Österreichs Militärseelsorger feierten Doppeljubiläum
Wien, 11.5.06 (KAP) Mit einem Studientag und einem Festakt im "Jakob-Kern-Haus" im Wien-Hietzing hat die katholische Militärseelsorge in Österreich zwei Jubiläen gefeiert: 50 Jahre Militärseelsorge und 20 Jahre Apostolische Konstitution "Spirituali Militum Curae". Johannes Paul II. hatte durch diese Konstitution vom 21. April 1986 die Militärseelsorge kirchenrechtlich neu geordnet. Bis dahin lagen die vollen bischöflichen Rechte für die Militärseelsorge beim Papst, der für die Militärseelsorge verantwortliche Bischof war "Vikar" des Papstes für diesen Bereich tätig. Mit der Neuregelung konnten Militärbischöfe ernannt werden, die in ihren Rechten einem Diözesanbischof gleichgestellt sind.
Bei der Jubiläumsfeier würdigte Generalmajor Günter Höfler, Kommandant der Streitkräfte, den Einsatz der Militärseelsorge für die Soldaten in ihrer besonderen Situation, vor allem im Auslandseinsatz, und bei der Betreuung ihrer Familien. Militärbischof Christian Werner unterstrich die Bedeutung der Persönlichkeits- und Gewissensbildung gerade in einer Zeit zunehmender Professionalisierung der Streitkräfte.
Beim Studientag zum Thema "Pro Pace et Iustitia" ("Für Frieden und Gerechtigkeit") hatte zuvor der emeritierte Grazer Kirchenrechtler Prof. Hugo Schwendenwein einen Überblick über die Neugründung der Militärseelsorge im Jahr 1956 vor dem Hintergrund der Jahrhunderte zurückreichenden Geschichte der Militärseelsorge in Österreich gegeben. Heute machten die spezifischen Lebensumstände der Soldaten und vor allem die zahlreichen Auslandseinsätze eine eigenständige rechtliche Organisation der Militärseelsorge besonders notwendig. "Spirituali Militum Curae" habe diesen Herausforderungen Rechnung getragen.
Msgr. Werner Freistetter, Bischofsvikar und Leiter des Instituts für Religion und Frieden, sagte in seinem Referat, das Streben nach Gütern und Macht gelte in der philosophischen Tradition als eine der Wurzeln zwischenmenschlicher Gewalt. Die soziale Liebe in Familie und Freundschaft und die Verbundenheit in staatlicher und internationaler Gemeinschaft sei dementgegen der Kern einer dauerhaften gerechten und friedlichen Ordnung. Eine besondere Form der sozialen Liebe sei die Sorge um andere. Aus dieser tätigen Verantwortung für eine Gemeinschaft heraus könne der Einsatz militärischer Gewalt die einzig verbleibendeMöglichkeit sein, eine friedliche und gerechte Ordnung zu sichern. In diesem Sinn könne auch der Dienst des Soldaten als Form christlicher Nächstenliebe verstanden werden.
Die interimistische Leiterin des Instituts für Alttestamentliche Bibelwissenschaft an der Universität Wien, Agnethe Siquans, ging der Frage nach der Gewalt in den biblischen Texten nach. Dass die Bibel an vielen Stellen von Gewalt berichtete und manchmal sogar als legitim darstelle, liege daran, dass es in der Gesellschaft damals wie heute faktisch Gewalt gibt. Davon gingen die biblischen Texte aus und suchten im Fortgang der Geschichte des Volkes Israel immer deutlicher nach Wegen aus der Gewalt.