wie weit Karl I. für den verheerenden Giftgas-Einsatz vom 17. Oktober 1917 an der Isonzo-Front (Caporetto) verantwortlich war, ist unter Historikern umstritten.
Franz Xaver Brandmayr, seit Jänner 2008 Rektor der österreichisch-deutschen Nationalstiftung "Collegio Teutonico di Santa Maria dell'Anima" (allgemein bekannt als "Anima") in Rom, war in Wien in der letzten Phase des Seligsprechungsverfahrens für Kaiser Karl leitend tätig. Als geistlicher Assistent der "Kaiser Karl-Gebetsliga" verfolgt er das jetzige Heiligsprechungsverfahren aufmerksam. Er wertete die Entscheidung der Diözese Orlando als wichtigen Schritt. Öffentliche Spekulationen über Fortgang und Dauer des Verfahrens seien aber weder seriös noch hilfreich, so Brandmayr im Gespräch mit "Kathpress".