Stift Klosterneuburg präsentiert sich neu
Stift Klosterneuburg: "Jahrhundertprojekt" erfolgreich abgeschlossen
Abt Backovsky und Landeshauptmann Pröll präsentierten neuen Zugang und neugestaltete Bereiche im niederösterreichischen Chorherrenstift - "Open Day" bei freiem Eintritt am 6. Mai=
Wien, 4.5.06 (KAP) Abt Bernhard Backovsky und Landeshauptmann Erwin Pröll haben am Donnerstag den neuen Besucherzugang zum Stift Klosterneuburg der Presse vorgestellt. Im derzeit größten Kulturprojekt in Wien und Niederösterreich wurde der Eingangsbereich zum Stift völlig neu adaptiert. In der "Sala terrena", den Gängen und auf der Chorherrenstiege können die Besucher gleichzeitig verschiedene Bauphasen des barocken Glanzes erleben und umfassende Informationen über das Stift, seine Geschichte und Bedeutung erhalten. Auch einen Einblick in das gegenwärtige Klosterleben sieht das neue Konzept vor. Die jahrzehntelang vergessene "Sala Terrena" wurde von dem Architekten Georg Driendl zum Besucherzugang umgebaut.
Neben dem neuen Eingangsbereich wurde auch der Kreuzgang neu gestaltet, wo Schätze des Mittelalters - vor allem aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts - präsentiert werden. Höhepunkt der Mittelalter-Ausstellung ist der Verduner Alter, das größte Kunstwerk des Stifts. Der Altar wird ab sofort in einem eigenen Medienraum erklärt, bevor die Besucher das kostbare Kunstwerk selbst sehen können.
Abt Backovsky sprach von einem "Jahrhundertprojekt", für das das Stift erhebliche Anstrengungen auf sich genommen habe. Man wolle sich damit bewusst öffnen und auf die Besucher zugehen. Das Konzept sehe kein Museum, sondern ein lebendiges Stift vor, wo geistliches Leben der Chorherren, kulturelle Kostbarkeiten und kulinarische Köstlichkeiten miteinander harmonieren.
Landeshauptmann Pröll würdigte das mutige und zukunftweisende Projekt und sagte dem Stift die Unterstützung des Landes Niederösterreich zu. Klosterneuburg sei ein wichtiges Identifikationssymbol für Niederösterreich und werde dies auch in Zukunft bleiben.
Vielfältiges Angebot
In den vergangenen Monaten wurden auch in der größten wissenschaftlichen Grabung seit mehr als 50 Jahren die Grundmauern der "Capella Speciosa" freigelegt. Dabei handelt es sich um die Hauskapelle des vorletzten Babenbergerherzogs Leopold VI. Die Überreste der Kapelle sind als zusätzliche Besucherattraktion zu besichtigen. Eine Computeranimation vermittelt den Besuchern ein deutliches Bild der früheren Kapelle.
Laut Experten handelt es sich bei der Kapelle von Erzherzog Leopold VI. um den ersten gotischen Bau Österreichs. Die "Capella Speciosa" wird von Kunsthistorikern zu den bedeutendsten Schöpfungen der Gotik gezählt. Nach dem 1787 von Kaiser Joseph II. verordneten und 1799 durchgeführten Abbruch wurden das Kapellenportal und die Säulenkapitelle nach Laxenburg gebracht und dort in die Franzensburg eingebaut; die Grundmauern verschwanden unter dem Stiftsplatz.
Auch in die Gastronomie wurde von Seiten des Stifts investiert: So wurde das Restaurant "Schüttkasten" renoviert, direkt beim Eingangsbereich steht ab sofort das neue Cafe "Escorial" offen (der barocke Umbau von Klosterneuburg war als "österreichischer Escorial" geplant). Eine Tiefgarage für Busse und PKW soll die Anreise erleichtern. Der gesamte Besucherbereich des Stifts wurde auch behindertengerecht gestaltet.
Wie Wirtschaftsdirektor Leopold Nußbaumer sagte, beliefen sich die Kosten für die Adaptionen inklusive der Innenrenovierung der Stiftskirche auf rund 34,2 Millionen Euro. Nussbaumer sagte weiter, dass er sich durch die Neugestaltung - die auch besondere Angebote für Kinder umfasst - eine deutliche Steigerung der Besucherzahlen erhoffe, von derzeit rund 50.0000 pro Jahr auf mindestens 100.000.
Finanziell unterstützt wurde das Stift Klosterneuburg neben dem Land Niederöstereich u.a. auch von der Wiener Städtischen Versicherung und der Raiffeisenbank.
Die offizielle Eröffnung des neuen Zugangs zum Stift Klosterneuburg findet am 6. Mai um 9 Uhr statt. An diesem Tag gibt es im Stift einen "Open Day" mit freiem Eintritt.