Grazer Theologe Johannes B. Bauer verstorben
Patristiker, Bibelwissenschafter und Ökumeniker war erster Laientheologe mit einem Lehrstuhl an einer katholisch-theologischen Fakultät im deutschsprachigen Raum
Graz, 25.11.08 (KAP) Der Grazer Patristiker, Bibelwissenschaftler und Ökumeniker Prof. Johannes B. Bauer ist im Alter von 81 Jahren verstorben. Bauer gilt als Pionier der Ökumene und als Verfechter eines fundierten Bibel- und Quellenstudiums als Grundlage ökumenischer Annäherung. Außerdem war Bauer der erste Laientheologe, der im Zusammenhang mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil an einer deutschsprachigen katholisch-theologischen Fakultät habilitiert werden konnte und 1965 als erster Laie einen Lehrstuhl für Dogmengeschichte und Ökumenische Theologie an der Universität Graz erhielt.
Wie der Salzburger Kirchenhistoriker Prof. Dietmar W. Winkler im Gespräch mit "Kathpress" betonte, zeichnete sich Bauer durch eine "philologische Unbestechlichkeit, verbunden mit unbändiger theologischer Leidenschaft" aus. Immer wieder habe sich Bauer ausgehend von seiner Quellen- und Grundlagenforschung auch in aktuelle kirchliche und zeitgeschichtliche Diskurse eingeschaltet. Es gehöre zu seinem "theologischen Erbe", in aktuellen Diskussionen "die Pole der Antike und Gegenwart zusammenzubringen und auf ihre Gemeinsamkeiten hin zu verbinden", so Winkler.
Vorreiter der Ökumene
Dies gelte insbesondere für die Ökumene, in der Bauer etwa durch die Gründung des Grazer Instituts für Ökumenische Theologie, Ostkirchliche Orthodoxe und Patrologie eine Vorreiterrolle einnehme. Bauer könne im Rückblick "geradezu als Personifizierung des Prinzips des 'aggiornamento' des Konzils" betrachtet werden, so Winkler.
Ein Beispiel für Bauers ökumenischen Engagements stelle das gemeinsam mit Prof. Grigorios Larentzakis herausgegebene Grazer Jahrbuch für konkrete Ökumene "Ökumenische Forum" dar. Bauer erinnerte in seinem Beitrag zum ersten Band 1976 daran, dass die Ökumene nicht gedeihen werde, wenn sie sich nicht im Zuge eines gemeinsamen Studiums der biblischen und patristischen Quellen vollziehe. Dadurch könne man "das gemeinsame Fundament wieder entdecken" und so "der Bereinigung der bestehenden trennenden Differenzen näher kommen", so Bauer damals.
Im Blick auf drängende aktuelle Fragen blieb Bauer "nie im Elfenbeinturm der wissenschaftlichen Forschung", sondern zeigte sich stets "wach für politische, soziale und kirchliche Vorgänge", so Winkler weiter. Auch habe Bauer nie den Umgang mit den sogenannten "heißen Eisen" in der Kirche gescheut, wie etwa sein 1972 herausgegebenes und 1997 aktualisiertes Lexikon "Die heißen Eisen in der Kirche" demonstriert. 1972 hatte Bauer Themen wie Ehescheidung, Jungfrauengeburt, Kirchenbeitrag, Laientheologen und Zölibat in diesem Lexikon bewusst zum Thema gemacht.
Ein "Sensorium für die kirchliche Atmosphäre seiner Zeit" habe Bauer darüber hinaus mit der Herausgabe des Bandes "Entwürfe der Theologie" bewiesen. Der 1985 erschienene Sammelband vereint laut Winkler bis heute die "Creme de la creme des theologischen Denkens" - darunter etwa Yves Congar, Gerhard Ebeling, Heinrich Fries, Eberhard Jüngel, Johann B. Metz und Hans Küng. Und dies laut Winkler in einer Zeit, in der das vom Zweiten Vatikanischen Konzil propagierte "aggiornamento", die Öffnung der Kirche, einer erneuten "Verstärkung des römischen Zentralismus" zu weichen drohte.
"Messlatte für systematische theologische Entwürfe"
Seine Linie finde das Werk Bauers laut Winkler insbesondere in seiner "kompromisslosen Genauigkeit bei der Analyse der biblischen, patristischen und dogmengeschichtlichen Quellen", so Winkler. Damit stelle sein Werk gleichsam eine "Messlatte und die Maßeinheit für jegliche systematische theologische Entwicklung heute" dar, so Winkler.
Johannes Baptist Bauer wurde am 21. Jänner 1927 in Wien geboren. Er studierte klassische Philologie, Theologie und Bibelwissenschaften in Wien, München und Rom. Schwerpunkte seiner Arbeit bildeten u.a. das biblische Quellenstudium, die Patristik sowie seine Studien zur Gnosis, zu den Qumran-Schriften und der apokryphen Literatur. 1951 promovierte er an der Universität Wien. 1962 habilitierte er sich schließlich in Graz als erster Laientheologe im deutschsprachigen Raum an einer katholisch-theologischen Fakultät. 1965 folgte die Berufung als erster Laientheologe auf den Lehrstuhl für Dogmengeschichte und Ökumenische Theologe an der Universität Graz.
1966 gründete er mit dem Grazer Institut für Ökumenische Theologie, Ostkirchliche Orthodoxe und Patrologie das erste Institut für ökumenische Theologie in Österreich überhaupt. 1990 wurde außerdem eine eigene Abteilung für Ostkirchliche Orthodoxe Theologie eingerichtet. Bauer stand dem Institut bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1996 vor.
Zu seinen herausragenden Publikationen zählen etwa das "Bibeltheologische Wörterbuch", ein "Lexikon der christlichen Antike" und seine lateinische Textedition der Schriften des Heiligen Augustinus. Bekanntheit erlangten außerdem seine Publikationen "Die Zeit Jesu - Herrscher, Sekten und Parteien", sein Kommentarband zum Ersten Petrusbrief, der Band "Die biblische Urgeschichte" sowie seine Übersetzung und Kommentierung der "Polykarp-Briefe".