Europa: Kath. Jugendarbeit soll stärker vernetzt werden
Sydney, 22.7.08 (KAP) Beim Weltjugendtag in Sydney ist der Wille zu einer stärkeren Vernetzung der katholischen Jugendarbeit auf europäischer Ebene bekundet worden. Der deutsche "Jugend-Bischof" Franz-Josef Bode (Osnabrück) hatte "Jugend-Bischöfe" anderer europäischer Länder sowie Jugendseelsorger und Mitarbeiter in der Jugendpastoral zu einem Treffen geladen. Bereits in der Einladung hatte Bode betont: "Der Weltjugendtag ist ein zunehmend wichtiges Element der Jugendpastoral geworden, ein Treffpunkt der jungen Weltkirche. Ich hoffe, dass es uns gelingt, über den Weltjugendtag hinaus für die Jugendpastoral in Europa in Verbindung zu bleiben".
Wie der österreichische Bundesjugendseelsorger Markus Muth im Gespräch mit "Kathpress" berichtete, habe das Treffen gezeigt, dass es große Bereitschaft zu einer stärkeren europäischen Zusammenarbeit gebe. "Am Ziel sind wir aber noch lange nicht. Dazu braucht es noch viel Überzeugungsarbeit und vor allem die Erfahrung, dass der Austausch allen etwas bringt", so Muth. Die insgesamt rund 30 Teilnehmer, vor allem Bischöfe und Seelsorger, kamen aus mehr als zehn europäischen Ländern, unter ihnen war auch Österreichs "Jugend-Bischof" Franz Lackner. Er sprach sich in seinem Statement sehr für einen Ausbau der Zusammenarbeit aus: "Österreich wird dabei sein und mitmachen".
Muth merkte an, dass die Kirche den jungen Menschen die europäische Vernetzung einfach schuldig sei. Außerdem gehe es nicht nur um ein organisatorisches Sich-Vernetzen, es gehe vielmehr um eine "konkrete Art, Kirchesein zu verwirklichen". Als positives Beispiel nannte Muth die Zusammenarbeit der kirchlichen Jugendverantwortlichen aus der Tschechischen Republik, der Slowakei, aus Polen, Ungarn, Slowenien, Kroatien, Bosnien-Hercegovina und Österreich seit dem Mitteleuropäischen Katholikentag in Mariazell 2004 (MEKT). Im Oktober 2008 wird die große Jugendsozialaktion "72 Stunden ohne Kompromiss" gemeinsam mit Ungarn und Südtirol durchgeführt; für 2010 hofft er, dass sich noch mehr Länder anschließen.
"Eine Art Gesamtkunstwerk"
Bischof Bode sagte im Gespräch mit dem katholischen TV-Sender EWTN, der Weltjugendtag in Sydney sei ein "großartiges Glaubensfest" gewesen. Die Jugendlichen hätten gespürt, dass sie nicht alleinesind und sich nicht ständig rechtfertigen müssen, warum sie zur Kirche gehören.
Für den deutschen "Jugend-Bischof" ist der Weltjugendtag eine Art Gesamtkunstwerk, das alle Sinne anspreche. Viele hätten durch die Weltjugendtage "einen Anstoß für ihren weiteren Weg" erhalten. Der "Grundwasserspiegel" des Verhältnisses zur Kirche, zum Papsttum, zum Glauben und zu Jesus Christus sei dadurch gewachsen. Das habe der Jugendseelsorge insgesamt sehr gut getan. Die Faszination des Papstes für die Jugendlichen hänge mit dem Interesse an den Grundfragen des Menschseins zusammen, "weil die letzten Fragen des Menschen doch bei verschiedenen Generationen und Kulturen gleich sind".
Den Weltjugendtag in Australien zu feiern, wertete Bischof Bode als eine gute Entscheidung. Man erlebe dort eine ganz andere Gesellschaft. Er würde sich sehr wünschen, wenn der Weltjugendtag einmal in Afrika stattfände: "Da merken die jungen Leute das Weltumspannende besser, als wenn wir im europäischen Kontext bleiben".
Der deutschen "Tagespost" sagte Bode, hin und wieder bedürfe die Kirche und ihre Jugend einer Selbstdarstellung und Selbstvergewisserung. Kirche und Papst würden von den jungen Leuten bei Weltjugendtagen anders erfahren als sie ihnen aus den Medien bekannt seien.
"Es muss diese Räume geben, wo ich mein Christsein zwanglos erfahren und leben kann", betonte Bode. Auch wenn es dann zu Hause wieder schwieriger sei, kehre man dennoch ermutigt und gestärkt zurück. Nach Ansicht des Bischofs haben die vergangenen Weltjugendtage dafür gesorgt, dass die Konkurrenz zwischen geistlichen Gemeinschaften und offizieller Katholischer Jugend geringer geworden ist. Beide Seiten könnten voneinander profitieren, betonte der Bischof. Die einen könnten lernen, der Liturgie und der Bibelarbeit mehr Raum zu geben, die anderen könnten die wichtige Aufgabe entdecken, in die Öffentlichkeit hineinzuwirken und auch politisch wirksam zu sein.