"Alternativgipfel" in Wien eröffnet - Kirche aktiv beteiligt
Wien, 10.5.06 (KAP) Mit einer Pressekonferenz hat am Mittwochvormittag der alternative Lateinamerikagipfel "Enlazando Alternativas (Alternativen verknüpfen) im Kongresshaus am Wiener Margaretengürtel begonnen. Bis Samstag treffen Hunderte Vertreter von sozialen Bewegungen, Gewerkschaften, kirchlichen Gruppen, Menschenrechtsbewegungen und Umweltschutzgruppen zusammen, um "Antworten auf die neoliberale Globalisierung zu geben", wie Leo Gabriel vom österreichischen Organisationskomitee betonte. Carlos Aguilar von "Encuentro Popular" aus Costa Rica plädierte für eine Kontinente übergreifende soziale Allianz.
In einem "Tribunal der Völker" sollen etwa 30 transatlantische Konzerne auf die "Anklagebank" kommen, die "besonders in den vergangenen 15 Jahren die Ressourcen der Staaten Lateinamerikas ausgebeutet haben", kündigte Brid Brennan vom "Transnational Institut" aus den Niederlanden an. Sie hegt die Hoffnung, dass in den kommenden drei Tagen neue Visionen und konkrete Umsetzungen der Zusammenarbeit zwischen Lateinamerika und Europa erarbeitet werden können.
Der deutsche Politologe Prof. Elmar Altvater von der Freien Universität Berlin erklärte, das Tribunal wolle Übergriffe transnationaler Konzerne auf die Rechte indigener Völker und Verletzungen von Arbeiterrechten aufzeigen, ebenso generelle Menschenrechtsverletzungen sowie ökonomische und ökologische Ungerechtigkeiten. "Wir wollen denen eine Stimme geben, die sonst keine Stimme haben", so Altvater wörtlich.
Joao Pedro Stedile, Vertreter der brasilianischen Landlosen-Bewegung (MST), fand besonders deutliche Worte. Dem neoliberalen Wirtschaftssystem sei es in wenigen Jahren gelungen, das lateinamerikanische Volk auszubeuten. An die Europäer appellierte er, "aufzuwachen", die "Regierungen der Rechten abzuwählen" und sich gemeinsam mit Lateinamerika gegen den Kapitalismus zu stellen. In die gleiche Richtung plädierte auch Jorge Coronado vom Foro Mesoamericano aus Costa Rica, der zudem jeder Form von Freihandelsabkommen zwischen lateinamerikanischen Staaten und den USA oder Europa eine Absage erteilte. Jedes solche Abkommen sei letztlich gegen Demokratie und Menschenrechte gerichtet, meinte Coronado.