Streit in Linz über Anbringung von Kreuzen in Kindergärten
Linz, 30.10.08 (KAP) In Linz ist zwischen ÖVP und SPÖ eine Debatte um die Anbringung von Kreuzen in den städtischen Kindergärten und Horten ausgebrochen. Die Linzer SPÖ-Vizebürgermeisterin Ingrid Holzhammer hatte bei einer Gemeinderatssitzung in der vergangenen Woche bestätigt, dass in den Kinderbetreuungseinrichtungen der Stadt Linz keine Kreuze angebracht sind. Ingrid Holzhammer begründete dies mit dem Argument, dass auch viele nichtchristliche Kinder die Einrichtungen besuchen. Allerdings sieht das oberösterreichische Kinderbetreuungsgesetz vor, dass in jedem Gruppenraum ein Kreuz anzubringen ist, "sofern die Mehrheit der Kinder in der Kinderbetreuungseinrichtung einem christlichen Religionsbekenntnis angehört".
Der Linzer ÖVP-Klubobmann Thomas Stelzer - seine Partei hatte nach Hinweisen von Eltern die Anfrage zu diesem Thema im Gemeinderat eingebracht - ist wegen der fehlenden Kreuze in vielen Kindergärten "fassungslos". 70 Prozent der Menschen in Linz würden sich zu einer christlichen Kirche bekennen, sagte er: "Diese Menschen haben ein Recht auf ihr Glaubensleben und müssen vor weiteren politischen Angriffen geschützt werden".
"Nachdem wir das Religionsbekenntnis der Kinder nicht erheben, wissen wir gar nicht, ob die Mehrheit christlich ist", konterte Vizebürgermeisterin Holzhammer im Gespräch mit dem ORF. Außerdem würden auch keine anderen religiösen Symbole aufgehängt, so die SPÖ-Politikerin.
Man werde sich entschieden für das Anbringen der Kreuze einsetzen, betonte Stelzer. Er warnte davor, "grundlegende Werte und Traditionen der Gesellschaft gegen Laizismus, Wertelosigkeit und Intoleranz einzutauschen. Das wäre Selbstaufgabe und nicht Integration". Ein Kreuzzeichen an der Wand sei keine Provokation Andersgläubiger, sondern Ausdruck der gesellschaftlichen Wertebasis in Österreich, meinte er. Die Linzer ÖVP kündigte an, eine Sachverhaltsdarstellung an die für den Vollzug des Landesgesetzes zur Kinderbetreuung zuständigen Stellen zu schicken.