Jerusalem: Heinz Fischer besucht Österreich-Hospiz
Bundespräsident drei Tage auf Besuch in Israel und den Palästinensischen Gebieten. Das Hospiz an der Via Dolorosa in der Altstadt ist das älteste nationale Pilgerhaus im Heiligen Land
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Jerusalem, 16.12.08 (KAP) Bundespräsident Heinz Fischer wird am Mittwochabend zum Abschluss seines dreitägigen offiziellen Besuchs in Israel und den Palästinensischen Gebieten das Österreichische Hospiz in Jerusalem besuchen. Das 1857 begründete Hospiz an der Via Dolorosa in der Altstadt Jerusalems ist das älteste bestehende nationale Pilgerhaus im Heiligen Land. Es befindet sich aber erst seit 1985 wieder im Besitz der Kirche, nachdem es zuvor jahrzehntelang von britischen, jordanischen und israelischen Behörden beschlagnahmt war. Rektor des Hauses ist der Eisenstädter Diözesanpriester Markus St. Bugnyar.
Empfangen wird Fischer im Österreichischen Hospiz von einem Kinderchor aus dem "Magnificat-Institut" des Franziskanerordens in Jerusalem. Die 20 Kinder im Alter von sieben bis neun Jahren singen für den Bundespräsidenten zwei christlich-arabische Weihnachtslieder, bevor Rektor Bugnyar ihn offiziell begrüßen wird. Zum anschließenden Empfang sind u.a. alle österreichischen Ordensfrauen eingeladen, die im Heiligen Land in Gästehäusern, karitativen Einrichtungen oder spirituellen Gemeinschaften wirken. Auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von sozialen Einrichtungen, wie dem Caritas Baby Hospital in Bethlehem und dem "Holy Family Hospital" der Malteser sollen während des rund eineinhalbstündigen Besuchs mit Fischer zusammentreffen. Zahlreiche Botschafter sind ebenso geladen wie Vertreter der christlichen Kirchen im Heiligen Land. Entschuldigt hat sich der lateinische Patriarch von Jerusalem, Erzbischof Fouad Twal, der sich derzeit zur Vorbereitung der möglichen Nahost-Reise Papst Benedikts XVI. in Jordanien aufhält.
Heinz Fischer machte bereits als Nationalratspräsident während einer Nahost-Reise im Jahr 2002 im Österreichischen Hospiz Station. Fischers Amtsvorgänger Thomas Klestil hielt sich bei seinem Staatsbesuch in Israel im Jahr 1994 im Hospiz auf. Öffentliche Aufmerksamkeit erregte damals, dass ein geplantes Treffen mit Palästinenser-Vertretern im Hospiz nicht zustande kam, weil die Palästinenser offenbar darüber verstimmt waren, dass Klestil bei seiner Reise nicht mit Yasser
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Arafat zusammentraf. Erst als Klestil damals das Hospiz bereits wieder verließ, traf der damalige Bürgermeister von Bethlehem, Elias Freij, ein und konnte noch kurz mit dem Bundespräsidenten sprechen.
Traditionsreiches Haus mit bewegter Geschichte
Das Österreichische Hospiz "Zur Heiligen Familie" gehört zu den traditionsreichsten Institutionen im Vorderen Orient. Seine 150-jährige Geschichte spiegelt die wechselvolle Entwicklung der Stadt Jerusalem.
Das Hospiz wurde 1857 gegründet und am 19. März 1863 feierlich eröffnet. Kaiser Franz Joseph besuchte 1869 das Hospiz auf seiner Reise zur Eröffnung des Suezkanals. Der Kaiser wohnte damals in dem kirchlichen Haus. In der Kapelle, dem Herzstück des Hospizes, findet sich die berühmte Darstellung Franz Josephs als König von Jerusalem. Wie seine Vorgänger trug der österreichische Monarch diesen Ehren-Titel. Bis 1918 war das Hospiz Schwerpunkt der österreichischen Präsenz im Orient. Es diente auch als Residenz des österreichischen Konsuls im damals noch osmanischen Jerusalem.
Nach ihrem Einmarsch in Jerusalem am Ende des Ersten Weltkriegs konfiszierten die Briten das Gebäude. Es wurde in ein Waisenhaus für einheimische Kinder umgewidmet, aber im Sommer 1919 wieder zurückgegeben. Einen Höhepunkt seiner Wirksamkeit erlangte das Haus, als in der Zwischenkriegszeit der damalige Rektor, Franz Fellinger, zum Generalvikar und Weihbischof des lateinischen Patriarchen von Jerusalem aufstieg.
1939 wurde das Haus von den britischen Mandatsbehörden als "deutsches Eigentum" beschlagnahmt und als Internierungslager für österreichische, deutsche und italienische Priester und Ordensleute verwendet. Nach dem Krieg wurde es britische Offiziersschule. 1948 wurde es von den Engländern der Kirche restituiert.
Mit der Gründung des Staates Israel 1948 wurde Jerusalem geteilt. Das Hospiz fiel an Jordanien. Es wurde jetzt zu einem Spital umfunktioniert, in dem auch geistliche Schwestern aus Österreich arbeiteten. Das Hospiz war lange Zeit das einzige Spital in Ostjerusalem. Es sollte durch einen Neubau ersetzt werden, der 1967 schon fast fertig war. Im Verlauf des Sechs-Tage-Krieges im Sommer 1967 besetzte Israel aber den Spitals-Neubau und verwendete ihn in der Folge als Hauptquartier der Polizei.
Wiedereröffnung im März 1988
Erst im Dezember 1985 wurde das Gebäude an die katholische Kirche zurückgegeben. Nach dringend notwendigen Restaurierungs- und Adaptierungsarbeiten konnte Ende 1988 der Pilgerbetrieb im Hospiz wieder aufgenommen werden. Am 19. März 1988 fand die offizielle Wiedereröffnung als Pilgerhospiz statt. Der Wiener Bibelwissenschaftler Wolfgang Schwarz wurde zum Rektor bestellt. Seit Mai 2004 wird das Hospiz von Rektor Markus St. Bugnyar geleitet.
Die Folgen der im Herbst 2000 aufgeflammten Al-Aksa-Intifada brachten einen völligen Einbruch der Nächtigungszahlen. Mehr als vier Jahre lang stand das Österreichische Hospiz praktisch leer, bevor sich die Zimmer langsam wieder mit Pilgern füllten. Um Pilger zum Besuch der Heiligen Stätten zu motivieren, unternahmen auch die österreichischen Bischöfe im November 2007 eine Pilgerreise in das Heilige Land. Mehrere Tage lang hielten sie dabei im Hospiz in Jerusalem ihre turnusmäßige Vollversammlung der Bischofskonferenz ab.
"Die derzeitige Auslastung des Hospizes und auch die Reservierungslage für das kommende Jahr sind sehr gut", freute sich Hospiz-Rektor Markus St. Bugnyar im Gespräch mit "Kathpress". Größere Pilgergruppen, die in das Heilige Land kommen und im Österreichischen Hospiz übernachten wollen, sollten sich bereits jetzt für das Jahr 2010 vormerken lassen. Vor wenigen Tagen haben Renovierungsarbeiten am sogenannten Schwesternhaus des Hospizes begonnen. Das unmittelbar neben dem Haupthaus liegende Gebäude wird bei den viermonatigen Arbeiten, die laut Rektor Bugnyar rund 420.000 Euro kosten, neu adaptiert und soll in Zukunft den geistlichen Schwestern und den Volontären des Hospizes als Unterkunft dienen.
Ort des Dialogs und der Begegnung
Das Österreich-Hospiz ist eine "geistliche Rast- und Pilgerstätte", aber auch ein "Ort des Dialogs und der Begegnung". Rektor Bugnyar fördert die kulturellen Aktivitäten des Österreichischen Hospizes in Form von Konzerten, Ausstellungen und Vorträgen. Derzeit sind beispielsweise im Hospiz Werke des Wiener Künstlers Prof. Ernst Degasperi ausgestellt, der sich in besonderer Weise um den "Trialog" zwischen Christen, Juden und Muslimen bemüht.
Die herzliche Atmosphäre und Gastfreundschaft verdankt das Hospiz auch den zahlreichen Zivildienern und Volontären, die ehrenamtlich mitarbeiten und so das Leben des Hauses prägen. Seit der Wiedereröffnung im Jahr 1988 waren mehr als 1.200 Volontäre im Österreichischen Hospiz im Einsatz.
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