Diözese Innsbruck: Paulinum wiedereröffnet
Innsbruck, 8.5.06 (KAP) Ein "ganzheitliches, nicht allein an intellektueller Leistung oder wirtschaftlicher Verwertbarkeit orientiertes Verständnis von Bildung" forderte der Innsbrucker Bischof Manfred Scheuer bei der Eröffnung und Segnung des völlig umgebauten Bischöflichen Gymnasiums "Paulinum" in Schwaz. Bischof Scheuer sprach sich für eine Bildung aus, die zu einem "gebildeten Ich" führt, das fähig ist, die Wirklichkeit so zu sehen, wie sie ist, das zu unterscheiden vermag, sich für Mitmenschen engagiert und das die übernatürliche, transzendentale Dimension von Welt und Mensch nicht ausklammert. Bildung, die dem Menschen gerecht wird, habe ihre Wurzel in einem lebendigen Interesse an der Welt, das zutiefst aus dem Staunen, der Achtung und der Dankbarkeit kommt. Letztlich bleibe jedes Verständnis von Bildung "halbiert" und eindimensional, wenn der Mensch nicht als Bild Gottes verstanden wird.
Bildungsministerin Elisabeth Gehrer unterstrich die zentrale Bedeutung der Religion als "Wertegrundlage" von Bildung. Applaus der Festversammlung folgte der Aussage Gehrers: "Solange ich Unterrichtsministerin bin, wird der Religionsunterricht Pflichtgegenstand bleiben". Die Ministerin forderte eine "ernsthaftere Bildungsdiskussion" in der Öffentlichkeit. Was in der Pisa-Studie erhoben werde, sei lediglich ein sehr kleiner Teil dessen, was gute Bildung ausmache. In der Bildung gehe es nicht nur um die Fähigkeiten zu lesen, zu schreiben und zu rechnen, sondern um "gesamthafte Persönlichkeitsbildung", gutes Wissen, Förderung von Kreativitat und Aneignung von Kompetenzen. Die Gesellschaft brauche heute "Querdenker", betonte Gehrer.
Landeshauptmann Herwig van Staa plädierte für ein Bildungswesen, das das "Grundvertrauen" junger Menschen fördere und stärke. Noch nie, so van Staa, sei in die Bildung auf allen Ebenen in Österreich so viel Geld investiert worden wie heute. Die in der Öffentlichkeit umstrittene Pisa-Studie wertete der Landeshauptmann als "wissenschaftlich äußerst zweifelhaft".
Ehrung für Erzbischof Kothgasser
Eine besondere Ehrung erhielt beim Festakt der Salzburger Erzbischof Alois Kothgasser. Er hatte noch als Diözesanbischof von Innsbruck entscheidenden Anteil am Entschluss der Diözesanleitung, das "Paulinum" als Bischöfliches Gymnasium weiter zu führen. Und er hatte auch zur Entscheidung gedrängt, die Gebäude auf einen Standard zu bringen, der den Anforderungen einer modernen Schule entspricht. Für diesen Einsatz verlieh ihm der "Verein der Altpauliner" die Ehrenmitgliedschaft.
Zur Eröffnung und Segnung des "Paulinums" waren auch der Innsbrucker Altbischof Reinhold Stecher und der Salzburger emeritierte Weihbischof Jakob Mayr gekommen. Beide hatten am "Paulinum" maturiert.