Salzburg: Symposion über Dietrich Bonhoeffer
Salzburg, 8.5.06 (KAP) Dem evangelischen Märtyrer-Theologen Dietrich Bonhoeffer, der vom NS-Regime ermordet wurde, und den "Orten seines theologischen Denkens" ist ein Symposion am 18./19. Mai an der Universität Salzburg gewidmet. Fachleute aus Europa und aus den USA nehmen an dieser Veranstaltung anlässlich des 100. Jahrestages der Geburt Bonhoeffers teil. Die Wirkungsstätten des Theologen wie Berlin, Rom, New York oder London dienen als Ausgangspunkt der Vorträge.
Eröffnet wird das an der Katholisch-theologischen Fakultät durchgeführte Symposion am Donnerstag, 18. Mai, um 9.30 Uhr vom Salzburger Erzbischof Alois Kothgasser, den Festvortrag am Donnerstagabend (20 Uhr) hält der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller; sein Thema: "Bonhoeffers Theologie - ein Ort katholischer Theologie heute".
Weitere Referenten sind u.a. die Theologen Ernst Feil (München), Hans Pfeifer (Freiburg/Br.), Holger Roggelin (Baltimore) und Tomi Karttunen (Tampere). Der Wiener Moraltheologe und Bonhoeffer-Experte Gunter Prüller-Jagenteufel hält ein Referat unter dem Titel "Verantwortung übernehmen heute und hier: Die konkrete Wirklichkeit als Bonhoeffers 'locus ethicus'". Das Symposion endet mit Workshops und der Besprechung von Forschungsarbeiten über Bonhoeffer am Freitagnachmittag.
Schon früh im Widerstand gegen Hitler
Dietrich Bonhoeffer wurde am 4. Februar 1906 in Breslau geboren. Er studierte Theologie in Tübingen, Rom und Berlin. 1933, als Hitler deutscher Reichskanzler wurde, war er Studentenpfarrer und Dozent in Berlin. Er wurde bald als Gegner des Nationalsozialismus ausgemacht und ging für zwei Jahre als Auslandspfarrer nach London. Er hielt jedoch die Kontakte nach Deutschland aufrecht, kehrte 1935 in seine Heimat zurück und leitete im Untergrund das Predigerseminar der "Bekennenden Kirche" in Finkenwalde. Der evangelische Theologe hatte bereits sehr früh begonnen, gegen die Diskriminierung und Entrechtung der Juden unter dem Hitler-Regime anzukämpfen.
Als Bonhoeffers zunehmend in die Enge getrieben wurde, arrangierten Freunde für ihn Dozenturen in den USA. Der Theologe entschied sich aber für eine Rückkehr nach Deutschland, weil er seine Kirche in der schwierigen Situation nicht allein lassen wollte. Zwischen 1939 und 1943 durfte er nichtöffentlich auftreten und nicht publizieren, er arbeitete aber im Untergrund weiter und suchte bei Auslandsreisen Hilfe für den Widerstand. Am 5. April 1943 wurde er von der Gestapo verhaftet und zunächst in Berlin, dann im KZ Buchenwald und zuletzt in Flossenbürg inhaftiert. Der Märtyrer-Theologe wurde in der Morgendämmerung des 9. April 1945 gehenkt, obwohl die Mörder bereits wussten, dass ihre Sache verloren war.
Nach dem Zweiten Weltkrieg erlangte Leben und Werk Bonhoeffers in zweifacher Richtung große Bedeutung: Seine Person wurde zu einem Angelpunkt in der Diskussion um den politischen Widerstand gegen die NS-Diktatur und die Rolle der Kirchen unter der Nazi-Herrschaft. Seine Theologie prägte entscheidend die theologische Entwicklung in den letzten Jahrzehnten, vor allem in den Bereichen Ökumene, Befreiungstheologie und "kontextuelle" Theologie. Besondere Bedeutung erlangten vor allem seine Briefe und Aufzeichnungen aus dem Gefängnis, zusammengefasst unter dem Titel "Widerstand und Ergebung", sowie sein 1949 posthum veröffentlichtes Werk "Ethik".