Karl Golser wird am 8. März 2009 zum Bischof geweiht
Der neu ernannte Bischof von Bozen-Brixen, Karl Golser, wird am 8. März 2009 im Dom von Brixen die Bischofsweihe erhalten. Das gab der Pressedienst der Diözese Bozen-Brixen bekannt. Hauptkonsekrator wird der Patriarch von Venedig, Kardinal Angelo Scola, sein. Zu Mitkonsekratoren wurden der Innsbrucker Diözesanbischof Manfred Scheuer und der Erzbischof von Trient, Luigi Bressan, erwählt.
Nachfolge von Bischof Egger
Der 65-jährige Südtiroler Moraltheologe Golser tritt damit die Nachfolge des am 17. August dieses Jahres verstorbenen Bischofs Wilhelm Egger an; Egger war 68-jährig überraschend einem Herzinfarkt erlegen.
Golser lehrt an der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Brixen. Er wurde am 16. Mai 1943 in Tscherms bei Meran geboren. Von 1962 bis 1973 studierte er an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom, dazwischen 1969/70 in Brüssel am Institut "Lumen vitae". Am 10. Oktober 1968 wurde Golser in Rom zum Priester geweiht. Von 1977 bis 1982 war er Mitarbeiter der Glaubenskongregation - als Kollege des heutigen Präfekten William Levada. Ab 1982 übernahm er in seiner Heimatdiözese Aufgaben in der Seelsorge und als Professor an der Hochschule. Seit 2006 ist er auch Präsident der Vereinigung der Moraltheologen Italiens.
Besonders hat sich Golser in den vergangenen Jahren für Fragen der "Bewahrung der Schöpfung" eingesetzt. Er ist Leiter des "Instituts für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung/Istituto per la giustizia, la pace e la salvaguardia del creato" (IGPSC) an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Brixen und arbeitete an der Abfassung eines Dokumentes der "Kommission der Bischofskonferenzen des EU-Raumes" (ComECE) zum Klimwandel mit. Er trug auch wesentlich dazu bei, dass die Italienische Bischofskonferenz ein umfassendes Programm zur Bewahrung der Schöpfung ausgearbeitet hat. Ebenso war Prof. Golser an Initiativen der an der Brenner-Route gelegenen Diözesen zur Reduktion der Verkehrsbelastung in den Alpen beteiligt.
Globalisierung braucht ethische Steuerung
Auch mit Fragen der Globalierung hat sich Golser eingehend beschäftigt. Die rasch voranschreitende Globalisierung und ihre Begleiterscheinungen hätten auch einen "ethischen Notstand" mit sich gebracht. Es fehle eine auf die gesamte Welt bezogene ethische Reflexion und verantwortliche Steuerung der Globalisierungsprozesse, so seine Analyse.
Golser artikulierte seine Skepsis gegenüber der Marktideologie. Nach Adam Smith das "größte Glück für die größtmögliche Zahl erreichen zu wollen", sei unethisch, wenn es den Schwächeren dabei schlechter geht, stellte er einmal fest. Weiters müsse auch bedacht werden, dass der sogenannte "homo oeconomicus", der wirtschaftlich rational nur seinem Eigennutzen folgt, eine Reduktion des Menschen sei. Der wirtschaftlich handelnde Mensch habe auch andere Dimensionen wie beispielsweise die Sorge für die eigene Familie sowie kulturelle und ideelle Interessen.
Wahlspruch "Christus unser Friede"
Als bischöflichen Wahlspruch hat sich der neue Brixner Bischof ein Wort auf dem Brief des Apostels Paulus an die Epheser gewählt: "Christus unser Friede". Wie es auf der Website der Diözese Bozen-Brixen dazu heißt, rücke der Wahlspruch "Christus ins Zentrum und lädt ein, die Herzen für ihn, der 'unser Friede' geworden ist, zu öffnen". Der Friede Christi erneuere jeden Bereich des täglichen Lebens.
Hoffnung stärken, Zusammenarbeit ausbauen
Wie Golser bei einer Pressekonferenz am Freitag bekannt gab, sei er am 21. November vom Apostolischen Nuntius über die Entscheidung des Papstes informiert worden. Bei einem persönlichen Gespräch mit dem Nuntius in Rom am 26. November habe er das Amt offiziell angenommen. Mit einer Bischofsweihe noch vor Weihnachten sei nicht zu rechnen. Die Weihe müsse innerhalb von drei Monaten stattfinden. Er rechne eher mit einem Termin Ende Februar oder Anfang März.
Als Bischof wolle er das Wort Zuversicht groß schreiben, so Golser. "Es muss wieder mehr Hoffnung verbreitet werden. Es darf nicht nur geklagt werden", meinte er im Blick auf die wirtschaftliche und gesellschaftliche Lage. Als Bischof werde er stark mit den Priestern zusammenarbeiten, aber vor allem auch einen direkten Draht zu den Gläubigen suchen. "Meine, unsere Aufgabe ist es, die Verbundenheit zum Glauben zu stärken", so Golser. Auch die Verbindungen zur Kirche auf anderen Kontinenten und zur Ostkirche wolle er ausbauen.
"Mehr Miteinander"
Besonders am Herzen liegt dem neuen Bischof - wie schon seinem Vorgänger - das Zusammenleben der Volksgruppen in der Diözese. Die drei Sprachgruppen, "aber auch die Ausländer, die unter uns wohnen", müssten stärker zueinander finden, unterstrich Golser.
Scheuer begrüßt Nachbarbischof
Der Innsbrucker Diözesanbischof Manfred Scheuer hat die Ernennung Karl Golsers zum Bischof von Bozen-Brixen in einer ersten Stellungnahme begrüßt. Er schätze Golser als kompetenten Moraltheologen und Ethiker vor allem in Fragen der Verantwortung für die Schöpfung, so Scheuer. Als Bischof von Innsbruck habe er auch schon mehrmals mit Golser zusammengearbeitet, etwa bei Fragen zum Transit.
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