Weltbischofssynode: Vorschlag für Welt-Bibelkongress
Mehrere Bischöfe forderten bei der Versammlung in Rom eine bessere Predigtkultur in der katholischen Kirche ein. Priester sollten im Predigen besser ausgebildet werden
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Die Heilige Schrift steht im Zentrum der Weltbischofssynode |
Mehrere Bischöfe haben bei der Weltbischofssynode eine bessere Predigtkultur in der katholischen Kirche eingefordert. Priester müssten stärker in der "ars predicandi", der Kunst des Predigens, ausgebildet werden, mahnte am Dienstag der Erzbischof von Canberra, Mark Benedict Coleridge. Zugleich hätten die Geistlichen dem Schwund von religiösem Wissen auch unter Kirchgängern Rechnung zu tragen. Da Glaubensinhalte nicht mehr allgemein bekannt seien, müssten Predigten eher "missionarisch" als "moralisch" angelegt sein, so Coleridge. Der Erzbischof von Canberra regte in seinem Statement auch einen Leitfaden für Predigten an, der für die Gesamtkirche erarbeitet werden solle.
Wie Coleridge verlangten auch andere Bischöfe mehr Aufmerksamkeit für die Predigt im Gottesdienst. Der Bischof von Tucson im US-Bundesstaat Arizona, Gerald Frederick Kicanas, beklagte, die Ansprachen der Geistlichen drohten oft formal zu werden und die Gläubigen im Leeren zu lassen. Er schlug vor, ein katholisches "Jahr der Predigt" auszurufen, das diese Form der Verkündigung besonders in den Mittelpunkt stellen solle.
Mit einem drastischem Beispiel warnte Kicanas vor "tödlich langweiligen" Predigten. Er erinnerte an eine Episode aus dem Neuen Testament. Demnach schlief ein junger Mann während einer Predigt des Apostels Paulus ein, fiel von seinem Sitzplatz auf einer Fensterbank und stürzte zu Tode. Laut biblischer Erzählung wurde er darauf von Paulus wieder zum Leben erweckt. Zumindest diese letztere Fähigkeit beherrschten heutige Prediger nicht mehr, so Kicanas.
"Synode wird konkrete Ergebnisse bringen"
Die Weltbischofssynode wird konkrete Ergebnisse für Kirche und Gesellschaft bringen. Das hofft der Salesianerpater Markus Graulich, Pressesprecher der Synode für den deutschsprachigen Raum. Schon am ersten Tag habe es interessante Vorschläge von Bischöfen aus verschiedenen
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Weihbischof Leichtfried vertritt die Bischofskonferenz |
Die Stellungnahmen seien sehr unterschiedlich gewesen, sagte P. Graulich im Gespräch mit "Radio Vatikan". In Afrika gebe es eben Probleme vor dem Hintergrund der Naturreligionen, in Europa und Amerika sei der Säkularismus eine große Herausforderung. Immer gehe es aber darum, die Botschaft der Bibel zu vermitteln.
Einige Vorschläge seien sehr konkret, betonte P. Graulich. So sei zum Beispiel ein Direktorium für die Predigt vorgeschlagen worden. Ebenso hätten Bischöfe Massnahmen für ein wahrhaft katholisches Verständnis der Bibel unterbreitet, um den Fundamentalismus zu verhindern.
Der Papst sei ein "äußerst aufmerksamer Zuhörer", so der Pressesprecher. Er habe ja bisher nur die einleitende Meditation gehalten. Ob er sich dann bei den freien Beiträgen zu Wort meldet, sei abzuwarten. "Die Bischöfe fühlen sich ernst genommen von seiner Art, anwesend zu sein", betonte P. Graulich.
Der deutsche Bibelwissenschafter Prof. Thomas Söding (Wuppertal), Mitglied der Internationalen Theologenkommission und zum zweiten Mal eingeladener "Experte" der Synode, sagte im Gespräch mit "Radio Vatikan", es sei bereits in den Wortmeldungen der ersten Tage klar ausgesprochen worden, dass in der katholischen Kirche kein Missbrauch der Heiligen Schrift als Zitaten-Steinbruch gewünscht wird und dass sich die Bischöfe von fundamentalistischen Gruppen inner- und außerhalb der Kirche distanzieren. Die Bischofsversammlung biete "Weltkirche im Kleinen". So unterschiedlich
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Prof. Thomas Söding |
Eine "Religion des Wortes"
Das Christentum ist nach Worten des italienischen Kurienerzbischofs Salvatore Fisichella keine "Religion des Buches" wie das Judentum oder der Islam, sondern eine "Religion des Wortes". Es habe sein Zentrum in Christus als dem menschgewordenen Wort Gottes. Notwendig sei daher eine christliche Kultur, die die Heilige Schrift als ein "lebendiges Wort" versteht. Man dürfe das Wort Gottes nicht ausschließlich auf einen geschriebenen Text reduzieren, als habe es nicht mehr die provozierende Kraft, dem Leben Sinn zu geben.
Am Mittwoch kamen die 253 Bischöfe sowie Experten, "Auditoren" und ökumenischen Gäste erstmals in Sprachgruppen zusammen. Neben je drei französisch-, englisch-, und spanischsprachigen Gruppen bildeten sich auch zwei italienische und ein deutscher Zirkel. Wie bereits bei der Synode 2005 kam auch diesmal keine Gruppe zustande, die in der Kirchensprache Latein diskutieren wollte.
"Biblia Polyglotta" für alle Teilnehmer
Am Dienstag war bei der Bischofssynode auch die neue "Biblia Polyglotta" der "American Bible Society" (Abs) dem Papst präsentiert worden. Kardinal Peter K. Appiah Turkson, Erzbischof von Cape Coast in der westafrikanischen Republik Ghana, sagte vor den Journalisten, dass diese Bibelausgabe derzeit nur in einer Auflage von 1.000 Stück gedruckt wurde. Die "Biblia Polyglotta"
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Die neue "Biblia Polyglotta" wurde dem Papst präsentiert |
Die "Biblia Polyglotta" bedeute den Auftakt einer neuen Beziehung zwischen der US-amerikanischen Bibelgesellschaft und dem Heiligen Stuhl. Die Bibelausgabe wurde eigens aus Anlass der Bischofssynode herausgebracht. Papst Benedikt XVI. wird jedem Teilnehmer der Synode und allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ein Exemplar schenken. Das für den Papst bestimmte Exemplar enthält Titelüberschriften in Gold und Silber.
Linktipp:
< Weltbischofssynode auf der offiziellen Website des Vatikans