Landau: "Pflege-Paket" darf nur ein erster Schritt sein
Wien, 12.8.08 (KAP) Als einen "sinnvollen ersten Schritt" hat der Wiener Caritasdirektor Msgr. Michael Landau die Einigung der scheidenden Regierungskoalition über das "Pflege-Paket" bewertet. Die Einigung dürfe aber nur ein Anfang sein: "Die Sicherung der Pflege bleibt auch in der Zukunft eine der großen Herausforderungen für jede künftige Bundesregierung", sagte der Landau am Dienstag im Gespräch mit "Kathpress" in einer ersten Einschätzung zu den geplanten Maßnahmen.
Konkret sei etwa die vorgesehene Erhöhung und bessere Einstufung für demenzkranke Menschen und für behinderte Kinder "ohne Zweifel wichtig". Man müsse allerdings abwarten, wie die geplanten Maßnahmen im Detail umgesetzt werden, meinte Landau. Nach den am Montag verlautbarten Regierungsplänen soll Demenzkranken bei der Einstufung in den Stufen 1 und 2 des Pflegegelds eine Erschwerniszulage von 30 Stunden angerechnet werden, in den Stufen 3 und 4 soll diese 20 Stunden betragen. Schwerbehinderte Kinder und Jugendliche bis zum siebenten Lebensjahr wird ein Pauschalwert von 50 Stunden angerechnet. Jugendliche mit schweren Behinderungen bis zum 15. Lebensjahr erhalten pauschal 75 Stunden.
Faktum sei, so Landau, dass Demenzkranke heute vielfach zu niedrig eingestuft seien und ihre Situation völlig unzureichend berücksichtigt werde. "Das ist ein ganz entscheidender Punkt für eine sinnvolle Reform des Pflegegelds", unterstrich der Wiener Caritasdirektor.
Pflegegeld-Erhöhung "zu wenig"
Die von der Regierung vorgesehene Erhöhung des Pflegegelds - das Pflegegeld der Stufen 1 und 2 soll demnach mit 1. Jänner 2009 um vier Prozent, jenes der Stufen 3 bis 5 um fünf Prozent und jenes der Stufen 6 und 7 um sechs Prozent erhöht werden - sei angesichts des tatsächlichen Wertverlusts im Lauf der vergangenen Jahre zu wenig, sagte Landau. Er fordert für das Pflegegeld "unbedingt eine regelmäßige Inflationsanpassung", um den laufenden Wertverlust auszugleichen.
Das neue "Pflege-Paket" sieht auch Verbesserungen bei der 24-Stunden-Betreuung Pflegebedürftiger zu Hause vor. 550 Euro erhält man künftig bei Betreuung durch eine selbständige Pflegekraft, wer seine Betreuungskräfte anstellt, bekommt in Zukunft monatlich 1.100 Euro. Geplant ist auch die endgültige bundesweite Abschaffung der Vermögensgrenze in diesem Bereich.
Caritasdirektor Landau unterstrich in diesem Zusammenhang, dass die 24-Stunden-Betreuung nur ein "Mosaikstein" sei: "Fünf Prozent der Pflege und Betreuung werden auf diesem Weg geleistet. Die restlichen 95 Prozent dürfen nicht vergessen werden". Es brauche ein Gesamtkonzept mit österreichweit einheitlichen Qualitäts-, Versorgungs-, und Finanzierungsstandards. Besonderes Augenmerk müsse dabei auf die Entlastung pflegender Angehöriger gelegt werden, so Landau.
Er erneuerte seine Forderung, die Finanzierung der Pflege insgesamt "auf eine neue Basis" zu stellen. Die Caritas schlägt dazu eine solidarische Finanzierung in Form eines Pflegelasten-Ausgleichsfonds, analog zum Familienlasten-Ausgleichsfonds, vor. Ein Finanzierungskonzept, das zuletzt auch eine Studie des Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO) unterstützt hatte.