Vorarlberger Jesuit P. Neuner wird 100
Feldkirch-New Delhi, 17.8.08 (KAP) Der Vorarlberger Jesuit P. Josef Neuner, ein Vertrauter und Berater von Mutter Teresa, wird am 19. August 100. Er wurde 1908 in Feldkirch geboren, einen Großteil seines Lebens verbrachte er in Indien. Er war und ist ein Vorkämpfer für die "Inkulturierung" des Christentums im indischen Kontext. 1962 nahm er als Berater beim Zweiten Vatikanischen Konzil in Rom teil, eine Erfahrung, die er als "wichtigste seines Lebens" bezeichnet. Bis heute ist es das zentrale Ziel des Jesuiten, dem christlichen Glauben in der säkularen Welt seinen Platz zu geben.
Im Juni 2005 wurde P. Neuner mit dem Goldenen Ehrenzeichen des Landes Vorarlberg ausgezeichnet. Wenige Tage später wurde das Erinnerungsbuch P. Neuners (es erschien unter dem Titel "Der indische Joseph. Erinnerungen aus meinem Leben" im Feldkircher Verlag "Die Quelle") in Anwesenheit des Jesuiten im Feldkircher Diözesanhaus präsentiert. Der Feldkircher Schulamtsleiter Hans Fink betonte in seiner Laudatio besonders die Offenheit auf das jeweils Zukommende als Lebensprinzip P. Neuners. Es sei eine Offenheit "ohne Absturz", da sie tief verwurzelt im Glauben ist. P. Neuner unterstrich dies durch einige persönlichen Bemerkungen. So erinnerte er an das Zweite Vaticanum und die Öffnung der katholischen Kirche zu den anderen Religionen. Betont wurde auch seine besondere Beziehung zu Säkularinstituten (z.B. zum "Werk der Frohbotschaft" in Batschuns) und ähnlichen Gemeinschaften, die versuchen, "mitten in der Welt das Reich Gottes zu verkünden und zu leben". P. Neuner sagte, es gehe um eine weltoffene und weltverantwortliche Spiritualität der Kirche, sie dürfe nicht nur in der Sakristei bleiben.
"Brückenbauer" und "Vorreiter der Inkulturation"
Ausführlich würdigen Freunde, Wegbegleiter und Schüler in der aktuellen Ausgabe des "Vorarlberger Kirchenblatt" das Leben und Werk P. Josef Neuners, der am 19. August seinen 100. Geburtstag begeht. Hervorgehoben werden dabei insbesondere seine Vorreiterrolle im Bereich der Inkulturation des Christentums in den indischen Kontext sowie sein Wirken als "Brückenbauer" zwischen den Kulturen und Religionen.
Im Gespräch mit dem "Vorarlberger Kirchenblatt" hebt der indische Theologe Noel Sheth, der in den 1960er Jahren bei Neuner studierte und ihn als seinen "geistlichen Vater" bezeichnet, dessen Verdienste für das Gelingen der Inkulturation hervor. Neuners Begriff von Inkulturation sei stets von der Bereitschaft des gegenseitigen Lernens geprägt, so Sheth. Dabei öffne der Blick auf andere religiöse und kulturelle Traditionen zugleich die Wahrnehmung von "Dingen voll Tiefe und Wahrheit in unserer eigenen Tradition".
Eng verbunden damit sei auch das zweite Hauptanliegen Neuners, der interreligiöse Dialog, so Sheth. So habe Neuner etwa beim Zustandekommen der Erklärung "Nostra Aetate" des Zweiten Vatikanischen Konzils eine entscheidende Rolle gespielt. Er habe dabei eine "neue und positive Sicht der nicht-christlichen Religionen in die kirchliche Diskussion" eingebracht. Seine Studenten habe Neuner bereits vor Konzilsbeginn darauf vorbereitet, so sei das Vatikanum für sie "keine Überraschung" gewesen, erinnert sich Sheth.
"Brückenbauer zwischen Indien und Europa"
Als "Brückenbauer in fast allen Gebieten, mit denen er sich beschäftigte", bezeichnet der indische Theologe Francis D'Sa den Jubilar Neuner. Brückenbauer sei er "zwischen Ordensleuten und Diözesanverantwortlichen, zwischen Wissenschaft und Spiritualität, zwischen christlicher Theologie und indischen Religionen, zwischen Indien und Europa und nicht zuletzt zwischen Indien und der Welt."
Der Feldkirchner Dompfarrer Rudolf Bischof bezeichnet Neuner als "hageren, stillen Mann", dessen Buch "Neuner-Roos" seine Studentengeneration "fast wie die Bibel" durch das Theologiestudium getragen habe. In dem Buch übersetzte Neuner die Glaubenssätze des Konzils in die deutsche Sprache. Der Dompfarrer lernte Neuner und sein Wirken bei einem Indienbesuch im Rahmen des 80. Ordensjubiläums des Jesuiten kennen.
"Säkulare Spiritualität" sei die "entscheidende Orientierung in dieser Welt", zitiert Karoline Artner von der Gemeinschaft der Frohbotinnen den Jubilar P. Neuner, dem die Gemeinschaft die Neufassung ihrer Satzungen verdankt. "Bescheidenheit, persönliche Glaubwürdigkeit und verbindende Weite" würden seine Persönlichkeit kennzeichnen.
Vorarlberger Ehrenkreuz
Bei seinem Österreichbesuch im Jahr 2005 erhielt P. Neuner das goldene Ehrenkreuz von Vorarlberg. Die katholische Kirche verdanke Menschen wie Pater Neuner viel, sagte Laudatar Jozef Niewiadomski, Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Innsbruck; so etwa die Kraft ihres Zeugnisses für Wahrheit und Gewaltlosigkeit, aber auch den Wandel des Missionsverständnisses der Kirche hin zu einem dialogischen Verständnis. Pater Neuner sei "zum richtigen Zeitpunkt an richtiger Stelle" gewesen und sei durch "kleine und oft unscheinbare Schritte zum Sprachrohr des Heiligen Geistes" geworden, so Niewiadomski damals in seiner Laudatio.
Über sein eigenen Werk schreibt Neuner in seiner Autobiografie ("Der indische Josef"): "In dieser Welt und Kirche musste, durfte ich auch meinen kleinen Beitrag leisten. Dabei habe ich persönlich erfahren, dass individuelles Leben nur Sinn hat, wenn es hineingewoben ist in das Wachsen und Suchen in Welt und Kirche. Wenn wir dabei unseren Beitrag leisten, wie klein und bescheiden er auch sein mag; denn das Weltgeschehen ist eben letztendlich die Geschichte des Gottesreiches."
