Papst: "Den Tod im Licht der Offenbarung Gottes sehen"
Vatikanstadt, 2.11.08 (KAP) Papst Benedikt XVI. hat zu Allerseelen die Gläubigen zum Gebet für die Verstorbenen und deren Seelenruhe aufgerufen. Zugleich warnte er vor abergläubischen und mythologischen Vorstellungen über den Tod. Es sei sehr wichtig, dass die Christen Tod und Jenseits im Licht der Offenbarung sehen und die Beziehung zu den Toten aus der Wahrheit des Glaubens heraus begreifen, sagte er bei seinem Angelus-Gebet auf dem Petersplatz.
Die Kirche müsse heute über die Realität von Tod und ewigem Leben reden, sagte der Papst. "Denn diese Realität ist ganz besonders dem Aberglauben und Synkretismen ausgesetzt. Die christliche Wahrheit darf nicht Gefahr laufen, sich mit Mythen verschiedener Art zu vermischen", betonte der Papst.
Christen sollten "nicht traurig sein wie die anderen, die keine Hoffnung haben", zitierte der Papst den Apostel Paulus. Die christliche Hoffnung auf das Ewige Leben gründe sich auf Tod und Auferstehung Jesu. Diese Hoffnung müsse auch heute das menschliche Leben prägen und verwandeln. Letztlich strebten alle Menschen nach einem glücklichen Leben, nach Glück, auch wenn nicht immer klar sei, worin dies genau bestehe. "Der Begriff ewiges Leben will dieser ununterdrückbaren Erwartung einen Namen geben: es ist nicht eine Abfolge ohne Ende, sondern ein Eintauchen in den Ozean der unendlichen Liebe, in dem es keine Zeit, kein Vor- und Nachher mehr gibt", so der Papst.
Christliche Hoffnung sei dabei nicht nur individuell, sondern stets auch eine Hoffnung für andere, "da unsere Existenzen eng miteinander verbunden sind", sagte der Papst. Daher rufe die Kirche alle Christen zum Gebet für ihre verstorbenen Angehörigen auf. Dabei sollten sie auch die Gottesmutter Maria anrufen, "dass sie uns in der Todesstunde beisteht, damit wir unsere Sünden bereuen und voll Zuversicht vor das Antlitz Gottes treten können".
Am Abend von Allerseelen betet der Papst in den Grotten des Petersdoms für die Verstorbenen. Das private Gebet gilt dem Gedenken an die in den "Grotte vaticane" beigesetzten Päpste und allen Verstorbenen.
Noch in den neunziger Jahren war Johannes Paul II. am Allerseelentag auf den zentralen römischen Verano-Friedhof gefahren und hatte dort einen Gottesdienst gefeiert. Später übertrug er diese Aufgabe dann dem römischen Kardinalvikar.