Graz: Ausstellung "frau.macht.kirche" in Diözesanmuseum
Graz, 9.5.06 (KAP) "frau.macht.kirche" lautet der Titel der diesjährigen Sonderausstellung des Diözesanmuseums in Graz. Die Schau von von 10. Mai bis 15. Oktober 2006 sei als mutiger Versuch zu verstehen, "sich einem konfliktgeladenem Thema zu nähern und verschiedene Sichtweisen aufzuzeigen", kündigte die Museumsleitung an. So solle es u.a. darum, gehen, wie mächtig oder ohnmächtig Frauen im kirchlichen Gefüge sind, wie Idealvorstellungen der Kirche und die Realität der Frauen übereinstimmen und wie es generell mit der Beziehung zwischen Frau und Kirche steht.
Beginnend bei der "sündigen Eva", der "kämpferischen Judith", Maria als Mutter sowie der "Büßerin" Maria Magdalena als markanten biblischen Frauenpersönlichkeiten spannt sich der Bogen hin zu den Wirkungsbereichen der Frau in der Gegenwart. Anhand von Kunstwerken, Urkunden, Film- und Textdokumenten zeigt das Diözesanmuseum, dass die Kirche wesentlich von Frauen mitgestaltet wird und wurde, aber auch, "wo Frauen in der Kirche auf ihre Grenzen stoßen".
Museumsdirektor Heimo Kaindl sagte bei einer Präsentation am Dienstag, es handle sich um eine Ausstellung zu einem Thema, bei dem man sich "nicht nur die Finger, sondern gleich beide Hände verbrennen kann". Die eine Hand sei die Kirche, die andere Hand die Frauen. Denn bemühe sich die Schau, die Frau so darzustellen, dass beide Seiten einverstanden seien, so Kaindl.
1906 wurden in der Steiermark bestehende kirchliche Frauenvereine zu einer diözesanweiten Frauenorganisation zusammengeschlossen. Das 100-jährige Bestehen ist jetzt Anlass zur kulturhistorischen Darstellung durch das Diözesanmuseum. Ein Bereich zeigt, was Frauen heute in der Kirche alles können und dürfen, erklärte die Grazer Kirchenhistorikerin Prof. Michaela Sohn-Kronthaler.
Das älteste Kloster in der Steiermark ist ein Frauenkloster und wurde um das Jahr 1000 in Göß gegründet. Die wichtigsten Frauenorden der Steiermark sind in der Schau beschrieben. Neben einem Äbtissinnenstab kann der Besucher ein Fresken-Abbild einer Dreifaltigkeitsdarstellung aus dem 12. Jahrhundert mit dem Heiligen Geist als Frau besichtigen und eine nachgebaute Version jener Inklusinenzellen besuchen, in denen sich Einsiedlerinnen einmauern ließen.
Auch die Lebensgeschichte steirischer Frauen, die entweder über Macht in der Kirche verfügten bzw. deren Macht ausgeliefert waren, kann man im Museum verfolgen. Vorgestellt werden u.a. die erste Äbtissin von Göß, Kunigunde, und die als Hexe hingerichtete Katharina Paldauf von der oststeirischen Riegersburg.
Dargestellt wird auch die jüngere Geschichte der Katholischen Frauenbewegung in Österreich. Ein Film mit Statements von verschiedenen Persönlichkeiten der Kirche soll einen Ausblick in die Zukunft geben.
Die Sonderausstellung "frau.macht.kirche" im Diözesanmuseum Graz ist von 10. Mai bis 15. Oktober zugänglich. Die Öffnungszeiten sind Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr, Donnerstag bis 19 Uhr. (Informationen: http://graz-seckau.at/content/dioezesanmuseum).