Familienverband für verpflichtendes Kindergartenjahr
Wien, 5.8.08 (KAP) Für ein verpflichtendes Kindergartenjahr hat sich der Präsident des Katholischen Familienverbands Österreich (KFÖ), Johannes Fenz, ausgesprochen. Im Gespräch mit "Kathpress" sagte Fenz am Dienstag, dass man den Kindergarten als Bildungseinrichtung verstehen müsse, ein verpflichtendes Kindergartenjahr sei daher sinnvoll, nicht nur für Kinder mit Sprachdefiziten.
In Österreich wachse jedes dritte Kind als Einzelkind auf. Der Kindergarten habe für die Einzelkinder daher auch eine wesentliche Sozialisationsfunktion, betonte der KFÖ-Präsident: "Kinder lernen dort beispielsweise das Nachgeben und sich unter Gleichaltrigen durchzusetzen."
Wie Fenz sagte, würden 93 bis 95 Prozent der Fünfjährigen ohnehin einen Kindergarten besuchen: "Wenn wir daher von einem verpflichtenden Kindergartenjahr reden, geht es österreichweit um 3.500 von insgesamt 70.000 Fünfjährigen, die keinen Kindergarten besuchen."
Der KFÖ-Präsident wies auch auf die große Chance hin, die Kinder mit Sprachdefiziten durch den Kindergarten hätten. Allerdings fügte er hinzu: "Die bloße Anwesenheit alleine reicht nicht aus. Ein Migrantenkind lernt nicht Deutsch, nur weil es ein Jahr lang an fünf Tagen pro Woche fünf Stunden lang mit deutschsprachigen Kindern in einem Raum ist."
Damit vorhandene Sprachdefizite ausgeglichen werden können, müssten individuelle Förderprogramme angeboten werden. "Ein Kind, das kaum ein Wort Deutsch spricht ist anders zu fördern als ein Kind, das sich nicht ausdrücken kann, einen Sprachfehler oder Probleme mit der Satzstellung hat", so Fenz. Er betonte auch, dass für den Ausgleich von Sprachdefiziten speziell ausgebildete Sprachtrainer notwendig seien. Die Kindergartenpädagoginnen seien dafür zu wenig geschult.
Um Sprachdefizite auszugleichen müssten auch die Gruppengrößen deutlich gesenkt werden, so der KFÖ-Präsident: "Ich kann nicht mit den heute üblichen Kindergarten-Gruppengrößen von 25 Kindern Sprachtraining machen." Um nennenswerte Erfolge erzielen zu können, seien Gruppengrößen von sieben bis zehn Kindern notwendig. Außerdem sollten pro Tag mindestens zwei bis drei Stunden Sprachunterricht für nicht Deutsch sprechende Kinder stattfinden, forderte Fenz.
Nur wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, könne die Sprachkompetenz von Kindern verbessert werden, so Fenz. Ansonsten sei ein verpflichtendes Kindergartenjahr nicht mehr als eine "Alibiaktion", so der KFÖ-Präsident in Richtung der verantwortlichen Politiker.