Kothgasser: "Unsere Freiheit ist ein kostbares Gut"
Wien, 27.10.08 (KAP) Mit einem Festgottesdienst "für Heimat und Vaterland" ist am Sonntagabend im Wiener Stephansdom der österreichische Nationalfeiertag begangen worden. Der Salzburger Erzbischof Alois Kothgasser appellierte dabei an die Gläubigen und alle Bürger des Landes, mit "Geschenk der Freiheit" behutsam umzugehen. "Unsere Freiheit ist ein äußerst kostbares Gut. Der Blick rund um den Globus zeigt, wie viele Menschen nur davon träumen können, was für uns selbstverständliche Wirklichkeit geworden ist", betonte Kothgasser am Beginn des Gottesdienstes. Mit der Feier zum Nationalfeiertag, die heuer zum zweiten Mal stattfand, will die Kirche am 26. Oktober auch einen geistlichen Akzent setzen. Zum Abschluss des Gottesdienstes wurde die Pummerin geläutet.
In seiner Predigt übte der Salzburger Erzbischof Kritik an der Maßlosigkeit von Menschen, die "ständig ihre Grenzen überschreiten". Ein Ausdruck dessen sei die Finanzkrise, die ihre Ursache offenbar "in der Maßlosigkeit und Unverantwortlichkeit jener" habe, "die grenzenlos geworden sind im Begehren und im Besitzen". Es sei viel Zeit und Geld verloren gegangen, "weil wir uns selber und unsere Vorteile mehr gesucht haben, als das Wohl und das Heil der Menschen", mahnte Kothgasser.
Überhaupt müsse man sich die Frage stellen, warum die Menschen heute Grundrechte des menschlichen Daseins "mit Füßen treten". Entscheidend sei, wie die Gesellschaft mit ihren Schwächsten umgehe. "Das ist die Prüfungsfrage schlechthin für alle Verantwortlichen in Kirche und Staaten und letztlich für jeden von uns", hob der Erzbischof hervor.
"Wo Gott nicht mehr ist, ist auch der Mensch nicht mehr", zitierte Kothgasser den evangelischen Theologen Heinz Zahrnt. Wo keine Verantwortung mehr vor einem "gerechten und liebenden Gott" existiere, werde der Mensch verantwortungslos und zum "Hasser und Zerstörer" des Menschseins. Vieles hänge in Zukunft davon ab, ob die Menschheit ihre eigenen Grenzen anerkenne, sagte Erzbischof Kothgasser. Dazu brauche sie das "Maß der Liebe" aus dem Evangelium.
"Aufhören, das liebe Geld anzubeten"
Auch der St. Pöltner Diözesanbischof Klaus Küng äußerte sich am Nationalfeiertag zur aktuellen Wirtschaftskrise. Die größte Gefahr einer Wohlstandsgesellschaft sei der Egoismus, betonte er bei der traditionellen Familienwallfahrt auf den Sonntagberg. Je mehr Besitz angehäuft werde, desto großer werde auch die Habgier, so Küng: "Irgendwann muss das zusammenbrechen und dann kommt es, so wie jetzt, zur Krise."
Die Menschen würden falsche Prioritäten setzen, die wichtigsten Ziele der Gesellschaft seien offenbar Erfolg, Ansehen und Wohlstand, so der Bischof. Diese Ziele hätten auch ihre Berechtigung, allerdings müssten sie mit "dem nötigen Weitblick" und dem Blick über das eigene enge Feld hinaus verbunden sein. "Wir müssen aufhören, das 'liebe Geld' anzubeten", sagte Bischof Küng. Auch Genuss und Konsum machten auf Dauer nicht glücklich.
Abt Lashofer: Zukunft neu gestalten
Den diesjährigen Festgottesdienst zum Nationalfeiertag in der Basilika von Mariazell feierte der Abtpräses der österreichischen Benediktiner, Clemens Lashofer. Die diesjährigen Republiksjubiläen - das Ende des Ersten Weltkriegs und die Ausrufung der Ersten Republik 1918 und der Anschluss Österreichs an Hitlerdeutschland 1938 - dürften nicht nur Anlass für Erinnerung und Rückblick sein, stellte Lashofer in seiner Predigt fest. Gerade die jüngsten Entwicklungen im Finanz- und Wirtschaftsbereich forderten dazu heraus, alle Anstrengungen zu unternehmen, um "die Zukunft neu zu gestalten", sagte der Abt des Stiftes Göttweig. Hilfreich und aktuell sei dabei die Botschaft des Mitteleuropäischen Katholikentages von 2004 in Mariazell. Die mitteleuropäischen Bischöfe hatten damals die Chancen für ein wachsendes friedliches Miteinander in Europa ins Zentrum gestellt und an die Christen appelliert: "Geht mit, denkt mit, redet mit, arbeitet mit, sucht Allianzen mit allen Menschen guten Willens!"