"Tag des Bleiberechts": Kirchen fordern mehr Humanität
Der 10. Oktober wurde von Nichtregierungsorganisationen zum "Tag des Bleiberechts" erklärt. Caritas-Präsident Küberl kritisierte Fehlen einer fairen, rechtsstaatlichen "Bleiberechtsregelung"
> Impressionen vom "Tag des Bleiberechts" in Wien
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Franz Küberl Caritas Präsident |
Der Caritas-Chef illustrierte dies am Fall der seit fast zehn Jahren in Österreich lebenden und bestens integrierten Familie L. aus Albanien. Anfang 1999 habe die aus einem Elternpaar und zwei Söhnen bestehende Familie einen Asylantrag gestellt, das Verfahren sei erst nach knapp sechs Jahren rechtskräftig negativ abgeschlossen worden. Gegen die Ausweisung erhob die Familie Berufung, eine Beschwerde beim Verwaltungsgerichtshof hatte bis dato aufschiebende Wirkung. "Die Familie hofft nach wie vor auf die Erteilung eines humanitären Aufenthaltstitels", so Küberl.
Frau L. sei seit 2001 durchgehend beschäftigt, für ihren Mann stellten mehrere Firmen Anträge auf Beschäftigungsbewilligung, die jedoch von den Behörden abgelehnt wurden. Ein Sohn besucht die Maturaklasse eines Grazer Gymnasiums, der andere ist Schüler einer sechsten AHS-Klasse und spielt Fußball in der steirischen Landesliga. Gerade die beiden Jugendlichen - die ausschließlich
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Nur ein Fall von vielen
"Wir wissen, dass der Fall der Familie L. einer von vielen ist", sagte Küberl, obwohl das Innenministerium nur Angaben über die Zahl der anhängigen Asylverfahren mache, aber nicht über deren Dauer. Die "unerträglich langen Verfahren" im Asylbereich sind aus Sicht der Caritas Teil des Problems. Denn, so Küberl: "Man kann nicht von Menschen verlangen, dass sie sich in Österreich integrieren, sie dann aus Kapazitätsmangel in eine Endlos-Warteschleife schubsen und dann nach Jahren ins Nichts abschieben". Bei den in der Vergangenheit bekanntgewordenen Fällen wie jenem der Familie Zogaj sei genau das der Fall. "Ein solches Vorgehen widerspricht den Menschenrechten", kritisierte der Caritas-Präsident.
Katholische Aktion: "Eines Rechtsstaats unwürdig"
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Luitgard Derschmidt KA-Präsidentin |
Als "eines Rechtsstaats unwürdig" bezeichnete Derschmidt Versuche, noch während laufender Verfahren Abschiebungen durchzuführen. Rechtssicherheit und geregelte Verfahren seien grundlegende Standards nicht nur aus juristischer, sondern auch aus humanitärer Sicht. "Menschenrechte müssen für alle Gültigkeit haben, egal welchen Status sie inne haben," so die KAÖ-Präsidentin.
"Niederträchtig" seien Versuche, unter dem Vorwand der sozialen Sicherheit für österreichische Staatsbürger Stimmung gegen Asylwerber und Migranten zu machen und sie so als Sündenböcke hinzustellen. Insbesondere verwahrte sich Derschmidt gegen eine Diktion, die sie an den Nationalsozialismus erinnere, wo Menschen in Lagern "konzentriert" wurden.
Gerade Christen dürften dort, wo die Würde des Menschen in Frage gestellt wird, weder wegsehen noch schweigen, so die KAÖ-Präsidentin.
Zumindest für Asylwerber, die sich fünf Jahre und länger in Österreich aufhalten und sich gut integriert haben, forderte Küberl ein Bleiberecht. Auch der Verfassungsgerichtshof habe der Bundesregierung im Juni aufgetragen, das bestehende Gesetz bis spätestens März 2009 zu reparieren. Die endgültige Entscheidung, ob jemand bleiben darf, soll laut Küberl vom Innenministerium zu den Landeshauptleuten wandern, da diese mehr Basisbezug hätten.
Recht auf Privat- und Familienleben
In gleicher Weise äußerte sich auch Margit Hauft, Präsidentin der Katholischen Aktion der Diözese Linz. Es sei höchst an der Zeit, auf politischer Ebene dafür zu sorgen, dass Aufenthaltsgenehmigungen künftig nach nachvollziehbaren, menschenrechtskonformen Kriterien gewährt werden, so Hauft.
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Margit Hauft KA-Präsidentin OÖ |
In ihrer Funktion als Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung Österreichs (kfbö) hob Hauft das Recht auf Privat- und Familienleben hervor: "Wer sich zu einer Politik bekennt, die Familien besonders unterstützen will, darf ausländische Familien nicht trennen, da der Wert der Familie nicht von der Staatsbürgerschaft abhängt". Eine Politik, die Menschenrechte verachtet, indem sie Familien auseinander reißt und Kinder abschiebt, sei strikt abzulehnen, so die kfbö-Vorsitzende.
"Sesselmeer" als "Zeichen für Menschlichkeit"
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Michael Bünker Evangelischer Bischof |
Im Gespräch mit "Kathpress" verlangte er von der Politik einen Kurswechsel. Im Zusammenhang mit dem Bleiberecht brauche es "Recht statt Gnade" für Langzeit-Asylwerber, forderte der evangelische Bischof. Es gehe nicht um ein "wahlloses Tür-Aufmachen", sondern um ein "sehr geordnetes Verfahren", das Rechtssicherheit herstellen würde. Nach einer bestimmten Zeit - Bünker nannte einen Zeitraum von drei Jahren - sollen Betroffene einen Antrag auf Bleiberecht stellen können, der dann nach klaren Kriterien zu prüfen sei.
Zu dem "Sesselmeer" vor dem Bundeskanzleramt erschienen auch etliche Privatpersonen mit Sitzgelegenheiten, die auf dem Ballhausplatz aufgestellt wurden. Bischof Bünker selbst hatte eine Kirchenbank aus einer evangelischen Kirche in Floridsdorf mitgebracht. "Auf einer Kirchenbank ist immer Platz für Menschlichkeit und für Menschen, die Hilfe brauchen", erklärte er.
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