Wiener orthodoxer Bischof: "praktische Allianzen bilden"
Wiener russisch-orthodoxe Bischof Hilarion rief neuerlich Katholiken und Orthodoxe zu "strategischen Partnerschaft" auf. Im Zentrum der nächsten Beratungen werde voraussichtlich die Frage des Primats stehen
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Kardinal Schönborn mit Bischof Hilarion |
Wien, 3.9.08 (KAP) Der Wiener russisch-orthodoxe Bischof Hilarion (Alfejew) hat neuerlich Katholiken und Orthodoxe zu einer "strategischen Partnerschaft" aufgerufen. Die Zeit sei reif, so der Bischof im Gespräch mit "Kathpress", im ökumenischen Dialog nicht mehr auf das Trennende zu blicken, sondern auf die verbindenden Dinge, die "weitaus überwiegen". Dies bedeute nicht, die verbliebenen theologischen Probleme herunterzuspielen; es gehe vielmehr um einen Perspektivenwechsel in der Praxis der Ökumene, so Bischof Hilarion.
Wörtlich sagte der Bischof: "Wir sollten nicht darauf warten, bis alle theologischen Probleme gelöst sind, sondern jetzt praktische Allianzen bilden; wir sollten auch nicht warten, bis wir eine gemeinsame geistliche Verwaltung bekommen - wenn sie überhaupt jemals kommt". Konkret schlug Bischof Hilarion als ersten Schritt vor, ein gemeinsames Missionsverständnis zu entwickeln und in diesem Bereich gemeinsam vorzugehen. Man verkürze den Begriff von Ökumene, wenn man ihn ausschließlich auf theologische Fragen konzentriere und nicht die Notwendigkeit gemeinsamen Tuns als Weg ökumenischen Fortschritts verstehe.
"Anti-ökumenische Stimmung"
Im Blick auf den offiziellen katholisch-orthodoxen Dialog, wie er von der internationalen theologischen Kommission vorangetrieben wird, sagte der Bischof, auch hier müssten "neue Wege" gefunden werden. Es führe zu keinem tieferen Verständnis der anderen Seite und trage nicht zur Lösung der bestehenden theologischen Fragen bei, "wenn immer wieder die selben Argumente und Erklärungen ausgetauscht werden".
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Russisch-orthodoxe Kirche in Wien |
Wenn der Dialog inhaltlich stagniere, bestehe außerdem die Gefahr, dass eine "anti-ökumenische Stimmung" um sich greife, so Hilarion. Diese sei in der russisch-orthodoxen Kirche bereits deutlich zu spüren, räumte der Bischof ein. Diese Stimmung resultiere "meist aus der Unkenntnis der Leute über andere Kirchen". In Europa sei eine solchermaßen "anti-ökumenische Stimmung" nicht in dem Ausmaß spürbar, da Ökumene in Europa eine "soziale Realität" sei - von interreligiös geprägten Familien bis hin zu gemeinsamen Aktionen verschiedener Kirchen.
Innerorthodoxe Probleme
Zur Frage des Fortgangs des offiziellen Dialogs zwischen katholischer und orthodoxer Kirche konstatierte Bischof Hilarion, dass es zunächst einer innerorthodoxen Klärung der Rolle der russisch-orthodoxen Kirche bedarf, bevor das Moskauer Patriarchat an der nächsten, für Ende 2009 geplanten Sitzung der Dialogkommission teilnehmen werde. Im Herbst des Vorjahres war es bei der 10. Vollversammlung der internationalen theologischen Kommission in Ravenna zu einem Eklat gekommen, als die russische Delegation unter Führung von Bischof Hilarion den Verhandlungstisch verließ. Grund war die Anwesenheit von Vertretern der 1996 vom Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel errichteten estnisch-apostolischen Kirche, die vom Moskauer Patriarchat nicht anerkannt wird.
Bischof Hilarion machte auch seine Präsenz bei einer für Herbst dieses Jahres anberaumten Vorbereitungssitzung für die nächste Tagung der Dialogkommission von der Klärung dieser Frage abhängig. Einen wichtigen Beitrag dazu erhofft sich Hilarion von einem für Oktober vorgesehenen Treffen zwischen Patriarch Aleksij II. und dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. Das Treffen wurde im Rahmen der Feierlichkeiten zum 1.020-Jahr-Jubiläum der "Taufe der Kiewer Rus" im Juli in Kiew vereinbart, bei dem es zu einer Begegnung der beiden Patriarchen kam.
Primatsfrage im Zentrum
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| Patriarch Aleksij II. |
Darüberhinaus gebe es auch bei der Frage der Anerkennung der Konzilien sowie bei der Christologie weiteren Diskussionsbedarf. Wörtlich meinte der Wiener russische Bischof: "In allen zentralen dogmatischen wie moralischen Fragen gibt es jedoch wesentlich größere Gemeinsamkeiten als Trennendes".