Wien: Der "lächelnde Kaplan" aus Nigeria ist unvergessen
Wien, 17.5.06 (KAP) Der Einsatz der Kirche in Österreich für die Seligsprechung des in Wien unvergessenen austro-nigerianischen Priesters Aaron Ekwu macht in Nigeria Eindruck. Der emeritierte nigerianische Erzbischof Albert K. Obiefuna, der sich derzeit in Österreich aufhält, meinte im Gespräch mit "Kathpress", es sei wunderbar, dass sich in einer Zeit, in der viel über Rassismus geredet wird, österreichische Katholiken für die Seligsprechung eines nigerianischen Priesters einsetzen: "Die Kirche ist eine große Familie, hier gibt es keine Trennungen und Vorurteile". Aaron Ekwu, der "lächelnde Kaplan", sei in den Herzen der Österreicher geblieben.
Obiefuna war nach Österreich gekommen, um hier aus Nigeria stammende Pfarrer zu besuchen und in deren Gemeinden Jugendliche zu firmen. Kardinal Christoph Schönborn, der im Jahr 2000 selbst in Nigeria war, lud den Alterzbischof von Onitsha spontan ein, mit ihm die Herz-Jesu-Messe im Wiener Stephansdom zu konzelebrieren.
In Nigeria verfolge man die parallel in der Diözese Awka (der Heimatdiözese Aaron Ekwus) und in der Erzdiözese Wien laufenden Vorerhebungen. Aus Awka bekomme man aber nur wenig Informationen über das Fortschreiten des Prozesses, wie Obiefuna bedauerte. Hoffnung setze er in "Bewegungen, die für den Fortgang der Seligsprechung beten und das öffentliche Interesse für Aaron Ekwu wach halten". Im Gegensatz zur Diözese Awka seien die Katholiken in der Erzdiözese Wien diesbezüglich "besser informiert, engagierter und begeisterter".
Als herausragendste Qualität Aaron Ekwus bezeichnete der Erzbischof "seine Barmherzigkeit in einem heroischen Ausmaß". "Father Aaron" sei von einer "natürlichen Begabung zur Barmherzigkeit in Kombination mit seinem theologischen Verstand und seiner Spiritualität" ausgezeichnet gewesen. Das sei "Grund genug, dass wir heute unser Bemühen darauf setzen sollten, die Seligsprechung zu erreichen".
Aaron Ekwu, 1936 in Nigeria geboren, konnte dank eines Stipendiums in Wien Theologie studieren. Nach dem Besuch des Wiener Priesterseminars wurde Ekwu im Juni 1965 von Kardinal Franz König im Stephansdom zum Priester geweiht. Neben seinem Doktoratsstudium war Aaron Ekwu bis 1970 Kaplan in der Pfarre St. Johann Evangelist am Keplerplatz in Wien-Favoriten, wo er mit seinem liebenswürdigen und offenen Wesen einen großen Freundeskreis gewann. Er war Mitbegründer der Vereinigung "HIFA" ("Hilfe für alle"), einer Entwicklungsinitiative für seine durch den Biafra-Krieg schwer getroffene Heimat. Intensiven Kontakt pflegte Ekwu auch mit der Fokolar-Gemeinschaft und mit der Bewegung "Marriage Encounter". Erst nach dem Ende des Bürgerkrieges 1970 konnte Aaron Ekwu in seine Heimat zurückkehren, wo er wichtige kirchliche und soziale Aufgaben übernahm. 1989 starb er bei einem Unfall.