Vor 90 Jahren endete die Monarchie
Am 11. November 1918 verzichtete Kaiser Karl I. auf "jeden Anteil an den Staatsgeschäften" , am folgenden Tag wurde die Republik proklamiert
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Ähnlich wie in Russland und im Osmanischen Reich waren die letzten Tage der Hasburger-Monarchie von der Existenz "paralleler politischer Autoritäten" gekennzeichnet. Schon am 21. Oktober 1918 hatten sich die deutschsprachigen Reichsratsabgeordneten der "cisleithanischen Reichshälfte" ("die im Reichsrat vertretenen Königreiche und Länder") im Niederösterreichischen Landhaus in der Wiener Herrengasse eingefunden und sich zur "Provisorischen Nationalversammlung" erklärt. Den Vorsitz hatte der Sozialdemokrat Karl Seitz. Der
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Kaiser Karl I. |
Kardinal Piffl um Vermittlung gebeten
Dass auch die Christlichsozialen mitspielten, war für den Kaiser eine herbe Enttäusschung. Kurz vorher hatte er noch Kardinal Gustav Piffl gebeten, er möge sich als Vermittler betätigen, um den einflussreichen "Polit-Prälaten" Johann Nepomuk Hauser (1866-1927; er war oberösterreichischer Landeshauptmann und Reichsratsabgeordneter) vom "Absprung" abzuhalten.
Lammasch übergab am 31. Oktober der neuen Regierung Renner die Regierungsgewalt. Die noch amtierende kaiserliche Regierung versuchte jetzt, den deutschösterreichischen Staatsrat in die Waffenstillstandsentscheidungen einzubeziehen. Der Staatsrat entschied jedoch, die Monarchie, die den Krieg begonnen habe,müsse ihn auch beenden.
Der Waffenstillstand zwischen Österreich und Italien vom 3. November 1918 in der Villa Giusti bei Padua (die ungarischen Truppen hatten die Front bereits Ende Oktober verlassen, beim Austritt Budapests aus der "Realunion" mit Wien) wurde somit noch von Kaiser Karl I. und seiner Regierung verantwortet.
Republik am 12. November 1918 proklamiert
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Kardinal Gustav Piffl |
Kaiser Karlübersiedelte noch in der Nacht vom 11. auf den 12. November 1918 mit seiner engsten Familie ins Schloss Eckartsau im Marchfeld, das damals im Unterschied zu Schönbrunn habsburgischer Privatbesitz war. Der englische König Georg V. ließ ihn dort vom britischen Oberstleutnant Edward Lisle Strutt beschützen. Im Hinblick auf die innenpolitische Entwicklung - das geplante Habsburger-Gesetz hätte, falls Karl I. weder ausreisen noch abdanken sollte, seine Internierung vorgesehen - bereitete Strutt die Ausreise der Kaiserfamilie in die Schweiz vor, die am 23. März 1919 im Hofzug erfolgte.
Manifest von Karl I.
Das Manifest Kaiser Karls I. vom 11. November 1918, in dem er auf die Regierung in Österreich verzichtete, hatte folgenden Wortlaut: "Seit Meiner Thronbesteigung war Ich unablässig bemüht, Meine Völker aus den Schrecknissen des Krieges herauszuführen, an dessen Ausbruch Ich keinerlei Schuld trage. Ich habe nicht gezögert, das verfassungsmäßige Leben wieder herzustellen, und habe den Völkern den Weg zu ihrer selbständigen staatlichen Entwicklung eröffnet. Nach wie vor von unwandelbarer Liebe für alle Meine Völker erfüllt, will Ich ihrer freien Entfaltung Meine Person nicht als Hindernis entgegenstellen. Im voraus erkenne Ich die Entscheidung an, die Deutschösterreich über seine künftige Staatsform trifft. Das Volk hat durch seine Vertreter die Regierung übernommen. Ich verzichte auf jeden Anteil an den Staatsgeschäften. Gleichzeitig enthebe ich Meine österreichische Regierung ihres Amtes. Möge das Volk von Deutschösterreich in Eintracht und Versöhnlichkeit die Neuordnung schaffen und befestigen. Das Glück Meiner Völker war von Anbeginn das Ziel Meiner heißesten Wünsche. Nur der innere Friede kann die Wunden dieses Krieges heilen".
Die Republik hatte zunächst eine Konzentrationsregierung aus Sozialisten, Christlich-Sozialen und Großdeutschen. Da Staatskanzler Renner aber ab Mai 1919 an den Friedensverhandlungen in St. Germain teilnahm, führte Vizekanzler Jodok Fink über Monate die Staatsgeschäfte. Seine Regierung war eine rot-schwarze Koalition, die aber nur bis 1920 hielt.