Luftballons für den Papst im Himmel
Vatikanstadt, 14.5.06 (KAP) Aus ganz Italien waren sie gekommen, um an das Attentat auf Papst Johannes Paul II. vor genau 25 Jahren zu erinnern. An die 20.000 Pilger versammelten sich am Samstag rund um den römischen Petersdom, um im Gedenken an die Ereignisse des 13. Mai 1981 zu beten. Und es gab einen prominenten "Ehrengast": die Statue der Muttergottes von Fatima. Dass sie eigens aus dem portugiesischen Wallfahrtsort eingeflogen wurde, erklärt sich aus der besonderen Geschichte, die den polnischen Papst mit Fatima verbindet.
Unter einem Helikopter schwebte die Marienfigur zwei langsame Runden über die Straßen nahe dem Vatikan, bevor der Pilot sie bei der Engelsburg absetzte. Mit Applaus und Fahnenschwenken nahmen die Menschen sie in Empfang, während aus dem Hubschrauber Blütenblätter auf die Menge niederregneten. Angeführt von Kardinal Ivan Dias, dem Erzbischof von Bombay, bewegte sich dann eine Prozession zum Petersplatz. Mehrmals hielt der Zug inne, um der Marienerscheinungen von Fatima zu gedenken. Der 13. Mai ist der "Tag von Fatima": Am 13. Mai 1917 hatte sich dort vor drei frommen Hirtenkindern die erste einer Serie von Marienerscheinungen ereignet.
Anders als geplant gab es keine eigene Station an jenem Ort auf dem Petersplatz, an dem Papst Johannes Paul II. seinerzeit unter den Schüssen des Türken Ali Agca zusammengebrochen war. Seit Freitag erinnert dort eine in den Boden eingelassene Marmortafel an das Geschehen. Es hieß jedoch, man wolle einem Kult um den Anschlagsort keinen Vorschub leisten. So blieb es während der Prozession bei einer Remineszenz daran, dass Johannes Paul II. sein Überleben stets der Fürbitte der Madonna zugeschrieben hatte.
Der polnische Papst hatte nach eigenem Bekunden schon im Augenblick des Attentats gespürt, dass jemand ihn beschützte. Seine Überzeugung festigte nicht zuletzt das legendenumwobene "dritte Geheimnis von Fatima", das den jungen Sehern am 13. Juli 1917 geoffenbart worden war. In dieser Weissagung ist von einem weiß gekleideten Bischof die Rede, der niedergeschossen wird. Für Johannes Paul II. stand außer Zweifel, dass es eine tiefe Verbindung zwischen Fatima und seinem Schicksal gab. Aus Dank für seine Rettung ließ er eines der Projektile, die ihn getroffen hatten, in die Krone der Statue einarbeiten.
Diese außerordentliche Geschichte des Wojtyla-Papstes stand im Hintergrund, als Roms Kardinalvikar Camillo Ruini ihn während des Festgottesdienstes im überfüllten Petersdom einen "großen Zeugen der göttlichen Barmherzigkeit" nannte. Ruini traf mit seinen schlichten Worten den Nerv der Menge: "Ich bitte ihn jeden Tag, und ich empfehle auch euch, dass ihr euch täglich im Gebet an ihn wendet. Und wir wollen darum beten, dass er schnell selig gesprochen wird". Lang anhaltender Beifall brandete auf. Im Namen Benedikts XVI. verlas Ruini eine kurze Botschaft, in der der Papst an das "dramatische Ereignis" vor 25 Jahren erinnerte und betonte, er sei im Geist bei den Pilgern. Viele hofften, der Papst werde sich auch persönlich sehen lassen, doch vergebens.
Zum Ausklang traten auf der Piazza die berühmten Fahnenschwinger von Siena und eine Blasmusikkapelle der römischen Polizei auf. Doch Feststimmung kam nicht recht auf - zu getragen waren die Melodien. Während der Darbietungen saßen Kommunionkinder rings um die Gnadenstatue mit dem wehmütigen Lächeln, die man auf den Vorplatz des Petersdoms getragen hatte. Sie durften zum Schluss tausende gelbe und blaue Luftballons fliegen lassen, empor in den Himmel, "zur Madonna und zu Johannes Paul II.", wie ein Moderator sagte. In dichten Wolken stiegen die Ballons aus dem Kolonnadenrund auf, vorbei an der Fassade des Apostolischen Palastes.