Katholische Sozialakademie feiert 50-Jahr-Jubiläum
Direktor Schlagnitweit sprach sich für eine Stärkung der Kontrolle des Finanzmarktes aus. Letztlich sei die Finanzkrise Ausdruck einer moralischen Krise im Bereich der Wirtschaft
| Image (img2) invalid or missing |
Direktor Markus Schlagnitweit |
Es brauche dringend eine Neugestaltung der internationalen Finanzarchitektur, so Schlagnitweit. Mit den derzeitigen politischen Feuerwehrmaßnahmen zur Rettung der Banken könne vielleicht die akute Krise einigermaßen bewältigt werden, es brauche darüber hinaus aber eine kritische Auseinandersetzung mit den Grundlagen des Wirtschafts- und Geldsystems.
Schlagnitweit sprach sich für eine Stärkung der Kontrolle des Finanzmarktes aus. Praktiken, wie sie einige Fonds betrieben, gehörten kriminalisiert und verboten, denn sie würden nur der eigenen Profitgier dienen und hätten desaströse Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft. Steueroasen müssten geschlossen werden,so Schlagnitweit weiter, der in diesem Zusammenhang auch in Österreich mit seinem Bankengeheimnis Handlungsbedarf sah.
Letztlich sei die Finanzkrise Ausdruck einer moralischen Krise im Bereich der Wirtschaft, "wenn Profitgier jeden anderen Wertübersteigt". Umso größer sei die Notwendigkeit für die Kirchen, hier ihre Stimme zu erheben.
Schlagnitweit mahnte auch vehement mehr Anstrengungen für internationale Gerechtigkeit ein. Ein Gradmesser dabei seien die UN-Millenniumsziele. Es sei ein Skandal, so der ksoe-Direktor, wenn
| Image (img3) invalid or missing |
Glaubwürdige Kirche
Um gehört zu werden und glaubwürdig zu wirken, brauche es auch die Selbstverpflichtung der Kirche, sich an die Vorgaben ihrer eigenen Soziallehre zu halten, so Schlagnitweit. Das betreffe etwa die Vermögens- und Geldveranlagung kirchlicher Organisationen, aber auch die Rolle der Kirche als Arbeitgeber.
Der frühere Direktor der ksoe, P. Alois Riedlsperger SJ, hob in diesem Zusammenhang hervor, dass es auch die Zusammenarbeit aller christlichen Kirchen im sozialen Bereich brauche. Darüber hinaus müsse die Kooperation mit anderen Religionen gesucht werden. "Wir brauchen einen qualifizierten ökumenischen und interreligiösen Dialog, um bei sozialen Themen glaubwürdig zu sein", so Riedlsperger.
Reform des Sozialstaats
| Image (img4) invalid or missing |
Die ksoe arbeitete am Ökum. Sozialwort mit. P. Alois Riedlsperger SJ, Bischof Maximilian Aichern, Oberin Christine Gleixner FvB, Metropolit Michael Staikos, Diakonie-Direktor Michael Chalupka, Helmut Nausner |
Sowohl Schlagnitweit als auch Riedlsperger unterstrichen die Grundprinzipien der Katholischen Soziallehre, denen man sich verpflichtet wisse: Personalität, Solidarität, Subsidiarität und Gemeinwohl. Auf dieser Basis bemühe sich die ksoe auch besonders um Geschlechtergerechtigkeit und gesellschaftliche Partizipation.
Er sei davonüberzeugt, so Schlagnitweit, dass die konkrete Ausgestaltung des gesellschaftlichen Lebens nie Ergebnis automatisch ablaufender Prozesse und Sachzwänge sei, sondern immer das Resultat politischer Interessen. Deshalb müsse immer wieder neu die Frage gestellt werden: "Welche Gesellschaft wollen wir?". Die Politik brauche neue Ziele, gerade angesichts der aktuellen Wirtschafts- und Finanzkrise und der enormen Herausforderungen auf dem Gebiet der internationalen Gerechtigkeit und der Ökologie.
Weiterentwicklung der Soziallehre
Bei der Frühjahrstagung der Österreichischen Bischofskonferenz 1958 wurde der Beschluss zur Gründung der Katholischen Sozialakademie gefasst. Von Anfang an war ihr Auftrag und Ziel, die Katholische Soziallehre zu erforschen, zu verbreiten und auch weiterzuentwickeln. Am 1. Oktober 1958 wurde der Beschlussin die Tat umgesetzt.
In den ersten Jahren konzentrierte sich die Arbeit der ksoe vor allem auf die Ausbildung von Aktivisten in Arbeitswelt und Gesellschaft, inzwischen hat sich ein breiteres Arbeitsspektrum herausgebildet. Die ksoe ist in den Bereichen Gesellschaftspolitik, politische Erwachsenenbildung und Organisationsentwicklung tätig.
Maßgeblich war die ksoe etwa an der Erstellung des Sozialhirtenbriefs der Österreichischen Bischöfe 1990 und dem Sozialwort des Ökumenische Rates der Kirchen in Österreich 2003 beteiligt. Federführend ist sie auch beim "Netzwerk Grundeinkommen" und der "Allianz für den freien Sonntag" engagiert.
Im Bereich der Erwachsenenbildung wolle die ksoe die Menschen dazu ermutigen, sich kompetent gesellschaftspolitisch zu engagieren, so die Bereichsleiterin Gabriele Lindner. Sie verwies im
| Image (img6) invalid or missing |
ksoe fordert Neugestaltung der internationalen Finanzarchitektur |
Gerlinde Schein von der ksoe-Organisationsentwicklung wies auf das breite Angebot der Sozialakademie in diesem Bereich hin: So gehe es etwa um Führungskräfteentwicklung, Seminare in der innerbetrieblichen Weiterbildung wie auch um Supervision oder Teamentwicklung. Die ksoe arbeite hier sowohl mit großen internationl tätigen Unternehmen wie der VOEST als auch mit Nonprofit-Unternehmen wie der Caritas zusammen.
Linktipps:
< Katholische Sozialakademie Österreichs (ksoe)