Caritas mit Ergebnis des Spendengipfels zufrieden
Wien (KAP) In Österreich sind ab dem 1. Jänner 2009 Spenden an "mildtätige" Organisationen für deren Einsatz im In- und Ausland sowie für Entwicklungshilfe in der Höhe von bis zu zehn Prozent des Jahreseinkommens steuerlich absetzbar. Das ist das Ergebnis des "Spendengipfels" von Vizekanzler und Finanzminister Josef Pröll mit Vertretern von Hilfsorganisationen am Dienstagnachmittag. Caritas-Präsident Franz Küberl zeigte sich in einer ersten Reaktion sehr zufrieden mit der geplanten Regelung. "Es ist insgesamt ein großer Schritt", so Küberl im Gespräch mit "Kathpress". Die Spendenabsetzbarkeit bedeute "Rückenwind für Menschen, die aus Gründen der Solidarität etwas zur Verfügung stellen". Gleichzeitig wertete der Caritas-Präsident das Zustandekommen der Regelung auch als "großen Schritt im Verhältnis von NGOs und Regierung".
Ein "Wermutstropfen" sei, dass Tierschutz- und Umweltschutzorganisationen vorerst von der Spendenabsetzbarkeit ausgeschlossen sind. Er hoffe, so Küberl, dass sich das nach der geplanten Evaluation des Gesetzes in zwei Jahren ändere.
Vizekanzler Pröll kündigte nach dem "Spendengipfel" an, dass bis Mitte Jänner 2009 geklärt sein soll, wie das Modell für die Spendenabsetzbarkeit konkret aussehen wird. Die Änderung im Einkommenssteuergesetz könnte bis April beschlossen werden. Die Regelung gilt dann rückwirkend mit Jahresbeginn.
Für die Spender soll es jedenfalls eine Liste jener Organisationen geben, an die man "steuermindernd" spenden kann. Voraussetzung ist, dass die Organisation seit mindestens drei Jahren arbeitet sowie eine noch festzulegende Grenze für Verwaltungskosten unterschreitet.
In zwei Jahren soll das neue Gesetz geprüft werden. Möglicherweise könnten dann auch Spenden an Tier- und Umweltschutzorganisationen steuerlich begünstigt werden, so Pröll.
Landau hofft auf mehr Spenden
Der Wiener Caritasdirektor Msgr. Michael Landau zeigte sich am Dienstag froh darüber, dass die Spendenabsetzbarkeit nun "endlich" umgesetzt werde. "Es ist zu hoffen, dass damit der drohende Spendenrückgang zumindest teilweise ausgeglichen werden kann", meinte Landau im Gespräch mit "Kathpress". Entscheidend sei, dass für die Abwicklung eine praktikable Lösung gefunden werde, die sowohl die Spenden von Unternehmen berücksichtigt als auch einen "unbürokratischer Weg" für die vielen "kleinen" Spenderinnen und Spender beinhaltet.
"Wir sehen in der täglichen Arbeit dass es eine große Hilfsbereitschaft gibt, wo es um konkrete Menschen geht - das gehört anerkannt und gefördert", unterstrich der Wiener Caritasdirektor. Gerade in schwierigen Zeiten müsse alles getan werden, "um den Grundwasserspiegel der Mitmenschlichkeit hoch zu halten". Landau drückte in diesem Zusammenhang seinen persönlichen Dank an Bundeskanzler Werner Faymann und Vizekanzler Josef Pröll aus.
Die Päpstlichen Missionswerke in Österreich ("Missio"-Austria) haben die Aufnahme von Spenden für die Entwicklungszusammenarbeit (EZA) in die geplante Regelung zur Spendenabsetzbarkeit begrüßt. "Missio"-Nationaldirektor Msgr. Leo Maasburg sprach in einer Presseaussendung von einem "Schritt in die richtige Richtung". Alles andere wäre angesichts einer Milliarde hungernder Menschen in der ganzen Welt und noch dazu kurz vor dem Weihnachtsfest "tragischer Zynismus" gewesen, so Maasburg. Die geplante Regelung werde sich als positiver Motor für eine noch größere Hilfsbereitschaft der Österreicher erweisen, zeigte sich der "Missio"-Nationaldirektor überzeugt.
Mit der Entscheidung für die steuerliche Absetzbarkeit von EZA-Spenden anerkenne die Regierung die Haltung der Österreicher. Immer schon hätten diese ein offenes Herz für Menschen in Not und zeigten große Hilfsbereitschaft. Bei dieser konkreten Hilfe und Zuwendung zum Nächsten habe noch nie ein Österreicher zwischen In- und Ausland unterschieden, so Maasburg. Dank der geplanten Regelung könne diese gute Tradition jetzt fortgesetzt werden.
Auch die Hilfsorganisation "Licht für die Welt" begrüßt die Berücksichtigung der EZA-Spenden bei der geplanten Regelung zur Spendenabsetzbarkeit. Wie "Licht für die Welt"-Geschäftsführer Rupert Roniger in einer Presseaussendung betonte, stelle dieser Schritt ein "deutliches Signal der Wertschätzung" gegenüber jenen Menschen dar, die die Arbeit der Entwicklungshilfeorganisationen unterstützen und so dazu beitragen, "den Kreislauf von Armut, Blindheit und Behinderung zu durchbrechen".
Kolping: "Steuerbonus ist gut für alle"
Als erfreuliche Unterstützung für die Arbeit der Hilfsorganisationen hat Kolping-Präsidentin Christine Leopold die Initiative der Bundesregierung für eine künftige Absetzbarkeit von Spenden bezeichnet. "Die NGOs leisten einen wichtigen Beitrag zum sozialen Zusammenhalt in Österreich", so Christine Leopold in einer Aussendung: "Wir bringen Erfahrung, Kompetenz und viel Engagement ein - es ist gut, dass unsere Aufgabe, den Armen zu helfen, nun durch einen Steuerbonus erleichtert werden soll".
Durch den Vorstoß des Finanzministers würde eine "Win-Win-Situation" geschaffen: "Mit mehr Spenden können wir unsere Leistungen zum Wohl der Ärmsten weiter ausbauen, besonders in jenen Bereichen, wo die Grundversorgung durch die öffentliche Hand nicht gegeben ist". Die Sozialorganisationen hätten ein feines Sensorium - auch für versteckte Nöte - und würden rasch und zielgerichtet handeln. Leopold: "Und das kommt letztlich allen zugute, auch dem Staat".
Umweltschutz-NGOs: "Eine Katastrophe"
Umweltschutz-NGOs wie "Greenpeace", WWF oder "Global 2000" werteten das Ergebnis des "Spendengipfels" im Finanzministerium in Aussendungen als "Katastrophe". Durch ihre Nichtberücksichtigung bei der steuerlichen Absetzbarkeit erwarten sie nun eine doppelte Belastung: Erstens durch die Finanzkrise, zweitens durch die Verlagerung des Spendenvolumens auf Organisationen, die durch die Spendenabsetzbarkeit begünstigt wurden. "Wir werden jetzt die Zeit bis zum Beschluss des Einkommensteuergesetzes vor Ostern 2009 nutzen, um die Einbeziehung des Umweltschutzes zu erreichen. Dazu werden wir alle Mittel des Dialogs, aber auch alle rechtlichen Mittel, ausschöpfen", kündigte Greenpeace-Geschäftsführer Alexander Egit an.