Küberl: Mit "Fairtrade"-Produkten Armut bekämpfen
Caritas-Präsident zur Eröffnung der "Fairtrade"-Wochen in Supermärkten: Konsumverhalten jedes einzelnen ist wichtige Ergänzung einer Gerechtigkeit schaffenden Politik - Umsatz mit "Fairtrade"-Produkten stieg im Vorjahr um 62 Prozent
Wien, 10.5.06 (KAP) Mit dem Kauf von "Fairtrade"-Produkten können Konsumenten Beiträge zur Armutsbekämpfung leisten, die "nicht zu unterschätzen" sind und eine wichtige Ergänzung zu notwendigen politischen Weichenstellungen für mehr Gerechtigkeit darstellen: Darauf wies Caritas-Präsident Franz Küberl am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Wien hin, mit der die "Fairtrade"-Wochen im Lebensmittelhandel eröffnet wurden. In den letzten Jahren sei es gelungen, fair gehandelte Waren über die Regale "in den Herzen der Österreicher einzunisten" und z.B. Lebensmittel mit dem "Fairtrade"-Gütesiegel zu mehr als nur einem "Nischenprodukt" zu machen. Und die Konsumenten hätten damit einen doppelten Einkaufsgenuss, betonte Küberl: Zur hohen Qualität der Waren komme der Bonus, einen Beitrag für mehr Gerechtigkeit zu leisten. "Faire Globalität schmeckt am besten", so der Caritas-Chef wörtlich.
Neben Küberl nahmen auch Staatssekretär Hans Winkler, "Fairtrade"-Geschäftsführer Georg Gruber und Raiffeisenlandesbank-Chef Peter Püspök als Gastgeber an der Pressekonferenz im Wiener Loos-Haus teil. Unter dem Motto "Alles fair macht der Mai" werden bis 9. Juni in österreichischen Supermärkten und Weltläden "Fairtrade"-Wochen durchgeführt, die den Marktanteil dieses Segments weiter steigern sollen. 2005 konnte der Umsatz mit "Fairtrade"-Produkten um 62 Prozent auf insgesamt 25,6 Millionen Euro gesteigert werden.
Caritas-Präsident Küberl wies auf die Kluft zwischen "unermesslichem" Reichtum und Verschwendung einerseits und der übergroßen Armut in vielen Teilen der Welt andererseits hin. Ein Viertel des Wiener Mülls bestehe aus noch verwendbaren Lebensmitteln, zugleich würden 850 Millionen Menschen hungern. Küberl forderte mehr Balance zwischen den Besitztümern der Reichen und den Lebensbedürfnissen der Armen ein, ein einklagbarer globaler Ordnungsrahmen mit sozialen und ökologischen Mindeststandards sollte den Welthandel gerechter machen. Ohne die Bereitschaft zum Teilen werde es nicht gehen, denn alle Hochkulturen der Geschichte, die ihren Reichtum für sich behalten wollten, seien zu Grunde gegangen. "Fairtrade" ist nach den Worten Küberls ein wichtiger Anstoß für eine gerechtere Verteilung von Gütern und Lebens-Chancen.
Zum EU-Lateinamerika-Gipfel am 11. und 12. Mai in Wien erinnerte der Caritas-Präsident an die Aussage von Papst Benedikt XVI., wonach das Eintreten für Gerechtigkeit die "vornehmste Aufgabe" der politisch Verantwortlichen sei. Außenamts-Staatssekretär Winkler kündigte an, dass bei dem Treffen der Staats- und Regierungschefs der EU und der Staaten Lateinamerikas und der Karibik wie auch schon bei anderen Konferenzen in der Wiener Hofburg "Fairtrade"-Kaffee gereicht werde. Das Außenministerium unterstütze "Fairtrade" seit nunmehr zehn Jahren und habe dafür insgesamt 1,8 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Fairer Handel ist laut Winkler ein besonders erfolgreiches Beispiel für wirkungsvolle Entwicklungszusammenarbeit (EZA). EZA bilde auch einen Schwerpunkt der Ratspräsidentschaft Österreichs in der EU, die weltweit führend in diesem Bereich sei - nicht nur in Bezug auf die Höhe der dafür ausgeschütteten Mittel, sondern auch durch den Anspruch auf Hilfe zur Selbsthilfe. Und bei "Fairtrade" werde dieser Anspruch besonders wirkungsvoll umgesetzt, betonte Winkler.
"Fairtrade" liegt im Trend
"Fairtrade" liegt europaweit im Trend - und ganz besonders in Österreich, freute sich Geschäftsführer Gruber. Sowohl das etablierte Produktangebot im Bereich Kaffee, Bananen und Schokolade als auch neue "Fairtrade"-Produkte wie die seit Herbst im Supermarkt angebotenen Rosen "erfreuen sich enormer Beliebtheit". Ethische Kriterien beim Einkauf verfestigten sich immer mehr zum "Mega-Trend". Gruber rechnet mit einem ähnlichen Effekt wie bei der Einführung von Bio-Produkten in den 80er Jahren, die ebenfalls den Weg aus der "Nische" hin zu einem etablierten Marktsegment geschafft hätten.
Zu Beginn des EU-Lateinamerika-Gipfels starten heuer erstmals "Fairtrade"-Wochen mit entsprechenden Waren: Bananen, Kaffee, Kakao, Orangensaft und Zucker "sollen von ihrer köstlichsten Seite gezeigt werden", so Gruber. Zentral- und Südamerika gehört zu den Schwerpunkt-Regionen des fairen Handels.
Vorgestellt wurde bei der Pressekonferenz auch ein jetzt ausgestrahlter TV-Werbespot, in dem sich ein lateinamerikanisches Mädchen für den Kauf von "Fairtrade"-Produkten mit einem Lächeln bedankt. (Informationen: www.fairtrade.at)