"Wollen wir überhaupt unendlich leben?"
Der Genetiker Markus Hengstschläger sagt, die Gesellschaft erlebe derzeit einen "revolutionären Paradigmenwechsel" im Blick auf die Ausdehnung der Lebenszeit. Die gesellschaftlichen Folgen seien jedoch noch nicht ausreichend im Blick
Von der Frage des medizinischen und wissenschaftlichen Fortschritts abgesehen müsse man sich darüber hinaus auch der Frage stellen, "ob der Mensch überhaupt unendlich leben will". Hengstschläger beantwortet diese Frage mit 'Nein': "Wir wollen meines Erachtens nicht unendlich leben, weil vieles von dem, was den Menschen zum Menschen macht, sich seiner körperlichen Endlichkeit verdankt". Soziale Verhaltensweisen wie etwa Versprechen werden im Licht der Idee unendlichen Lebens letztlich "sinnlos", so Hengstschläger, da man "ein Versprechen ja dann nicht einlösen müsste und es trotzdem nicht brechen würde". Auch die Erfahrung von Zeit als Lebenszeit und Spanne gehe letztlich auf das Wissen des Menschen um seine eigene Sterblichkeit zurück. Damit berühre man Fragen der Moral, so Hengstschläger, die in seinem Buch begleitend diskutiert werden.
Gefragt nach seiner eigenen Wunschvorstellung im Blick auf die eigene Lebenserwartung sagte der Genetiker, er wünsche sich ein "erfülltes Leben in allen Phasen, die das Leben umfasst und die derzeit dem Horizont der männlichen Lebenserwartung entsprechen".
Das Buch "Endlich unendlich. Und wie alt wollen Sie werden?" ist im Ecowin-Verlag erschienen. O-Töne vom Gespräch mit Prof. Hengstschläger können unter www.katholisch.at/o-toene abgerufen werden.