"Gemischte Bilanz" über den "Alternativ-Gipfel"
Wien, 15.5.06 (KAP) Eine "gemischte Bilanz" des Wiener "Alternativ-Gipfels" für Lateinamerika zog der Geschäftsführer der "Koordinierungsstelle der Österreichischen Bischofskonferenz für Mission und Entwicklung" (KOO), Heinz Hödl, am Montag im Gespräch mit "Kathpress". Er sei vor allem froh, dass alles "sehr friedlich und gewaltfrei" abgegangen sei und dass sich so viele europäische Gruppen aktiv an der Gestaltung des Gipfels beteiligten.
Weiterhin sei aus kirchlicher Sicht die Anwesenheit des Vorsitzenden der guatemaltekischen Bischofskonferenz, Bischof Alvaro Ramazzini, hervorzuheben, der "sehr präzise und gut vorbereitet" gewesen sei und zu konkreten Fragen der Politik, der Landwirtschaft, des Bergbaus und des ökologischen Raubbaus Auskunft geben konnte. Auch habe er in seiner Predigt beim Gottesdienst in der Franz-von-Assisi-Kirche am Mexikoplatz ausdrücklich die Bedeutung der katholischen Soziallehre für die weiteren entwicklungspolitischen Schritte in Lateinamerika betont, so Hödl.
Positiv beurteilte Hödl weiterhin, dass der "Alternativ-Gipfel" zu einer "ungeheuren Medienpräsenz für Lateinamerika und seine Probleme" beigetragen habe. Auch die Erkenntnis, dass es unter den lateinamerikanischen Staaten "große Widersprüche und Gegensätze" gebe, müsse positiv aus dem Gipfel mitgenommen und in die Folgearbeit der Entwicklungsorganisationen produktiv eingebracht werden, so Hödl.
Kritik äußerte Hödl am sogenannten "Tribunal der Völker". Dies sei nicht optimal gelaufen, da es für die angeklagten Konzerne keine Möglichkeit zur Verteidigung gegeben habe. Weiters kritisierte Hödl die "unüberschaubare Vielzahl an Workshops". Dies habe zu einer "Überforderung" sowohl der Besucher als auch der Organisatoren geführt. Auch habe die inhaltliche Vielfalt in der Ausgestaltung "oft keine Kohärenz für gemeinsame Lösungen" ermöglicht. Ebenso kritisierte Hödl die starke mediale Präsenz "linker Splittergruppen", insbesondere der Freunde der kubanischen Revolution. Diesen Gruppierungen sei viel mehr Raum zugestanden worden, "als ihrer wirklichen Größe entspricht". Diesbezüglich habe man im Vorfeld von Seiten der katholischen Organisationen "zu wenig Einfluss nehmen können", so Hödl. Auch bezeichnete es Hödl als "unnötig", dass dem venezolanischen Präsidenten Hugo Chavez "eine so breite Plattform" eingeräumt wurde. Dies sei "für die Zivilgesellschaft, die im Mittelpunkt dieser Zusammenkunft stand, kein Ruhmesblatt".
Die kirchliche Position, wie sie im von der KOO herausgegebenen Forderungskatalog anlässlich des Lateinamerika-Gipfels deutlich wird, sei "eine gemäßigte Position und zugleich eine radikale Position im Sinne des Evangeliums", unterstrich Hödl: "In ihrem Mittelpunkt steht der konkrete Mensch". Wo Konzepte wie der wirtschaftliche Neoliberalismus zur weiteren Verarmung der Menschen beitrage, da könne man diese "nicht gutheißen" und müsse dies deutlich zur Sprache bringen.
Für den nächsten "Alternativ-Gipfel" in Peru in zwei Jahren müsse man sich "gut überlegen", wie vorzugehen sei, so Hödl, um "kirchlichen entwicklungspolitischen Ziele im Sinne unserer Partner in Lateinamerika noch besser zum Durchbruch zu verhelfen". Dabei habe er keinen Zweifel, dass "ausgehend von der Katholischen Soziallehre Lösungen und Modelle da sind", die es nun in intensivierter Arbeit an der Basis umzusetzen gelte.