Bischöfe warnen vor nuklearer Auseinandersetzung
Wien, 4.8.08 (KAP) Vor der zunehmenden Gefahr einer atomaren Auseinandersetzung haben österreichische Bischöfe einmal mehr anlässlich des Jahrestages des ersten Atombombenabwurfs über dem japanischen Hiroshima gewarnt. Zugleich rufen sie aus Anlass der traditionellen Gedenkveranstaltung zum Jahrestag des Atombombenabwurfs auf Hiroshima, die heuer am Mittwoch, 6. August, auf dem Wiener Stephansplatz stattfindet, zum verstärkten Einsatz für den Frieden auf. Am 6. August 1945 hatten die US-Amerikaner im Zweiten Weltkrieg die erste Atombombe auf die japanische Stadt Hiroshima abgeworfen. Am 9. August folgte die zweite Bombe auf Nagasaki. Hunderttausende Menschen starben an den direkten oder indirekten Folgen der beiden Atombomben.
Kardinal Christoph Schönborn
Kardinal Christoph Schönborn betont in seiner Grußbotschaft zum Gedenktag die steigende Gefahr einer nuklearen Auseinandersetzung. Deshalb gelte es, "an die Schrecken von Hiroshima mit aller Deutlichkeit zu erinnern und alle verantwortlichen Politiker vor diesen unermesslichen Gefahren für die Zukunft zu warnen".
Erzbischof Alois Kothgasser
Der Salzburger Erzbischof Alois Kothgasser spricht sich für einen völligen Verzicht auf Atomwaffen aus. So lange einige Staaten auf ihrem Recht auf Atomwaffen bestehen, könne man nicht mit letzter Konsequenz anderen Staaten ein Recht darauf absprechen, auch solchen mit sehr zweifelhaften politischen Verhältnissen. Darum könne nur eine generelle Ächtung der Nuklearbewaffnung die Menschheit von dieser Bedrohung befreien, so Kothgasser in seinem Grußwort.
Bischof Ludwig Schwarz, Vorsitzender von "Iustitia et Pax"
Der Linzer Diözesanbischof und Vorsitzende der kirchlichen Kommission für Gerechtigkeit und Frieden ("Iustitia et Pax"), Ludwig Schwarz, warnt vor dem falschen Sicherheitsgefühl, dass die von den Atomwaffenarsenalen ausgehende Gefahr weit entfernt sei und hierzulande niemanden persönlich treffen könne. "Frieden zu erlangen und Frieden zu erhalten, gewaltfrei mit seinen Mitmenschen zu leben", sei eine lebenslange ständige Bemühung und Aufgabe, betont Bischof Schwarz.
Kärntner Bischof Alois Schwarz
Der Kärntner Diözesanbischof Alois Schwarz verweist in seinem Grußwort auf die Botschaft von Papst Benedikt XVI. zum Weltfriedenstag 2006. Damals hatte der Papst daran erinnert, dass es in einem Atomkrieg keine Sieger gäbe, sondernnur Opfer. Die Wahrheit des Friedens verlange, dass alle - "sowohl die Regierungen, die erklärtermaßen oder insgeheim Atomwaffen besitzen, als auch jene, die sie sich verschaffen wollen" - mit klaren und festen Entscheidungen gemeinsam auf Gegenkurs gehen und sich auf eine fortschreitende atomare Abrüstung ausrichten, zitiert Bischof Schwarz Papst Benedikt XVI.
Metropolit Michael Staikos
Noch nie zuvor in der Menschheitsgeschichte war die Bedeutung des Dialogs "zwischen Nord und Süd, zwischen den verschiedenen Religionen und Kulturen " so wichtig wie heute, betont der orthodoxe Metropolit Michael Staikos in seiner Grußbotschaft. Er warnt vor der neuen "Welle von Nationalismus und Chauvinismus in der Welt". Staikos: "Nicht Angst machen vor dem Unbekannten, dem Fremden, sondern Offenheit und Menschlichkeit sollten unser Denken und Handeln prägen".
Evangelischer Bischof Michael Bünker
Der evangelische Bischof Michael Bünker ruft die Kirchen dazu auf, gemeinsam aus dem Glauben heraus "mutig und beständig gegen die Gefahr des Atomkriegs einzutreten". Die mahnende Erinnerung an die Opfer von Hiroshima und Nagasaki verpflichte alle, insbesondere aber die politisch Verantwortlichen, "für den Abbau von Atomwaffen zu wirken und jede Weiterverbreitung zu verhindern".
Am 6. August werden ab 17 Uhr Vertreter von Friedensgruppen zum Thema "Atomwaffen" sprechen und u.a. auch aus den Grußadressen der Bischöfe zitieren. Den Abschluss der Gedenkveranstaltung bildet ab 20.30 Uhr ein Laternenmarsch vom Stephansplatz zur Karlskirche (Informationen: Internet: www.hiroshima.at).
Einer der Überlebenden des Atombombenabwurfs auf Nagasaki wird in diesem Jahr nach Wien kommen. Der heute 77-jährige Kazuo Soda, der für sein Engagement in der Friedensbewegung im Jahr 2001 mit dem Aachener Friedenspreis ausgezeichnet worden ist, nimmt am 9. August um 19 Uhr an einer traditionellen buddhistischen Lichterzeremonie bei der Wiener Friedenspagode teil, bei der an die Opfer von Hiroshima und Nagasaki erinnert wird.
