Wien: Gedenken an mutiges Rosenkranzfest vor 70 Jahren
Am 7. Oktober 1938 versammelten sich 7.000 Jugendliche im Stephansdom. Es war die größte Manifestation des geistigen Widerstands gegen den Nationalsozialismus. Jugend lädt zu Feier
| Image (img2) invalid or missing |
Kardinal Schönborn vor jenem Bild, das noch heute die Einstiche der "Hitler-Jugend" zeigt |
Maresi Böhm, Vorsitzende der Katholischen Jugend der Erzdiözese Wien, betonte bei der Präsentation der Gedenkveranstaltung am Donnerstag in Wien deren zentrale Bedeutung: "Nur wenn man sich mit der Vergangenheit beschäftigt und sie nicht vergisst, kann man wachsam in die Zukunft gehen". Auch heute gelte es wachsam zu sein gegenüber allen Formen von Extremismus, Ausbeutung und Manipulation, waren sich Böhm und der Landessenior des Wiener Stadtverbandes des Mittelschüler-Kartellverbandes, Philipp Sandpeck, einig.
Auch der Wiener Jugendseelsorger Gregor Jansen wollte die Feier als ein "Zeichen der
Image (img3) invalid or missing |
Kardinal Theodor Innitzer |
Besondere Messfeier
Mit Kardinal Schönborn werden Weihbischof Franz Scharl, Generalvikar Franz Schuster sowie Jugendseelsorger und Seelsorger der katholischen Studentenverbände beim Gottesdienst konzelebrieren. Die Messfeier wird dabei drei besondere Merkmale aufweisen: Zum einen wird Kardinal Schönborn,wie Theodor Innitzer vor 70 Jahren, von der Domkanzel aus predigen. Im Anschluss daran werden dann die Fürbitten vor der "Dienstbotenmadonna" im rechten Seitenschiff gesprochen. Die Gestaltung dieses Elements werden Jugendliche gemeinsam mit Zeitzeugen des Gottesdienstes von 1938 übernehmen. Schließlich wird als Schlusslied "Auf zum Schwure, Volk und Land" erklingen, das die Jugendlichen 1938 vor dem Erzbischöflichen Palais auf dem Stephansplatz sangen. Mit dem Lied wurde damals und soll auch heute die Treue zu Christus und zur Kirche zum Ausdruck kommen.
Kundgebung und Ausstellung
Image (img4) invalid or missing |
| Wiener Stephansdom |
Im Vorfeld der Gedenkveranstaltung wird Dompfarrer Toni Faber am 7.
| Image (img5) invalid or missing |
KJ: mit der Vergangenheit beschäftigen |
"Euer Führer ist Christus"
7.000 junge Menschen hörten beim Rosenkranzfest am 7. Oktober 1938 die Predigt Kardinal Innitzers, die von der Enttäuschung über das Verhalten der Nationalsozialisten geprägt war. Seine
Image (img6) invalid or missing |
Cartellverband lädt zur Gedenkfeier |
Die Jugendlichen versammelten sich nach der Andacht spontan vor dem Erzbischöflichen Palais, um nachdrücklich ihre Solidarität mit Kirche und Kardinal zu bekunden. Tausende ließen Innitzer hochleben. Sprechchöre mit Rufen wie "Wir wollen unseren Bischof sehen!" wurden angestimmt - eine "Provokation" in den Augen der NSDAP-Funktionäre, die natürlich die Anspielung auf die Hitler-Parolen merkte.
Gestapoleute verhafteten von dieser Kundgebung weg Jugendliche, einige kamen später sogar ins KZ. Am folgenden Tag, dem 8. Oktober, schlug das Regime dann mit voller Härte zurück. "Spontan", tatsächlich aber gut organisiert, stürmte die "Hitler-Jugend" (HJ) das Erzbischöfliche Palais und das Curhaus am Stephansplatz 3. Kardinal Innitzer konnte im letzten Moment in Sicherheit gebracht werden, das Palais wurde verwüstet. Im Curhaus fiel der HJ der Domkurat Johannes Krawarik in die Hände. Er wurde aus dem Fenster geworfen und schwer verletzt. Die Polizei sah dem Treiben der HJ untätig zu.
"Mahnung und Verpflichtung"
Kardinal Schönborn schreibt im Geleitwort zum Feierheft für den kommenden 7. Oktober, dass die Ereignisse von 1938 auch heute noch zu denken geben. Seien es doch vor allem unzählige junge
Image (img7) invalid or missing |
Domkurat Johannes Krawarik |
Die Erinnerung an die Ereignisse im Oktober 1938 solle Mahnung und Verpflichtung sein, "in unserem Herzen immer wachsam zu bleiben, um immer allen Anfängen zu wehren", so Schönborn. Auch heute gebe es selbsternannte Führer mit ihren "scheinbar schlüssigen, einleuchtenden Ideologien", warnt der Kardinal.
Linktipps:
< Österreichischer Cartellverband
< Mittelschüler-Kartellverband