"Österreich getränkt vom Geist des Christentums"
Der scheidende Apostolische Nuntius, Erzbischof Edmond Farhat, präsentierte im Grazer Priesterseminar sein Buch "Jesus liebt euch". Darin sind ausgewählte Reden und Predigten aus Wiener Amtszeit
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| Nuntius Edmond Farhat |
Der Inhalt seiner Predigten schöpfe aus "lebendigen Begegnungen mit den Menschen Österreichs", sagte Erzbischof Farhat. Wörtlich betonte der Nuntius: "In Österreich und besonders auch in Wien begegnen einander unterschiedliche Auffassungen und Kulturen. Gerade auch in diesem spannungsgeladenen Kontext will ich meiner Überzeugung Ausdruck verleihen: Jesus Christus liebt euch".
Die katholische Kirche erkenne "selbstverständlich" die Trennung von Staat und Kirche an, sagte Farhat. Doch ließen sich christliche Grundsätze nicht einfach in die Privatsphäre abdrängen. Vor allem im deutschsprachigen Raum gebe es eine lange und gute Tradition der Kooperation von Staat und Kirche zum Wohl des Menschen und der Gesellschaft. Es seien die Prinzipien und Werte des christlichen Glaubens, die Gesellschaft und demokratische Kultur zutiefst geprägt haben und ihnen Gestalt geben. Die Suche nach Gott sei "das Fundament aller Kultur", wie Papst Benedikt XVI. vor wenigen Tagen in Paris gesagt habe.
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Grazer Bischof Kapellari, Erzbischof Farhat, Salzburgs Erzbischof Kothgasser |
Nie zuvor war das Thema der Religion so aktuell wie im heutigen Zeitgeschehen, unterstrich der Apostolische Nuntius. Es genüge, einen Blick in die Zeitungen zu werfen. Vor wenigen Tagen habe etwa der "Corriere della Sera" formuliert: "Gott hat Einzug in die Politik gehalten".
In diesem Zusammenhang ging Farhat - der aus dem Libanon stammt - auch auf das Verhältnis zum Islam ein. Er sei für einen "konstruktiven Dialog", der "in der Freiheit der Wahrheit" Unterschiede nicht wegredet, sondern voranschreitet im gegenseitigen Respekt füreinander. Daher erlaube er sich auch in seinem Buch, einige kritische Anfragen an den Islam zu stellen. Farhat: "Wir haben Respekt vor den Personen, die glauben; aber wir nützen unsere Freiheit, um Anfragen zu richten an das Fundament des Glaubens der Muslime".
Er wolle mit seinem Bekenntnis niemand vereinnahmen, betonte der Apostolische Nuntius, "wohl aber einen Glauben kundtun, der nicht Ideologie ist, sondern zutiefst mit einer Person verbunden". Denn Jesus Christus sei nicht eine abstrakte Idee, er sei vielmehr der menschgewordene Gott. Deshalb appelliere er auch an alle Christen: "Wo immer ihr steht, gebt Zeugnis und seid stolz auf den Glauben, denn er gründet in der Dynamik der Person Jesu Christi".
Eingangs hatte Bischof Kapellari daran erinnert, dass Edmond Farhat in seiner kirchlichen Laufbahn - seit seiner Priesterweihe in Paris im Jahr 1959 - immer auf vielgestaltige Weise auch Seelsorger war. Die Stimme des Seelsorgers komme auch im Titel des Buches zum Ausdruck. Kapellari kündigte an, dass etliche österreichische Bischöfe "in nicht ferner Zeit" der Einladung des Nuntius in sein Heimatland, den Libanon, entsprechen werden.
Am Ende des "schönen und weisen Buches" stehe eine Homilie, die Erzbischof Farhat - damals noch Apostolischer Nuntius in der Türkei - am 10. April 2005 in Ankara im Gedenken an den damals eben verstorbenen Papst Johannes Paul II. gesprochen hatte. Kapellari: "Im Fragment dieses Textes spiegelte sich viel vom Ganzen Ihres Wirkens als besonders profilierter Apostolischer Nuntius. Ein solcher Nuntius muss ein frommer spiritueller Priester sein, aber auch ein Mann mit hoher Sensibilität für Politik und Kultur".
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| Superior Pater Karl Schauer |
P. Schauer berichtete, dass ihm der Wiener griechisch-orthodoxe Metropolit Michael Staikos schon einige Wochen vor dem Amtsantritt Farhats gesagt habe, der neue Nuntius werde den Katholiken in Österreich viel Freude bereiten. Abschließend sagte der Mariazeller Superior zu Erzbischof Farhat: "Bleiben Sie für uns immer ein guter Nuntius".
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| Grazer Priesterseminar |
An dem Festakt im Grazer Priesterseminar nahmen zahlreiche Vertreter des kirchlichen, politischen und diplomatischen Lebens teil, unter ihnen der Salzburger Erzbischof Alois Kothgasser, der St. Pöltner Diözesanbischof Klaus Küng, die Weihbischöfe Franz Scharl (Wien) und Franz Lackner (Graz), der Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich, Altbischof Herwig Sturm, der steirische Landeshauptmann Franz Voves und Landeshauptmannstellvertreter Hermann Schützenhöfer. Aus Slowenien, wo Erzbischof Farhat ebenfalls als Nuntius gewirkt hatte, waren Erzbischof Franc Kramberger (Maribor) und Diözesanbischof Anton Stres (Celje) anwesend.