Kongress theol. Frauenforscherinnen war "Meilenstein"
Graz, 16.5.06 (KAP) Als "Meilenstein" für die breite Akzeptanz feministisch-theologischer Forschung hat die Grazer Alttestamentlerin Prof. Irmtraud Fischer den jüngst in der steirischen Landeshauptstadt zu Ende gegangenen Kongress der "Europäischen Gesellschaft für theologische Forschung von Frauen" (ESWTR) bezeichnet. Die Organisatorin der Tagung verwies in diesem Zusammenhang auf die Präsenz des Grazer Bischofs Egon Kapellari beim Festakt zum 20-Jahr-Jubiläum der ESTWR und auf den Empfang, zu dem Kapellari die rund 60 Kongressteilnehmerinnen aus 23 Ländern in das Grazer Priesterseminar eingeladen hatte. Diese Begegnungen mit einem katholischen Bischof seien eine Premiere im Rahmen der Kongresse dieser ökumenischen und interreligiösen Wissenschaftlerinnen-Vereinigung gewesen, so Fischer im Gespräch mit "Kathpress". Kapellari habe beim Festakt "eine von den Frauenforscherinnen viel beachtete Ansprache" gehalten. "Mit einem intellektuellen Bischof wie Egon Kapellari war diese sehr konstruktiv verlaufene, historisch zu nennende Begegnung möglich", sagte die ehemalige ESTWR-Präsidentin Fischer: "In Graz wurde ein Stück Kirchengeschichte geschrieben, das hoffen lässt".
Das Kongressthema "Theologie von Frauen für Frauen? Chancen und Probleme der Rückbindung feministischer Theologie an die Praxis" habe ebenfalls zu gelungenen Brückenschlägen geführt, so Fischer weiter. Die Theologinnen hätten zum Teil bei Frauen Quartier bezogen, die in kirchlichen Organisationen und Gruppen engagiert sind, dabei hätten sich viele Gespräche über Anliegen und Ausrichtung feministischer Theologie ergeben. Bewährt hätten sich die so genannten "Theologischen Salons" beim Kongress, wo an mehr als 20 Orten in Graz über theologische Frauen- und Geschlechterforschung diskutiert wurde, resümierte Fischer. Zahlreiche Bildungseinrichtungen - von katholischen und evangelischen Pfarren, dem Bildungshaus Maria Trost über die Universität bis hin zum Religionspädagogischen Institut - hatten mit den Veranstalterinnen des Kongresses kooperiert, eröffnet wurde die Tagung in der Grazer jüdischen Synagoge. Die Form der praxisnahen Auseinandersetzung in "Theologischen Salons" solle in Graz fortgesetzt werden, kündigte die Grazer Bibelwissenschaftlerin an.
Die "Europäische Gesellschaft für theologische Forschung von Frauen" ist die größte wissenschaftliche Theologinnenvereinigung Europas. Namhafte Theologinnen aus 23 Ländern, darunter die mehrfachen Ehrendoktorinnen Prof. Elisabeth Gössmann (Tokio/München), Prof. Ursula King (Bristol) und die als Festrednerin geladene Harvard-Professorin Elizabeth Schüssler-Fiorenza kamen anlässlich der ESWTR-Gründung vor 20 Jahren zusammen, um im Rückblick auf die Anfänge Perspektiven für die Zukunft der theologischen Frauenforschung zu entwickeln.